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Jugendamt Meckenheim - Leiter zieht Bilanz: weniger Jugendkriminalität

Jugendamtleiter zieht Bilanz : Mehr Kita-Plätze und weniger Jugendkriminalität in Meckenheim

Nach 16 Jahren verlässt der erste Leiter des Meckenheimer Jugendamts, Andreas Jung, die Stadt. Für Kinder, Jugendliche und Familien hat sich in dieser Zeit einiges getan.

In Meckenheim geht Ende Februar eine Ära zu Ende. Dann brechen die letzten Tage von Andreas Jung als Jugendamtsleiter der Stadt an. Ab dem 1. März wird er beim Landschaftsverband Rheinland (LVR) arbeiten. Die Meckenheimer Jugendhilfe hat er 16 Jahre lang geleitet. In dieser Zeit hat sich viel geändert.

2004 beschloss die Stadt, sich vom Kreis abzukoppeln und ein eigenes Jugendamt einzurichten. Jung baute es maßgeblich mit auf. Nur vier Monate Vorlaufzeit hatten er und sein Team, bevor das Jugendamt am 1. Januar 2005 an den Start ging. „Rückblickend kann ich sagen: Dass ein Jugendamt so viele Themen umfasst, damit habe ich nicht gerechnet. Das war eine Riesenherausforderung, aber auch spannend und sehr erfüllend.“

Mittlerweile trägt Jung die Verantwortung für 25 Kernmitarbeiter, alles in allem seien es aber eher 100, sagt er. In Deutschland gebe es rund 600 Jugendämter, und keines sei wie das andere. In Meckenheim lassen sich die Hauptaufgaben grob in vier Bereiche einteilen: Kindertagesbetreuung, Jugendarbeit, Sozialer Dienst und Verwaltung.

Mehr Meldungen zu Kindeswohlgefährdungen

„Ein wesentlicher Kernbereich, den ein Jugendamt immer bewältigen muss, ist der Soziale Dienst, mit einem ‚großen Bauchladen‘ an Unterstützungsmöglichkeiten von präventiven Angeboten bis zu den sogenannten Hilfen zur Erziehung, aber auch Meldungen, wenn das Kindeswohl gefährdet ist“, sagt Jung. Solche Meldungen seien in den vergangenen Jahren bundesweit gestiegen, sagt der Leiter. Er macht dafür zum einen Gesetzesänderungen verantwortlich, aber auch tragische Fälle, die die Öffentlichkeit sensibilisiert haben.

Waren es in Meckenheim 2015 noch 51 Meldungen, lag die Zahl 2019 bei 82. „Wenn man das herunterbricht, sind es eineinhalb Meldungen pro Woche.“ Manchmal sei ein Nachbarschaftsstreit Auslöser für den Anruf beim Jugendamt; um Kindesmissbrauch handle es sich selten. „Wir nehmen jede Meldung sehr ernst“, betont der 51-Jährige. In seine Obhut nahm das Jugendamt 2015 zehn Kinder, 2019 waren es 17.

Den Rechtsanspruch in der Kindertagesbetreuung zu erfüllen, ist laut Jung eine immerwährende, anspruchsvolle Aufgabe. In Kindertagesstätten und in der Tagespflege müssten stetig neue Plätze für die wachsende Meckenheimer Bevölkerung geschaffen werden. Jung freut sich, dass die Stadt die Plätze in der Tagespflege deutlich ausbauen konnte: 2020 seien 182 Kinder von Tagespflegepersonen betreut worden. „In den Anfängen war die Zahl noch zweistellig.“

Mosaik-Kulturhaus ist Zentrum der Jugendarbeit

Einen wichtigen Punkt in der Jugendarbeit markierte 2011 die Wiedereröffnung des Mosaik-Kulturhauses, das Jugendarbeit nach für damalige Verhältnisse modernen Standards ermöglichte. Eine Herausforderung war zur Jahrtausendwende die – laut Jung in ganz Deutschland – hohe Jugendkriminalität. Dass sie in der Stadt heute so gut wie kein Thema mehr sei, dafür macht er auch den Ausbau der Jugendarbeit mit verantwortlich, vom Mosaik-Haus bis hin zu intensiven Kooperationen mit den Schulen.

