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Leistungssport und Gesundheit: Wenn Trainer ihre Schützlinge in die Krankheit treiben

Leistungssport und Gesundheit : Wenn Trainer ihre Schützlinge in die Krankheit treiben

Das unnatürliche Abnehmen vor Wettkämpfen ist in Kampfsportarten ein gängiges Mittel. Selbst Jugendliche werden dazu gedrängt, durch Diäten, Medikamente und extremes Training Gewicht zu verlieren - mit gefährlichen Folgen für Körper und Psyche.

Drei banale Worte: „Ich lebe wieder“. Drei Worte, die Julias (Name von der Redaktion geändert) Gemütszustand, aber auch ihre Leidenszeit wiedergeben. „Ich lebe vor allem wieder für mich“, ergänzt sie. Bis vor wenigen Jahren hat die heute 18-Jährige für ihre Leidenschaft gelebt. Sie hat alles dem Leistungssport untergeordnet: Schule, Freunde, Freizeit – und ihre Gesundheit.

Zunächst ist der Kampfsport für Julia ein Hobby. Sie will sich auspowern, fit sein, einen Ausgleich zur Schule finden. Sie hat Talent. Sie ist so gut, dass sie an Wettkämpfen teilnehmen soll. Heute ist der Kampfsport ein dunkler Schatten, der über ihrer Vergangenheit liegt. „Ich hatte nie ein Problem mit meinem Gewicht“, sagt sie. „Bis ich mit den Turnieren angefangen habe.“ Ihr damaliger Trainer sieht ihr Potenzial in ihr. Und ein Problem. „Ich bin ganz normal. Aus sportlicher Sicht vielleicht ein bisschen schwer für die Größe“, sagt sie. „Es ist eigentlich wie in jeder Sportart: Je schlanker man ist, desto besser ist man auch.“

Magersucht und Depressionen: US-Läuferin Mary Cain machte ihre Erfahrungen öffentlich

Gerade bei Mittel- und Langstreckenläufern ist diese Aussage eine natürliche Gesetzmäßigkeit. Erst vor wenigen Wochen rechnete die ehemalige US-Kaderathletin Mary Cain mit dem Nike Oregon Project (NOP) ab, dem sie angehörte. Einer Leistungsschmiede für Mittel- und Langstreckenläufer. „Ich wollte die schnellste Läuferin der Welt werden“, sagte die heute 23-Jährige. „Stattdessen wurde ich körperlich und psychisch missbraucht.“

Gewichtsoptimierung: Um besser zu sein, nahm Cain unnatürlich viel ab, entwickelte eine Magersucht, daraus eine Depression bis hin zu Suizid-Gedanken. Nach ihrer Aussage auch durch Mobbing-Methoden ihres Trainers Alberto Salazar. Auch die Königswintererin Konstanze Klosterhalfen gehörte dem NOP an. Die WM-Dritte des vergangenen Jahres über die 5000 Meter etablierte sich auch durch das Training in den USA in der Weltspitze. Die ehemaligen Athleten des NOP werden immer wieder mit dem Thema Unterernährung und Magersucht in Verbindung gebracht – auch Klosterhalfen. „Es gibt bei diesen Athleten deutliche Anzeichen, dass da etwas hormonell nicht stimmt. Beispielsweise die flaumartige Behaarung auf Armen oder Wangen, die den Körper vor Kälte schützt“, sagt Professor Wilhelm Bloch vom Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin der Sporthochschule Köln.

