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Corona-Impfstoff: Biontech, Astrazeneca, Moderna, Johnson&Johnson - Alle Infos

Biontech, Moderna, Astrazeneca, Johnson&Johnson : Alles, was man zu den Corona-Impfstoffen wissen muss

Aktuell sind deutschlandweit vier Impfstoffe gegen das Coronavirus zugelassen. Der GA gibt dazu einen Überblick. Wo gibt es Unterschiede, was sind die Gemeinsamkeiten - und welcher Impfstoff ist für wen geeignet?

Welche Corona-Impfstoffe sind aktuell deutschlandweit zugelassen?

Die Corona-Impfstoffe heißen „Comirnaty“ von der Firma Biontech/Pfizer (Deutschland/USA), „Covid‑19 Vac­ci­ne Mo­der­na“ von der Firma Moderna (USA), „Covid‑19 Vac­ci­ne Jans­sen“ von der Firma Janssen-Cilag/Johnson & Johnson (USA) und „Vaxzevria“ von der Firma Astrazeneca (Großbritanien).

Ein weiterer Corona-Impfstoff mit dem Namen „CVnCoV“ von der Firma Curevac (Deutschland) steht kurz vor der Zulassung bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA). Das letzte Wort für die Einführung des Impfstoffes in Deutschland hat dann das Paul-Ehrlich-Institut.

Wie sind die Corona-Impfstoffe aufgebaut?

Die Präparate von Biontech/Pfizer und Moderna sind sogenannte mRNA-Impfstoffe. „m“ steht für messenger (Bote), „RNA“ für Ribonucleic acid (Deutsch: Ribonukleinsäure). Die mRNA ist die Bauanleitung für einen Bestandteil des Covid-19-Erregers und gelangt mit Hilfe winziger Fetttröpfchen in die Körperzellen. Diese stellen dann das Virusprotein her, gegen das der Körper seine Immunantwort entwickelt.

Die anderen Varianten der sogenannten vektorbasierten Impfstoffe nutzen hingegen harmlose lebende Viren zur Immunisierung. Astrazenecas Produkt mit dem Wirkstoff AZD1222 nutzt eine abgeschwächte Version eines Erkältungsvirus von Schimpansen. Es enthält genetisches Material eines Oberflächenproteins, mit dem der Erreger Sars-CoV-2 an menschliche Zellen andockt. Auch hier bilden die Zellen mit Hilfe der Bauanleitung das Protein und der Körper entwickelt eine Immunantwort dagegen.

Das Produkt von Janssen-Cilag/Johnson & Johnson mit dem Wirkstoff JNJ-78436735 besteht aus den "Hüllen" harmloser Viren, die den „Bauplan“ (Abschnitt der DNA) für ein Eiweiß auf der Oberfläche des Coronavius SARS-CoV-2 enthalten. Diese Vektoren werden von Körperzellen aufgenommen, die dann für eine kurze Zeit dieses Corona-Eiweiß (S-Protein) herstellen. Dadurch wird das Immunsystem angeregt, Abwehrstoffe zu bilden.

Bei allen Impfstoffen entstehen keine Coronaviren. Auch eine Vermehrung von Bausteinen der Virus-DNA findet nicht statt.

Wie viel Dosen benötigt man für den vollen Impfschutz und in welchen Abständen werden diese geimpft?

Bis auf den Impfstoff von Janssen-Cilag/Johnson & Johnson (nur eine Impfung) sind bei allen anderen zwei Impfungen nötig.

Bei den mRNA-Impfstoffen liegen aktuell rund sechs Wochen zwischen erster und zweiter Impfung. Bei Astrazeneca sind es aktuell noch zwölf Wochen. Dies könnte sich aber laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn in den kommenden Tagen/Wochen reduzieren.

Wann erhält man den vollen Impfschutz?

Beim mRNA-Impfstoff Comirnaty (Biontech/Pfizer) erfolgt nach aktuellen Erkenntnissen des Robert-Koch-Instituts (RKI) bereits nach sieben Tagen nach der zweiten verabreichten Dosis der volle Impfschutz. Beim Moderna-Impfstoff sind es 14 Tage nach der zweiten Impfdosis.

Beim vektor-basierten Impfstoff von Astrazeneca liegt der volle Impfschutz nach 15 Tagen nach der zweiten Impfung vor. Beim Impfstoff von Janssen-Cilag/Johnson & Johnson trat nach Prüfung der EMA nach vier Wochen ein stabiler Schutz gegen das Coronavirus ein, der sich nach der fünften Woche noch einmal verbesserte.

Wie ist der Wirkungsgrad der vorhandenen Corona-Impfstoffe?

