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Zeitschenker in Bornheim und Alfter starten erneut: Ehrenamtliche schenken ihre Zeit Senioren und Alleinerziehenden

Zeitschenker in Bornheim und Alfter starten erneut : Ehrenamtliche schenken ihre Zeit Senioren und Alleinerziehenden

Die Zeitschenker sind wieder da. Schon 2015 schenkten in den katholischen Familienzentren in Roisdorf und Alfter Ehrenamtliche einen Teil ihrer Zeit unterstützungsbedürftigen Familien. Bei der Neuauflage des Projekts können jetzt alle Hilfebedürftigen das Zeit-Geschenk anfordern. Mit Projektkoordinatorin Katharina Schäfer sprach Susanne Träupmann.

Warum gibt es nach sechs Jahren nun ein zweites Zeitschenker-Konzept?

Katharina Schäfer: Obwohl die bisherigen Projekte ausgesprochen erfolgreich waren und es bei Ehrenamtlichen und Beschenkten eine große Resonanz gab, hat das Projekt keine Eigendynamik entwickelt. Nachdem die gezielten Vermittlungen eingestellt wurden, gab es nur noch wenige Zeitschenker. Vor eineinhalb Jahren wurde dann in Bornheim eine Neuauflage überlegt – in einer modifizierten Form. Standen vor sechs Jahren in erster Linien Familien im Fokus der Hilfe, so möchten wir zusätzlich zu den Familien auch Senioren und Alleinerziehende ansprechen. Da ist die Nachfrage nach Unterstützung besonders groß, zumal nachbarschaftliche und familiäre Strukturen auch im Vorgebirge nicht mehr so präsent sind. Da möchten wir Abhilfe schaffen.

Wie sieht die Hilfe der Zeitschenker konkret aus?

Schäfer: Wir bieten keinen Ersatz für professionelle Unterstützung an. Unsere Ehrenamtlichen werden zwar regelmäßig, aber immer nur temporär zu Stelle sein. Die Nachfrage ist da. Gerade Senioren kämpfen im Lockdown mit der Einsamkeit, erhalten sie doch häufig keine Besuche mehr und können auch nicht an Seniorentreffen teilnehmen. Aber auch Alleinerziehenden fehlen oftmals die Ansprechpartner, sie fühlen sich mit ihren Problemen allein gelassen. Deshalb starten wir mit dem Projekt schon im März und damit früher als geplant. Bis zur Aufhebung der Kontaktbeschränkungen sollen die Menschen telefonisch oder per Videoschaltung beraten werden. Es gibt viele Menschen, die den Lockdown nicht mehr ertragen können und bei denen bereits körperliche oder psychische Folgen der Isolation sichtbar werden. Wer möchte, erhält neben der praktischen Unterstützung auch eine seelsorgerische und spirituelle Betreuung.

Steht bei Ihrer Konzeption das christliche Weltbild im Vordergrund?

Schäfer: Mir ist wichtig, dass wir mit den Zeitschenkern die Gemeinschaft und die Nächstenliebe und damit praktizierte christliche Werte in den Ortsteilen stärken können. Bei den Ehrenamtlichen und den Zeitbeschenkten spielen Glaube und Konfessionszugehörigkeit keine Rolle. Uns sind alle Menschen willkommen.

Sie waren Lehrerin an der Bornheimer Europaschule. Warum haben Sie die Sparte gewechselt?

Schäfer: Die Rahmenbedingungen als Projektkoordinatorin sind attraktiv. Der Job ist vielseitig. Ich habe intensiven Kontakt zu Menschen und große Freiheit bei der Ausgestaltung. Als ehemalige Deutsch - und Religionslehrerin spiegelt diese Stelle auch meine berufliche Qualifikation wider. Da ich außerdem im Marketing eines Unternehmens gearbeitet habe, bringe ich auch Erfahrungen mit Bildsprache und der Planung von Werbekampagnen mit.

Haben sich schon erste Interessenten für eine Telefonpatenschaft gemeldet?

Schäfer: Aufgrund der andauernden Pandemie war nicht zu erwarten, dass sich zurzeit Menschen in großer Zahl in einem zusätzlichen Freiwilligendienst engagieren möchten, wie es in normalen Zeiten der Fall ist. Mit der Zahl der Anmeldungen bin ich sehr zufrieden. Aber ich hoffe noch darauf, dass sich mehr unterstützungsbedürftige Menschen trauen, unser Angebot der Zeitschenker anzunehmen und sich zu melden. Um einem möglichen Vorurteil entgegenzuwirken, muss ich sagen, dass unsere Zeitschenker gut ausgebildet sind. Ich hoffe, dass die Menschen bald wieder auf die wohltuende Unterstützung der Gemeinschaft vertrauen werden.

Welche Workshops und Schulungen absolvieren Ehrenamtliche?

Schäfer: Ob Telefonpate oder später Zeitschenker: den Ehrenamtlichen gebe ich zunächst einmal einen mehrstündigen Einblick in ihre künftige Tätigkeit, später folgt noch eine vom Erzbistum Köln vorgegebene obligatorische Präventionsschulung. Außerdem wird es eine regelmäßige Supervision geben – beim Telefonpatenprogramm wird das in den ersten drei bis vier Wochen nach Beginn der Tätigkeit sein.

Was wird in der zunächst digital abgehaltenen Schulung vermittelt?

Schäfer: In Rollenspielen werden verbale und nonverbale Kommunikation, Distanzverhalten und die Wahrung von Grenzen und Grenzübergriffigkeiten thematisiert. Denn gerade im zwischenmenschlichen Kontakt sind Geben und Nehmen fließend und kann es manchmal sogar zur Vereinnahmung kommen. Dem möchten wir vorbeugen.

Wer finanziert das Projekt`?

Schäfer: Wir haben eine ganze Reihe von Sponsoren aus unterschiedlichen sozialen Gruppierungen. Das meiste Geld kommt dabei vom Erzbistum.

Gibt es eine Zeitschiene für die Projektdauer`?

Schäfer: Angelegt ist das Projekt erst einmal bis 2023. Wir hoffen allerdings, dass ab 2022 Ehrenamtler das Projekt übernehmen und in Eigenregie betreuen, so dass mein Job überflüssig werden wird.

Wer bei den Zeitschenkern mitmachen möchte oder sich mit Zeit beschenken lassen möchte, kann sich bei Katharina Schäfer per E-Mail an info.zeitschenker@web.de oder unter ☏ 0163/9717452 melden.