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Bonn: Martinszug in der Innenstadt fällt aus - Kritik von Picken

Picken kritisiert Verwaltung : Trotz Zurückrudern der Stadt: Großer Martinszug in Bonn fällt aus

Der „plötzliche Meinungswechsel“ der Stadt Bonn kommt für das Stadtdekanat zu spät: Es bleibt dabei, der große Martinszug in Bonn fällt aus. Stadtdechant Picken kritisiert die Stadtverwaltung heftig und spricht von einem Trauerspiel. Diese wies die Vorwürfe am Abend zurück.

Jetzt steht es endgültig fest: Der zentrale Martinszug durch die Bonner Innenstadt fällt in diesem Jahr definitiv aus. Dies hat Stadtdechant Wolfgang Picken am Sonntag offiziell bestätigt – und die Stadtverwaltung für ihre Vorgehensweise deutlich kritisiert, was diese am Abend entschieden zurückwies.

Die Stadt hatte wie berichtet zunächst schärfere Auflagen wie die „3G-Regel“ und die Maskenpflicht für sämtliche Martinszüge per Allgemeinverfügung in Aussicht gestellt, diese Ankündigung am vergangenen Freitag aber zurückgenommen. Zu spät aus Sicht des Stadtdekanats, das für die Organisation des zentralen und größten Bonner Martinszuges durch die Innenstadt mit abschließendem Martinsfeuer auf dem Markt verantwortlich ist. Am vergangenen Donnerstag, also nur Stunden vor der Kehrtwende der Stadtverwaltung, hatte das Stadtdekanat den Umzug abgesagt. Stadtdechant Wolfgang Picken macht aus seinem Verdruss über den Schlingerkurs keinen Hehl.

Großer Martinszug in Bonn fällt aus

„Es ist mehr als ärgerlich, dass die Stadtverwaltung erst die Absage aller Martinszüge in Bonn provoziert und viele Kinder und Familien enttäuscht, um dann plötzlich auf öffentlichen Druck diese Entscheidung zu korrigieren. So fühlen sich die vielen Organisatoren der Martinszüge nicht ernstgenommen. Auch entsteht bei den Bürgerinnen und Bürgern der schlechte Eindruck, die Corona-Auflagen der Stadt seien willkürlich“, äußerte sich Picken am Sonntag.

„Ein Martinszug dieser Größenordnung ist ein riesiges logistisches Projekt, das eine intensive Kooperation aller Beteiligten voraussetzt. Jetzt fehlt die Zeit, um noch auf den plötzlichen Meinungswechsel im Rathaus zu reagieren. Der große Martinszug wird also ausfallen und die Stadtverwaltung trägt dafür die alleinige Verantwortung“, so Stadtdechant Picken.

Martinszüge in Bonner Stadtvierteln finden statt

„Alle Martinszüge“ in der Stadt sind unterdessen allerdings nicht abgesagt: Weil die Organisatoren in verschiedenen Ortsteilen trotz der städtischen Auflagen an den Plänen festhielten, wird Sankt Martin samt Gefolge in zahlreichen Stadtvierteln in gewohnter Weise durch die Gassen reiten. Andernorts haben nach Lage der Dinge viele Schulen und Kindergärten kleinere Ersatzveranstaltungen geplant, um das Martinsfest nicht völlig ausfallen zu lassen.

Eine gewisse Pointe liegt in diesem Zusammenhang in dem Umstand, dass auch seitens der Verantwortlichen in städtischen Schulen und Kindergärten die von der Verwaltung angekündigten Regeln als kaum erfüllbar angesehen wurden. Bekanntlich wollte die Stadt den Organisatoren abverlangen, die Einhaltung von „3G-Regel und Maskenpflicht“ durch Teilnehmer und Zuschauer stichprobenhaft zu überprüfen. Berichte aus städtischen Kindergärten, denen zufolge ihnen selbst aus den Reihen der Verwaltung von einer Teilnahme abgeraten worden sei, ließ die Stadt auf Nachfrage des General-Anzeigers bislang unkommentiert. Auch Wolfgang Picken berichtet, dass „fast alle Schulen und Kindergärten – die meisten von ihnen befinden sich in städtischer Trägerschaft – ihre Teilnahme am diesjährigen Martinszug bereits definitiv abgesagt hatten. Sie hätten sich nicht in der Lage gesehen, für ihre Gruppen die Auflagen der Stadt umzusetzen.“

Stadtdekanat enttäuscht über Stadtverwaltung

So oder so: „Für den großen Martinszug in der Stadt war der Beginn der Herbstferien der letztmögliche Stichtag für eine Absage.“ Nach der Rückkehr aus den Ferien blieben nur wenige Tage bis zum Martinszug. Dieser Zeitraum sei für die Koordination der vielen Gruppen und die Organisation nicht ausreichend. Also gebe es leider keinen Weg mehr zurück. Nachdem die Mitteilung der Oberbürgermeisterin am Freitagnachmittag bekannt gegeben wurde, sei es für eine Rücksprache mit den Schulen nun zu spät.

Angesichts der alternativen Formate werde die Tradition trotz widriger Umstände immerhin weitergeführt. „Genauso froh sind wir darüber, dass wir durch die Entsendung unseres Sankt Martins ein Stück dazu beitragen können“, so Picken. Dieser besucht Schulen, Kindergärten und andere Einrichtungen. Das Angebot der Münsterpfarrei wird rege genutzt.

Man sei über das Vorgehen der städtischen Verwaltung mehr als enttäuscht. Die Entscheidung treffe gerade Kinder und Familien, die in der Pandemie besonders belastet gewesen seien. „Wir hatten gehofft, dass die Stadt Bonn alles daran setzen würde, der jungen Generation die traditionelle Feier des Heiligen Martin wieder zu ermöglichen.“ Stattdessen habe man in der Stadt Bonn einfach hingenommen, dass es wegen der städtischen Corona-Auflagen in den vergangenen Wochen zu vielen Absagen von kleineren Martinszügen in den Stadtteilen gekommen sei.

Auch mehrere Anfragen des Stadtdekanates seien wirkungslos geblieben. Die Stadt habe alle Signale ignoriert und kein Bemühen gezeigt, eine Lösung zu finden. „Man hat in der Verwaltung die Martinszüge vor die Wand fahren lassen. Das ist – um es gelinde zu sagen – ein echtes Trauerspiel“, so der Stadtdechant abschließend.

Die Stadt reagierte noch am Sonntagabend. In einer Mitteilung bezeichnete der stellvertretende Stadtsprecher Marc Hoffmann die Vorwürfe als „haltlos“. Er erklärte, die Maskenpflicht für Veranstaltungen im Freien ab 2500 Teilnehmern habe zum Zeitpunkt der ersten Bekanntgabe durch die Stadt per Landesverordnung gegolten und sei erst Anfang Oktober vom Land revidiert worden. Insofern betreffe die jüngste Änderung lediglich die kleineren Züge. Und damit laufe die Kritik des Stadtdechanten ins Leere, so Hoffmann. Die 3G-Regel für Freiluftveranstaltungen ab 2500 Teilnehmern gelte aufgrund der Landesverordnung weiterhin.