Nach derzeitigem Kenntnisstand des Robert-Koch-Instituts (RKI) bieten die Covid-19-mRNA-Impfstoffe Comirnaty (Biontech/Pfizer) und Covid-19 Vaccine Moderna) eine hohe Wirksamkeit von etwa 95 Prozent. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass von den Geimpften nur noch fünf Prozent an Covid-19 erkranken. Der in den klinischen Studien nach Verabreichung von zwei Impfdosen dargestellte Impfschutz wurde nach siegen Tagen (Comirnaty von Biontech/Pfizer) beziehungsweise 14 Tagen (Covid-19 Vaccine Moderna) berechnet.

Der vektor-basierte Impfstoff Vaxzervia von Astrazeneca hat eine Wirksamkeit von bis zu 80 Prozent in allen Altersgruppen, 15 Tage nach Verabreichung der zweiten Dose. Bereits nach der ersten Impfung liegt der Schutz, nur eine leichte Corona-Erkrankung zu bekommen, bei 95 Prozent.

Der vektor-basierte Impfstoff von Janssen-Cilag/Johnson & Johnson hat nach der empfohlenen einmaligen Impfdosis eine Wirksamkeit von etwa 65 Prozent in allen Altersgruppen. Der Schutz, nur eine leichte Corona-Erkrankung zu bekommen, liegt bei 75 Prozent.

Welche Nebenwirkungen der Corona-Impfstoffe gibt es?

Dem RKI zufolge waren Schmerzen an der Einstichstelle, Abgeschlagenheit, Kopf- und Gelenkschmerzen sowie Schüttelfrost die nach den bisherigen Impfungen am häufigsten beobachteten Nebenwirkungen. Im Allgemeinen waren diese aber schwach bis mäßig und klangen nach kurzer Zeit wieder ab.

In Deutschland waren allerdings bis Ende April rund 60 Fälle von Hirnvenenthrombosen im Zusammenhang mit einer Astrazeneca-Impfung aufgetreten, an denen die Betroffenen zum Teil starben. Die Bundesregierung hatte daraufhin nach Empfehlung des für die Sicherheit von Impfstoffen zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) die Impfungen von Astrazeneca für rund eine Woche gestoppt. Nach einer neuerlichen Prüfung wurde Astrazeneca für die Altersgruppen über 60 Jahren wieder zugelassen. Inzwischen sind Impfungen mit Astrazeneca auch für jüngere Menschen wieder möglich.

Einige wenige Fälle von Hirnvenenthrombosen gab es auch nach der Verabreichung des Biontech/Pfizer-Impfstoffes. Dies hatte aber auf die Verimpfungen des Biontech-Produkts keine Auswirkungen.

Die Ständige Impfkommission beim RKI empfiehlt die Impfung auch für Menschen mit Immunschwäche - also zum Beispiel bei HIV-Infektionen, Krebserkrankungen oder nach Organtransplantationen. „Wenngleich Personen mit geschwächtem Immunsystem möglicherweise nicht so gut auf den Impfstoff ansprechen, bestehen keine besonderen Sicherheitsbedenken“, heißt es auch bei der Europäischen Arzneimittel-Agentur EMA. „Immungeschwächte Personen können trotzdem geimpft werden, da bei ihnen möglicherweise ein höheres Risiko durch Covid-19 besteht.“

Wer kann sich gegen das Coronavirus impfen lassen?

Grundsätzlich sind alle Impfstoffe in Deutschland momentan erst ab 18 Jahren zugelassen. Einzig Biontech/Pfizer hat eine Zulassung der EMA für seinen Impfstoff ab 16 Jahren erhalten. Durch die eingeführte Impf-Priorisierung der Ständigen Impfkommission (Stiko) sind diese Altersgruppen aber bisher noch nicht an der Reihe gewesen.

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Foto: Grafik

Geimpft wird nach den Vorgaben der Stiko, die eine Impfreihenfolge vorgegeben hat, die aktuell grundsätzlich immer noch gilt. Jedoch gibt es schon jetzt Abweichungen für den Impfstoff von Astrazeneca, der nach dem Beschluss von Bund und Ländern am Donnerstag, 6. Mai, grundsätzlich für alle zur Verfügung steht.

Schützen die Impfstoffe auch vor Varianten des Coronavirus?

Das ist noch nicht abschließend geklärt, allerdings äußerten sich die Hersteller Moderna und Biontech/Pfizer zuversichtlich. Erste Tests deuten darauf hin, dass ihre Impfstoffe auch vor den beiden zunächst in Großbritannien und Südafrika nachgewiesenen Mutationen des Coronavirus schützen. Allerdings stellten die Unternehmen auch fest, dass Geimpfte gegen die Variante aus Südafrika offenbar eine schwächere Immunantwort aufbauen. Man könne den Impfstoff gegebenenfalls anpassen, teilten Pfizer und Biontech mit. Moderna will unter anderem die Wirkung einer zusätzlichen Auffrischungsdosis testen.

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(mit Material von dpa)