Zu unrecht, wie Sportstudentin Klosterhalfen nicht müde wird, zu sagen. Dem „Spiegel“ erklärte sie vor gut einem Jahr, dass es dieses Gerede gebe, seitdem sie Leistungssport betreibe, weil sie eben groß und schlank sei. „Aber wenn man nicht genug isst, hätte man ja gar nicht die Energie, um auf so einem hohen Niveau Sport zu machen oder nach einer hohen Belastung schnell zu regenerieren. Das würde nicht funktionieren.“ Das sieht Sportmediziner Bloch anders: „Das Abmagern findet ja auch nicht in den Zeiten statt, in denen der Athlet die hohe Leistung bringt. Da muss Energie zugeführt werden.“

Kampfsportler machen vor Wettkämpfen Gewicht, um in eine andere Gewichtsklasse eingeteilt zu werden

Gewichtsoptimierung ist jedoch nicht nur bei den Läufern ein Thema. Gerade der Kampfsport birgt Gefahren. Das bringt das Reglement so mit sich. Die Sportler werden – auch im Juniorenbereich – in Gewichtsklassen eingeteilt. Grundsätzlich eine sinnvolle Sache. Man stelle sich nur vor, ein Boxer im Superschwergewicht (mehr als 91 Kilogramm) müsste gegen einen aus dem Halbfliegengewicht (46 bis 49 Kilogramm) antreten. Es geht um Fairness. Um eine Fairness, die allerdings regelmäßig und ungestraft umgangen wird: Gewichtmachen – das schnelle Abnehmen, um die Grenze einer Gewichtsklasse einzuhalten oder zu unterbieten.

Um dieses Ziel zu erreichen, nehmen die Sportler einiges in Kauf. Vom vollständigen Verzicht auf Flüssigkeit bis hin zum künstlichen Schwitzen durch übermäßiges Saunieren oder Trainieren in nicht-atmungsaktiver Kleidung ist alles möglich. „Es gibt zahlreiche Trainer, die ihre Sportler beispielsweise in Frischhaltefolie wickeln und trainieren lassen“, sagt ein Trainer, der nicht genannt werden will. „Da verlierst du schon einige Kilo nur mit einer Trainingseinheit. Ich kenne zahlreiche Jugendliche, die das machen.“

In etlichen Internetforen schreiben Nachwuchssportler von ihren Erfahrungen. Ein 15-jähriger Kampfsportler gibt an, dass er innerhalb von vier Tagen 2,5 Kilogramm „abgeschwitzt“ habe. Jetzt müsse er nur noch drei Kilo bis zum Wochenende abnehmen. Die Tipps anderer User reichen von Frischhaltefolie über Einläufe bis hin zu einem Diuretikum, also einem Medikament, dass durch einen verstärkten Harnsäureaufbau zur Urinausschwemmung führt. „Gegen eine Gewichtsreduktion ist prinzipiell nichts zu sagen“, sagt Wilhelm Bloch. „Nur eine in dieser Art künstlich hervorgerufene kann zu langfristigen Folgeschäden führen. Man sollte ein Bewusstsein für dieses Risiko entwickeln.“

Bis zu zwei Kilogramm können durch Diuretika in wenigen Stunden verloren werden. Darunter leidet der Elektrolythaushalt. Die Nebenwirkungen reichen von Blutdruckabfall, Muskelkrämpfen, Kreislaufkollaps, Magen- und Darmproblemen bis zu Nierenschäden.

„Es gibt Nationen, die das bis zum Äußersten ausreizen“

„Das ist ein großes Thema im Kampfsport“, sagt auch Dimitrios Lautenschläger, Trainer des TKD Swisttal und der Deutschen Meisterin Yanna Schneider. „Es gibt Nationen, die das bis zum Äußersten ausreizen. Da wird dann genau geschaut, in welche Gewichtsklasse passt welcher Sportler.“ Ein verständliches Vorgehen. Ein schlacksiger Kämpfer, kann einem gedrungenen gegenüber im Vorteil oder auch im Nachteil sein. „Wenn der große, kräftige Boxer Gewicht verliert und auf einen Kleineren trifft, der eben keins verliert, dann ist doch klar, wer gewinnt“, sagt Lautenschläger. Laut Dejan Reljic von der Uni Heidelberg, der zum Thema Gewichtmachen 2014 seine Dissertation verfasste, haben bei Umfragen je nach Kampfsportart 60 bis 90 Prozent der Befragten angegeben, dass sie regelmäßig vor Wettkämpfen ihr Gewicht reduzieren. Viele von ihnen haben damit im Alter von 13, 14 Jahren angefangen.