Im klassischen Verwaltungsbereich, in dem es um Vormundschaften, Beurkundungen und Ähnliches geht, haben eine Reihe von Gesetzesänderungen für kontinuierliche Arbeit gesorgt. Beispielsweise wurde das Gesetz zu Unterhaltszahlungen bis zum 18. Lebensjahr des Kindes ausgeweitet. Aus dem „Gesetz über Tageseinrichtungen für Kinder“ wurde 2008 das Kinderbildungsgesetz (KiBiz). „Aufgrund der Vielfältigkeit der Aufgaben in der Jugendhilfe waren in einigen Jahren teilweise mehrere Gesetzesänderungen zu bewältigen. Daneben ist auch immer ein Blick auf die Rechtsprechung zu werfen“, sagt Jung.

Für seine Mitarbeiter hat Jung nur Lob übrig. Aus dem Kernteam der ersten Stunde seien noch zehn von 25 Kollegen im Dienst, einige seien in Rente gegangen. „Ohne ein gutes Team wäre das Jugendamt Meckenheim nicht das Jugendamt, das es ist.“ Das mache ihm den Abschied schwer.

Viele Meckenheimer setzten sich für die Jugend ein

Vermissen werde er neben seinen Kollegen auch die Akteure, mit denen er in den vergangenen Jahren zusammengearbeitet hat. „In Meckenheim gibt es viele Menschen, die, egal aus welchem Bereich sie stammen, sehr engagiert und interessiert daran sind, etwas für Kinder und Jugendliche zu tun. In den vergangenen Jahren hat sich ein hervorragendes Netzwerk gebildet. Die Zusammenarbeit mit allen Akteuren der Jugendhilfe ist sehr vertrauensvoll; insbesondere sind hier die Kitas, Schulen, Beratungsstellen sowie die Freien Träger zu nennen.“

Warum er wechselt, obwohl es ihm in Meckenheim so gut gefällt? „Die Frage musste ich schon öfter beantworten“, sagt er lachend. „Ich bin letztes Jahr 50 geworden und habe mich gefragt, welche Herausforderungen ich für die nächsten 16, 17 Jahre suche.“ 1993 begann Jung beim Jugendamt des Rhein-Erft-Kreises, bevor er 2004 nach Meckenheim wechselte.

Der Jugendhilfe bleibt er weiterhin treu: Beim LVR wird er als Fachbereichsleiter Jugend alle 95 Jugendämter des Rheinlands betreuen. Durch die übergeordnete Rolle des LVR werde er dort aber andere Aufgaben haben als bisher – was die Stelle so reizvoll mache. „Das Jugendamt Meckenheim ist mein drittes Kind“, sagt der zweifache Vater. „Aber das bedeutet nicht, dass ich mein dann bald volljähriges Kind nicht auch in andere gute Hände geben kann“, ergänzt er schmunzelnd.

Große Herausforderungen stehen an

Seinem Nachfolger Sascha Rottmann (47) hinterlässt Jung neben dem Tagesgeschäft noch einige größere Aufgaben. Die Zahl der Kita-Plätze müsse weiter ausgebaut werden, um den Rechtsanspruch der Eltern zu erfüllen. Ende des Jahres laufe der Vertrag mit dem Verein Rheinflanke in der offenen Jugendarbeit aus, der verlängert werden sollte. Außerdem gebe es eine Initiative zur Änderung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes. „Wenn das durchkommt, kommt auf die Jugendämter die ‚große Lösung‘ zu. Sie wären dann auch für Kinder und Jugendliche mit körperlicher und geistiger Behinderung zuständig.“