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Kostenloses 3D-Modell von Bonn ist online

Kostenloses 3D-Modell ist online : Virtuell über die Bonner Viertel fliegen

Es gibt jetzt ein 3D-Modell der Stadt Bonn im Netz. Künftig sollen immer mehr Daten einfließen, von Fahrplanauskünften bis zu Kaltluftschneisen. Ziel ist es, einen digitalen Zwilling zu erschaffen.

Wie lange braucht man, um vom Dach des Post-Towers auf den Rodderberg über die Villa Hammerschmidt zur Doppelkirche in Schwarzrheindorf zu kommen? Keine fünf Minuten, wenn man die Reise mit dem neuen virtuellen 3D-Modell der Stadt Bonn macht. Die Rundum-Luftaufnahmen sind ab sofort für jeden kostenlos im Internet verfügbar. Das Portal „3d.bonn.de“ bietet aber auch noch weitere Funktionen, von Schattenberechnungen bis zu Hochwasser-Simulationen.

Für Bonns Stadtbaurat Helmut Wiesner ist „Bonn in 3D“, wie das Projekt heißt, ein „Schatz“. „In Zukunft sammeln wir ein riesiges Archiv an“, sagt er. Rund 10.000 Luftbilder, die aus allen vier Himmelsrichtungen mit einem Flugzeug aufgenommen wurden, liegen dem Modell zugrunde. Mit der sogenannten 3D-Mesh-Technik, die die Stadt von zwei externen Dienstleistern einkauft, wird das Modell berechnet. Entscheidend ist dabei, dass die Fotos nicht senkrecht von oben, sondern schräg geschossen werden – so sind nicht nur die Dächer, sondern auch Fassaden erkennbar.

Die Genauigkeit liegt dabei im Dezimeterbereich, was das Modell auch für andere Zwecke als rein touristische interessant macht. Dreidimensionale Linien- und Flächenmessungen seien laut Wiesner für Dachdecker und Bauherren interessant. Die Schnittflächen-Funktion visualisiert ein fiktives Geländeniveau, was man dafür nutzen kann, um Hochwasser zu simulieren. Nicht nur Fotos, sondern auch Video-Flüge lassen sich speichern. Das Modell ist dabei nicht auf die Stadt Bonn begrenzt: Auch die Gebietskulisse des Siebengebirges wurden eingearbeitet.

Immer mehr Daten sollen einfließen

Geht es nach Jochen Wagner, dem Leiter des verantwortlichen Amtes für Bodenmanagement und Geoinformation, ist das nur der Anfang: „Das Modell ist die Grundlage für einen digitalen Zwilling unserer Stadt.“ Künftig sollen immer mehr Daten einfließen. An Bushaltestellen werden Fahrpläne hinterlegt, Bäume bekommen die Infos zugewiesen, die der letzte Kontrolleur bei seiner Tour gewonnen hat. Sogar Kaltluftbewegungen können eingespeichert werden. Wiesner will das auch nutzen, um Entwicklungen abzuschätzen. „Wir könnten simulieren, wie das Grün in 30 Jahren wächst und aussieht“, sagt er. „Bei künftigen Bauprojekten wie Verdichtungen schauen wir im Vorfeld, welche Auswirkungen die Gebäude auf ihre Umgebung haben.“

Bisher nur eine Vision ist das Thema Augmented Reality, mit dem sich Bonns Chief Digital Officer Friedrich Fuß beschäftigt. Alle hinterlegten Daten sollen für jeden Bürger jederzeit abrufbar sein, mit dem Handy oder einer speziellen Brille, die die Infos an Ort und Stelle einblendet. Er sieht darin eine Chance, gesellschaftliche Diskussionen, beispielsweise über Bauprojekte, „zu versachlichen und leichter verständlich zu machen“. „Wir können dann anschaulich zeigen, wie etwas später einmal wirklich aussehen wird.“

Projekt kostet 90.000 Euro

„Dieses Modell ist bei allem Nutzen eigentlich ein Abfallprodukt“, erklärt Helmut Wiesner. Denn das Amt für Bodenmanagement und Geoinformation der Stadt Bonn lässt seit 1997 meist in Kooperation mit den Stadtwerken Bonn oder auch der Landesvermessungsverwaltung in dreijährigem Rhythmus Luftbilder aufnehmen. Die wurden bisher aber nur in zweidimensionalen Geo-Informations-Systemen verwendet. 2019 wurden nun erstmals neben den üblichen Senkrechtluftbildern auch Schrägluftbilder gemacht. Künftig soll das Flugzeug alle zwei Jahre starten, die nächsten Fotos sind für 2022 geplant.

Die Kosten für jede Digitalisierungsrunde liegen laut Stadt bei etwa 90.000 Euro. Geld will die Stadt für das Modell nicht verlangen, die Aufnahmen stünden allen kostenfrei zur Verfügung. „Sie können damit machen, was sie wollen“, so Wiesner. In Sachen Datenschutz sei die Stadt auf der sicheren Seite: Aufnahmen müssten nicht geschwärzt werden, wie einst beim Projekt Google Streetview, weil sie nicht detailliert genug seien. „Personen sind überhaupt nicht zu erkennen.“