Sportler erleben Schikanen, werden vor der Mannschaft bloßgestellt – Lob gibt es fürs Abnehmen

Auch Julia ist 14, als sie Gewicht macht. Vor allem weil sie in einer möglichst niedrigen Gewichtsklasse antreten soll. „In meiner eigentlichen Klasse gab es schon eine herausragende Athletin“, sagt sie. „Das Argument war dann, dass nur eine von uns die Titel holen könnte.“ Ihr Trainer greift zu drastischen Methoden. Er bläut ihr ein, sie sei zu dick. Julia wird vor der Mannschaft bloß gestellt. „Das nagt an einem“, sagt sie. „Auf der anderen Seite gab es Komplimente, wenn ich mal wieder abgenommen hatte.“ Julia nimmt ab. Sogar bis zu fünf Kilo die Woche. Doch für die damals 14-Jährige beginnt ein Martyrium.

„Nach außen war alles in Ordnung. Doch man hat ja nicht gesehen, was ich zu Hause gemacht habe“, erzählt Julia. In den eigenen vier Wänden ist nichts in Ordnung. Julia stellt sich mehrmals täglich auf die Waage. Nach dem Training, um zu sehen, wie viel Gramm sie verloren hat. Nach dem Essen, um zu sehen, wie viel sie wiederum zugenommen hat. Wenn noch ein paar Gramm zum „Idealgewicht“ fehlen, gibt’s noch eine Trainingseinheit nach dem Abendessen. Die Waage bestimmt nun Julias Leben: „In der Regel habe ich zu dieser Zeit 500, maximal 600 Kilokalorien zu mir genommen.“ Ärzte empfehlen 14-jährigen Mädchen 2200 Kilokalorien pro Tag.

Julia sucht immer wieder Ausreden, warum sie nicht am Abendessen teilnehmen will. „Irgendwann konnte ich so mein Gewicht nicht mehr halten“, sagt Julia. „Also habe ich mich übergeben. Einmal habe ich sogar zu einem Abführmittel gegriffen.“ Im Kampfsport kein unbekanntes Mittel. „Ich bin auf hiesigen Turnieren schon von ausländischen Vereinen gefragt worden, wo die nächste Apotheke ist“, erzählt Lautenschläger. „Da ging es unter anderem auch um Abführmittel.“

Der DOSB nimmt die Entwicklungen sehr ernst

Der Deutsche Olympische Sportbund nimmt die Entwicklung sehr ernst. „Gewichtmachen ist ein sportartspezifisches Thema und wird in einigen Sportarten umgesetzt, muss aber aus unserer Sicht grundsätzlich von einem Ernährungsberater begleitet werden, nicht nur im Juniorenbereich, damit Mangelerscheinungen und Spätfolgen ausgeschlossen werden können“, heißt es auf Anfrage des General-Anzeigers. „Es gibt übrigens auch Sportarten, bei denen das Risiko zu geringen Gewichts durch Regeln eingegrenzt und ein bestimmter BMI als Startvoraussetzung verlangt wird und bei denen ein zu geringer BMI zu Konsequenzen führt – das sensibilisiert natürlich für die Problematik. Selbstverständlich behandeln wir das Thema in der Trainerausbildung, so dass alle ausgebildeten TrainerInnen mit der Problematik vertraut sein sollten. Zudem gehen wir diese Herausforderung natürlich bei den ärztlichen Untersuchungen der AthletInnen in enger Abstimmung mit den ErnährungsberaterInnen der Olympiastützpunkte präventiv an.“

