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Verein "Ausbildung statt Abschiebung": Mit bunten Möbeln gegen die Perspektivlosigkeit

Verein "Ausbildung statt Abschiebung" : Mit bunten Möbeln gegen die Perspektivlosigkeit

Für junge Flüchtlinge, die über 18 Jahre alt sind, ist es oft besonders schwer. Sie haben nur selten eine abgeschlossene Berufsausbildung oder ein Studium und sprechen häufig nur ihre Muttersprache.

Zudem ist ein Aufnahme in eine "internationale Förderklasse" aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters nicht mehr möglich. Deshalb kümmert sich seit fast 15 Jahren der Verein "Ausbildung statt Abschiebung" um diese jungen Leute. Dabei ist der Name Programm.

17 junge Männer aus dem Sudan, Eritrea, Guinea, Somalia und Afghanistan haben an dem neusten Projekt von AsA teilgenommen und gestern dafür ihre Urkunden erhalten. Unter dem Motto "Aus alt mach neu! - Sprachunterricht und Möbelkunst" haben die jungen Männer fünf Monate lang Deutschunterricht erhalten und alte Möbelstücke neu gestaltet und aufgepeppt.

Unterstützt wurde AsA auch dieses Mal vom Bonner Spendenparlament. Dessen Vertreter Wolfram Schmuck nahm denn auch die Idee der AsA-Vorsitzenden Karin Ahrens, die Möbelstücke bei der nächsten Parlamentssitzung im Oktober zu versteigern, direkt auf.

Die Fahnen der Heimatländer der Teilnehmer und auch die deutsche Flagge sind auf einer ganzen Reihe von Möbeln zu sehen. So ist ein altes Schränkchen nun schwarz-rot-grün gestrichen. Zwei der drei Künstler Nemat, Wahid und Ali präsentierten es stolz und betonten, dass an der Seite des Schränkchens auch die Farben der deutschen Flagge verewigt seien. So würde eine Brücke gebaut zwischen ihrer Heimat Afghanistan und Deutschland.

An vier Tagen in der Woche erhielten die Schüler Deutschunterricht und arbeiteten einmal wöchentlich an ihren Möbeln. Dabei haben manche ihre Liebe zum Holz entdeckt, so wollen zwei der jungen Männer nun eine Lehre als Schreiner machen. Vorher müssen sie allerdings erst einmal den Test an der Abendrealschule schaffen, der ihnen die Möglichkeit gibt, einen Hauptschulabschluss zu machen.

Auch ihre Bescheinigung über den Deutschkurs erhielten die 17 Jungs gestern und obwohl es bis dahin nicht immer ein leichter Weg war, ist Lehrerin Nadja Müller de Ossio doch stolz auf ihre Schützlinge. Vier von ihnen hatten den internen Test sogar mit einer Eins bestanden. Noch nie hätte sie allerdings eine so heterogene Gruppe gehabt. Vom Analphabeten bis zum Studierten sei alles dabei gewesen. Während der fünf Monate wurde die Lehrerin zu viel mehr als einer Wissensvermittlerin. Sie sei auch häufig Vertrauensperson gewesen, so Müller de Ossio, wobei manch eines der schweren Schicksale sie auch zu Hause nicht losließ.

Das Projekt hat auf jeden Fall sein entscheidendes Ziel erreicht. Es nimmt den jungen Menschen ihre Perspektivlosigkeit und bewahrt sie vor dem "Nichtstun" im Asylheim, darüber hinaus haben alle 17 Teilnehmer nun etwas in der Hand, um sich weiterzubilden und ihren Weg in die deutsche Gesellschaft zu machen.