1. Bonn
  2. Beuel

Oberkasseler Promenade: Kameras sorgen für Verwirrung

Oberkasseler Promenade : Kameras sorgen für Verwirrung

Manch Spaziergänger am Rheinufer hat sich in den vergangenen Tagen einen Spaß daraus gemacht und behauptete: "Das sind die Augen Obamas." Ob der Militärnachrichtendienst der USA auch im Fall der Überwachungskameras an der Oberkasseler Promenade seine Finger im Spiel hat? Eindeutig Nein. Die NSA (Nationale Sicherheitsbehörde) hat damit nichts zu tun.

Nach einwöchiger Recherche lüftete die Stadt Bonn das Geheimnis. "Bei den Masten handelt es sich um Entlüftungsrohre für Schachtwerke eines Abwasserkanals. Die Rohre wurden vor drei Wochen errichtet", sagte eine Mitarbeiterin des städtischen Presseamtes.

Nach gründlicher Überprüfung hat die Stadt festgestellt, dass es sich bei den vier Kameras um Attrappen handelt, die wahrscheinlich von einem Unbekannten an den Masten befestigt worden sind. "Die Stadt hat mit den Kameras nichts zu tun, und wir werden sie auch wieder abbauen", so die Sprecherin.

Wer allerdings die vier Videokameras zwischen Bonner Bogen und "Bundeshäuschen" aufgestellt hat, beschäftigte Bürger und Behörden viele Tage lang. Für die Stadt Bonn war es ebenso ein Rätsel wie für das Wasser- und Schifffahrtsamt in Köln. Auch der Betreiber von Sandy Beach wusste nicht, wer ihm die Kamera in die Nähe seiner Strandbar platziert hatte.

Anscheinend hatte niemand von der Montage der Edelstahlrohre etwas bemerkt. Das Presseamt der Stadt Bonn hatte auf Anfrage des General-Anzeigers alle Fachämter angemailt und gefragt,welche Abteilung etwas zu den Kameras weiß. Ergebnis: Null Rückmeldungen.

Ein Amt gab den Hinweis, dass das Wasser- und Schifffahrtsamt in Köln eventuell weiter helfen könnte. Ergebnis: Pressesprecher Martin Haselbauer musste auch passen. "Generell setzen wir keine Kamerabeobachtung für die Schifffahrt ein. In Höhe von Düsseldorf gibt es eine Ausnahme. Dort zeichnen wir die Bewegungsabläufe der Schiffe auf."

Auch Beuels stellvertretender Bezirksbürgermeister Ralf Laubenthal, der seit vielen Jahren in Oberkassel lebt, zuckte mit den Schultern. Er sagte zu, sich sachkundig zu machen. Aber auch seine Quellen spuckten vorerst keine Informationen aus.

Hans-Georg Dreidoppel, Vorsitzender des Bürgervereins Oberkassel, war ebenfalls ratlos: "Das kann nicht wahr sein. Wer macht denn so etwas?" Er aktivierte sofort seine Netzwerke, um herausfinden, wer dahinter steckt.

Bundeshäuschen-Wirtin Monika Opgenorth konnte sich zumindest daran erinnern, dass "vor rund drei Wochen eine Baufirma die Rohre am Rheinufer einbetoniert hat". Kurz danach wären ihr auch die vier Kameras aufgefallen.

Die beiden Rentner Erich Welter (73 Jahre) und Rudolf Weyer (83), die sich täglich zum Plausch am Rheinufer treffen, haben sich auch tagelang über die Kameras gewundert. "Wir wissen nicht, wer die da aufgehängt hat. Das muss ein Spaßvogel gewesen sein. Einige sind auch schon geklaut worden", sagten sie übereinstimmend.