Doch nicht nur Trainer und Vereine müssen sensibilisiert werden. „Es gibt auch Mütter und Väter, die einem erzählen, dass es gar nicht so schlimm sei, mal Abführmittel zu nehmen“, sagt eine Sportlerin, die nicht genannt werden will. Doch der Griff zum Abführmittel ist alles andere als nicht so schlimm. „Das ist eine Katastrophe. In einem solchen Fall kann man schon nicht mehr von Ethik oder Moral sprechen. Das ist etwas, das eigentlich strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen muss“, sagt Professor Wilhelm Bloch. „Der massive Flüssigkeitsverlust führt zwangsläufig zu akuten Problemen. Ein Mangel an Elektrolyten kann massive Folgen für das Herz-Kreislaufsystem haben. Unter anderem kann es zu Rhythmusstörungen kommen. Wenn dann große Hitze dazu kommt, kann die Lage lebensbedrohlich werden. Einem Sportler würde ich als Arzt keine Wettkampftauglichkeit ausstellen. Die Kollapsgefahr ist einfach zu groß“, so Bloch weiter.

Leistungssportler sind eine Risikogruppe für Magersucht

Ferner droht die Gefahr der Magersucht. „Hochleistungssportler sind eine Risikogruppe“, sagt Katrin Imbierowicz, Leitende Oberärztin der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Universitätsklinikums Bonn. „Sie wären nicht Leistungssportler, wenn sie nicht an und auch über ihre Grenzen gehen würden.“ Die Grenzen zwischen diszipliniertem Essverhalten und einer krankhaften Essstörung seien fließend. „Im Gegensatz zur klassischen Magersucht haben Sportler aber eher kein verzerrtes Bild von ihrem eigenen Körper, sondern nehmen diesen realistischer wahr“, sagt Imbierowicz. „Sie wollen in erster Linie ihren Körper leistungsfähiger, nicht schöner machen. Dennoch sehen auch betroffene Sportler Stellen an ihrem Körper, die angeblich zu viel Fett aufweisen.“

So ging es auch Julia, die zugibt, sich vor der Waage erbrochen zu haben. „Ich habe damals gar nicht gemerkt, wie es mir wirklich ging“, sagt sie. Julias Mutter blieb der Gesundheitszustand nicht verborgen. Kein Wunder, denn Julia erreichte im Body-Mass-Index (BMI) einen Wert von 15,6. Für Mediziner liegt die Grenze zur Magersucht bei einem BMI von weniger als 17,5. Läufer weisen allerdings häufig einen BMI von 17 oder auch 16,8 auf. „Ab einem BMI von 15 ist der Körper nur noch extrem eingeschränkt belastbar“, sagt Imbierowicz. „Das Gemeine ist – egal, ob ich ein perfektionistisches junges Mädchen oder ein sehr disziplinierter Sportler bin – bei beiden Formen neigt das Hungern zur Verselbstständigung. Das ist ein Teufelskreis.“

Die Medizinerin sieht bei ambitionierten Sportlern eine besonders große Gefahr: Selbst wenn weniger Gewicht nicht das nächste Erfolgserlebnis liefert oder der Sportler sogar schlechter wird in seinen Leistungen, wird dieses Muster nicht aufgegeben, sondern weiter daran festgehalten. Betroffene denken dann, sie hätten einfach noch nicht genug abgenommen. „Es ist wie eine Sucht oder ein Rausch“, sagt Imbierowicz. „In dieser Phase geht keiner in die Therapie.“ Ab dem 14. Lebensjahr steige allgemein die Gefahr, an einer Magersucht zu erkranken. „Wenn in dem Alter im Sport darauf gedrängt wird, mit Gewalt abzunehmen, ist die Gefahr hoch“, sagt Imbierowicz. Die gefährdete Altersspanne: von der Pubertät bis Mitte 20.

