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Der 1. FC Köln wählt gegen den BVB die richtige Taktik

Auswärtserfolg in Dortmund : Köln wählt gegen den BVB die richtige Taktik

Der 1. FC Köln gewinnt dank einer taktischen Meisterleistung gegen Borussia Dortmund 2:1 und hofft auf die Kehrtwende im Abstiegskampf. Überzeugen konnte neben Ellyes Skhiri Jungtalent Sava Cestic.

Ellyes Skhiri trägt neuerdings einen Bart. Der Tunesier im Trikot des 1. FC Köln hat ihn sich  in der jüngsten Länderspielpause stehen lassen. Wer möchte, darf den dunklen Haarwuchs auch als Symbol für eine Kehrtwende  im Fußballerleben     des 25-Jährigen markieren.

Nachdem FC-Trainer Markus Gisdol ihm vor drei Wochen beim 1:1 in Bremen noch eine schöpferische Pause verordnen musste,  führte Skhiri die Geißböcke   am Samstag mit zwei Toren zu einem sensationellen 2:1 (1:0)-Erfolg beim turmhohen Favoriten Borussia Dortmund.  Ein Sieg, der nicht nur jeder Wahrscheinlichkeitsrechnung widersprach, sondern nach acht Monaten auch die gruselige Negativserie von 18 sieglosen Spielen beendete und  damit Markus Gisdol bei seinem 50. Sieg als Bundesliga-Coach den Job rettete.

Ellyes Skhiri hätte sich das Prädikat „Spieler des Spiels“  verdient gehabt. Der Sechser spulte  sagenhafte 13,5 Kilometer  ab,     war überall zur Stelle wie  bei der Rettungstat gegen Emre Can  (51.) und der Herrscher am langen Pfosten. Zweimal brachte sich Skhiri nach Ecken von Ondrej Duda und Kopfballverlängerungen von Marius Wolf in die richtige Position  und drückte  den Ball über die Linie (9./60.).

Ellyes Skhiri zeigt die richtige Reaktion

„Ein bisschen Glück gehört auch dazu“, räumte  Skhiri hinterher ein. Bescheiden und leise, wie man ihn kennt. Eigenschaften, die neben seinem oft zu braven Auftritten dazu beigetragen hatten, dass er nach einem starken ersten Jahr diese Saison in ein Leistungsloch gefallen war. So tief, dass Gisdol  ihn  in Bremen auf die Bank setzte. „Ellyes hat die richtige Reaktion gezeigt. Wir hatten ein Vier-Augen-Gespräch, haben  mit Videos sein Spiel analysiert. Das setzt er um“, lobte der FC-Coach. Der Tunesier ging konsequenter in die Zweikämpfe, holte sich eine Gelbe Karte  ab und setzte sich vor dem 2:0 im Strafraum energisch gegen Marco Reus durch.

Schon beim 1:2 gegen Union Berlin war Skhiri Torschütze und bester Kölner neben  zumeist schwachen Mitspielern. Dem Vorbild des stillen Anführers konnte die Mannschaft erst in Dortmund folgen. Und im Fußball braucht es das  ganze Team, um Erfolg zu haben. „Wir hatten guten Zugriff, waren sehr präsent und haben eine abartige Laufleistung gezeigt“, bedankte sich Gisdol. Die Kölner liefen neun Kilometer mehr als der  BVB, der den Tabellenvorletzten auf die leichte Schulter genommen hatte. Darin lag die Chance des FC – und er griff  beherzt zu.

Cestic mit starkem Debüt

„Trotz der Sieglos-Serie waren wir  ein verschworener Haufen und haben von unseren treuen Fans viel Zuspruch erhalten“, schüttete Gisdol hörbar erleichtert sein Herz aus. Eine Niederlage in Dortmund  und er wäre die längste Zeit FC-Trainer gewesen.  Der 51-Jährige kitzelte  mit dem Rücken zur Wand   aber  die maximale Leistungsbereitschaft   aus seiner Mannschaft heraus.  Die Spieler kommunizierten auf dem Platz lautstark, unterstützen sich und steckten auch die kurzfristigen Ausfälle von Sebastian Andersson und Jorge Meré weg. Für Meré rückte Youngster Sava Cestic neben Sebastiaan Bournauw und Rafael Czichos in die Dreierkette. Der 19-Jährige feierte gegen die BVB-Tormaschinerie um Erling Haaland eine phänomenale Bundesliga-Premiere.

Andersson ersetzte Gisdol durch Ondrej Duda, weil der Slowake aus der Nationalmannschaft das Spiel der falschen Neun kennt. Auch Duda lieferte fast 13 Kilometer und  eine ganz starke Leistung ab. „Es braucht eine Mannschaft, um solche Dinge mit Ondrej anzunehmen“, lobte der FC-Trainer erneut das Kollektiv. Überhaupt sei es ein Sieg des Teams gewesen. FC-Analyst Hannes Dolt etwa hatte das BVB-Aufbauspiel so  minuziös studiert, dass der Kölner Anlaufplan perfekt passte.

Die siegbringende Eckenvariante kam vom Reißbrett von Co-Trainer André Pawlack, auch wenn Marius Wolf erzählte, dass er eigentlich direkt ins Tor hatte köpfen wollen.  „Aber so freut es mich für Ellyes, dass er zweimal getroffen hat“, sagte die BVB-Leihgabe.

Nach Spielschluss rief der FC Skhiri übrigens zur Fahndung aus. Der Doppelpacker war zur Ansprache von Markus Gisdol noch nicht in der Kabine angekommen.  Überliefert wurde, dass Skhiri sich wohl  noch am langen Pfosten aufhalte.