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Ein Hallenbad pro Stadtbezirk: Mit diesem Konzept will Bonn die Bäderfrage beenden

Ein Hallenbad pro Stadtbezirk : Mit diesem Konzept will Bonn die Bäderfrage beenden

Mit einem Rundumschlag will die Stadtverwaltung den Stillstand in der Bonner Bäderfrage beenden. Am Mittwoch stellten Oberbürgermeister Ashok Sridharan und die zuständigen Fachleute einen Zehn-Jahres-Plan vor.

Vor 20 Monaten hatte er nach der Auszählung des Bürgerentscheids das Aus für die Pläne eines neuen Bades im Wasserland verkünden müssen, am Mittwoch stand Oberbürgermeister Ashok Sridharan wieder vor der Presse, um über die Bonner Bäder zu sprechen. Und im Gegensatz zu den verhärteten Fronten im Streit um das Bad in Dottendorf sieht er nun stabilere Chancen für breiten Konsens. Für das auf eine Dauer von zehn Jahren angesetzte Programm will er in den kommenden Wochen bei der Politik um Unterstützung werben. Kern des Konzeptes ist das Ziel, in jedem Stadtbezirk ein Hallenbad zu betreiben. Alle Freibäder sollen an ihren heutigen Standorten erhalten bleiben.

  • Für den Stadtbezirk Bonn stehen zwei Alternativen im Raum: zum einen die Erweiterung des Römerbades um eine Wettkampf-Schwimmhalle mit acht Bahnen nach internationalem Wettkampfstandard (laut Stadt rund 30 Millionen Euro). In diesem Fall könnte das Frankenbad zur Sport- und Kultureinrichtung werden. Alternative ist die Generalsanierung des Frankenbades (35 Millionen Euro). Darüber hinaus soll die Schwimmhalle im Sportpark Nord saniert und um zusätzliche Umkleiden, gegebenenfalls auch um ein weiteres Lehrschwimmbecken erweitert werden (15 Millionen). Sollten Sportpark Nord und Frankenbad zugleich saniert werden, müsste das Schulschwimmen vorübergehend in einem temporär zu errichtenden Bad stattfinden (10 Millionen). Ein möglicher Standort wird derzeit gesucht.
  •  Das Kurfürstenbad in Bad Godesberg soll abgerissen und in moderner Form an seiner heutigen Stelle neu gebaut werden (15 Millionen).
  • Für den Stadtbezirk Hardtberg soll die bereits beschlossene Sanierung des Hardtbergbades und der Anbau eines Lehrschwimmbeckens um einen Familienbereich mit Gastronomie ergänzt werden (30 Millionen).
  • In Beuel schwebt der Verwaltung der Abriss der „Beueler Bütt“ vor, an deren Stelle Sozialwohnung entstehen sollen. Geschwommen werden soll dann im Ennertbad, das zu einem ganzjährig geöffneten Kombibad mit Frei- und Hallenbad ausgebaut werden soll (20 Millionen).
  • Die bestehenden Lehrschwimmbecken in sechs Bonner Schulen sollen nach den Plänen der Verwaltung geschlossen und durch zusätzliche Wasserflächen in den um- oder neugebauten Bädern ersetzt werden.
  • Kosten: Verlässliche Kostenschätzungen gibt es laut Stadtverwaltung ausdrücklich noch nicht. Als vorsichtige Annahme, beruhend auf jüngeren Bäderprojekten in anderen Städten und Datenmaterial aus dem Vorhaben im Wasserland, stehen Gesamtkosten von rund 130 Millionen Euro im Raum. Die Stadt rechnet damit, für Teile ihrer Pläne Fördermittel in Anspruch nehmen zu können.
  • Beratungsfolge: Der Hauptausschuss der Stadt Bonn berät am 7. Mai erstmals über das Konzept. Geht es nach den Vorstellungen der Verwaltung, soll bereits am 18.Juni ein Ratsbeschluss fallen – zunächst für den Auftrag an die Verwaltung, die Maßnahmen vertieft zu prüfen und schrittweise Vorschläge zu machen. Externe Planungsbüros sollen dazu die Grundlagenermittlung und Vorplanung übernehmen (zwei Millionen Euro).
  • Reaktionen: Die bisherige Debatte wie auch die Ergebnisse des Bürgergutachtens hätten gezeigt, so Sridharan, dass den Bonnern an einer dezentralen Schwimmbadlandschaft gelegen sei. Diesem Wunsch komme die Verwaltung nun ebenso nach wie dem Auftrag des Rates, ein wohnortnahes Angebot zu schaffen und das Schulschwimmen zu gewährleisten. Der Stadtsportbund begrüßt die Rahmenplanung, wie SSB-Vorsitzende Ute Pilger am Mittwoch sagte. An die Politik appellierte sie: „Es darf jetzt nicht bei dem Prüfauftrag bleiben. Für die Bäder ist es nicht fünf vor, sondern weit nach zwölf.“ Aus den Fraktionen war zunächst keine fundamentale Kritik zu vernehmen.