Für manche Sportler werden Hungern und Abnehmen zum Rausch

Auch Julia befindet sich im Rausch. „Meine Mutter hat mich irgendwann gezielt auf das Thema angesprochen. Der Verwandtschaft ist das natürlich aufgefallen“, sagt Julia. Mit den Eltern geht sie zum Sportmediziner. „Er hat dann eine Veränderung der Knochendichte festgestellt. Und meine Periode ist ausgeblieben.“ Sportmediziner Bloch sieht die physischen Veränderungen kritisch. „Das Aussetzen der Periode ist ein Zeichen für eine Veränderung des Hormonhaushalts. Das ist von der Natur auch so gewollt. Es schützt die Unterernährten vor einer Schwangerschaft“, so Bloch. „Das Risiko einer Osteoporose steigt zudem.“ Julia zieht bald die Notbremse. Gemeinsam mit ihren Eltern entschließt sie sich, mit dem Sport ganz aufzuhören.

Ringen, Judo, Boxen oder Taekwondo – in zahlreichen Olympischen Sportarten ist das Kampfgewicht immer ein zentrales Thema – auch bei Junioren. Doch die Vereine, Sportler und Trainer gehen mit diesem Aspekt unterschiedlich um. „Die Waage spielt prinzipiell immer eine große Rolle“, sagt Judoka Falk Petersilka. Dem frisch gebackenen Deutschen Meister sind ähnliche Fälle wie Julias nicht bekannt. „Ich kämpfe seit dem Jahr 2015 in der Gewichtsklasse bis 90 Kilogramm. Vorher war ich in der bis 81 Kilo. Ich hatte nie große Probleme und habe sie auch heute nicht. Wenn ich einmal ein Kilo drüber bin, kann ich das durch eine geeignete Ernährungsoptimierung regeln.“ Er würde in einem solchen Fall auch mal auf das obligatorische Krafttraining verzichten. „Allerdings ist es sicher nicht so gut, wenn man Probleme mit dem Gewicht hat.“

Das sieht auch Michael Scharf, Leiter des Landessportbundes so. „Ich weiß, dass es vor allem im Kampfsport, wo es Gewichtsklassen gibt, eine Anzahl von Athleten und Athletinnen gibt, die Probleme haben, das richtige Gewicht für ihre Gewichtsklasse vor dem Wettkampf zu erreichen“, sagt Scharf. „Von Magersucht habe ich selber noch nichts gehört, aber ich kann mir vorstellen, dass dies gerade in den unteren Gewichtsklassen vorkommen kann, wenn ich dauerhaft ein geringeres Gewicht erreichen muss. Ein Gewicht, dass nicht meinem subjektiven Wohlbefinden entspricht.“

Der Weg aus der Magersucht ist ein langwieriger Prozess

Der Weg aus der Magersucht sei kein einfacher, weiß so Imbierowicz. Vor allem aber sei es ein langwieriger Prozess. In Bonn bleiben die Betroffenen bei einer stationären Therapie etwa zehn bis zwölf Wochen in der Klinik. Daran knüpft eine ambulante Nachbehandlung an. „Einige Patienten haben sich vom Sport verabschiedet oder mussten aufhören, weil sie nicht mehr konnten“, sagt die Medizinerin der Uniklinik Bonn.

Auch Julia konnte nicht mehr. Heute betreibt sie eine Mannschaftssportart. „Natürlich bin ich traurig, dass es so geendet hat. Ich habe aufgehört, weil mich die Erinnerungen nicht mehr in Ruhe gelassen haben“, sagt sie. „Ich habe das damals ausgeblendet. Manchmal denke ich, dass ich es viel zu lange ausgehalten habe.“ Julia sagt, sie erschrecke jedes Mal, wenn sie heute Bilder von sich aus der damaligen Zeit sehe. „Mir geht es viel besser, wenn ich nicht ständig über mein Gewicht nachdenken muss.“

Dabei seien sich die meisten Betroffenen durchaus bewusst, was sie ihrem Körper antun, sagt Imbierowicz. Es seien oftmals reflektierte Menschen, die an einer Magersucht erkranken, die ihre Probleme und ihre Situation genau benennen können. „Was nicht immer erzählt wird, ist, mit welchen Mitteln das im Sport erreicht wird“, sagt die Expertin. Was die Patienten an Schikanen und Demütigungen beispielsweise durch Trainer erfahren haben, komme erst verzögert während der Therapie zum Vorschein.