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Kommentar zur Corona-Krise: „Wichtig, sich schon jetzt Gedanken über die Zeit danach zu machen“

Kommentar zur Corona-Krise : „Wichtig, sich schon jetzt Gedanken über die Zeit danach zu machen“

Noch mag es zu früh für diesen Gedanken sein – doch was passiert, wenn die Corona-Krise überwunden ist? Viele Unternehmen kämpfen ums Überleben. Welche Folgen die Krise haben könnte, kommentiert unsere Autorin.

Das Herunterfahren des öffentlichen und sozialen Lebens, die Isolierung in den eigenen vier Wänden, die Angst vor Jobverlusten und Unternehmenspleiten –   die Geduld einiger Zeitgenossen mit den einschneidenden Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus ist bereits aufgebraucht. Vertreter von manchen Wirtschaftsverbänden und Kommunen sehnen ein Ausstiegsszenario herbei, und das nur wenige Tage, nachdem Bund und Länder ein umfassendes Kontaktverbot verhängt und auch Restaurantschließungen angeordnet hatten. Ein verfrühtes Ende der Maßnahmen könnte aber verheerende Folgen haben: Das Virus könnte sich wieder schneller ausbreiten und alle kostspieligen Opfer, die bisher zu seiner Eindämmung erbracht wurden, wären umsonst gewesen.

Dennoch ist es richtig und wichtig, sich schon jetzt Gedanken über die Zeit danach zu machen. Dazu braucht es vor allem ein enges Monitoring des Verlaufs der Epidemie. Maßnahmen können erst dann gelockert werden, wenn die Infektionszahlen nachhaltig sinken. Der Virologe Christian Drosten, an dessen Lippen eine ganze Nation hängt, spricht von möglichen „Zwischenschritten“, von pragmatischen Lösungen, die eine dosierte Rückkehr zum Normalen erlauben würden. So könnten etwa Schulen wieder öffnen, aber Klassen reduziert und Pausen vorübergehend abgeschafft werden, um die Infektionshäufigkeit unter den Schülern zu verringern.

Viele Unternehmen kämpfen ums Überleben, viele Arbeitnehmer sorgen sich um ihre Arbeitsplätze. Umso dankbarer können Politiker sein, dass die Wirtschaft bisher überwiegend die Füße stillhält und die verhängten Maßnahmen mitträgt. Doch je länger sie anhalten, umso mehr wird es um die nackte Existenz vieler Menschen gehen. Der Staat kann sie auch mit seinem riesenhaften Rettungsschirm nicht alle auffangen.

Der Staat hat auch den Zugang zur sozialen Grundsicherung erleichtert. Die Vermögensprüfung und die Prüfung, ob eine Wohnung nicht zu groß ist, entfällt. Damit wird Hartz IV zu einem Auffangbecken auch für Selbstständige oder Freiberufler. Ein Schritt hin zu einem bedingungslosen Grundeinkommen. Die Regelung ist zwar befristet, doch es wird politische Kräfte geben, die eine Rückkehr zu strengeren Zugangskriterien blockieren wollen. Es wird schwerfallen, nach der Krise viele Menschen wieder aus der Grundsicherung „rauszuschmeißen“, die dann die Kriterien nicht mehr erfüllen.