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Malinger im Walporzheimer Pfaffenberg: Winzer aus Rech hat ein Herz für seltene alte Rebsorte

Malinger im Walporzheimer Pfaffenberg : Winzer aus Rech hat ein Herz für seltene alte Rebsorte

Er hat ein Herz für eine seltene Rebsorte: Johannes Hostert aus Rech besitzt einen bundesweit einmaligen, rund 100-jährigen wurzelechten Malinger-Weinberg.

An der Ahr wird nicht nur Spätburgunder angebaut. Auch Raritäten kann man hier finden. Der Recher Winzer Johannes Hostert besitzt mit seinem Malinger-Weinberg bundesweit den einzigen wurzelechten Weinberg dieser Sorte. Und dieser ist rund 100 Jahre alt.

Hostert muss nur wenige Kilometer fahren, um den Weinberg zu sehen. Im Walporzheimer Pfaffenberg stehen seine alten Rebstöcke. Was ist das Besondere an diesem Weinberg? Der Winzer sagt: „Wir sind froh, noch Wein aus diesen alten Reben anbieten zu können!“ Der Weinberg sei arbeitsintensiv, alles sei nur per Handarbeit zu erledigen, aber die Arbeit mache Spaß. Mit einem Traubenvollernter könnte man die Trauben nicht lesen.

Glücksfall für den Winzer

Die Steigung im Pfaffenberg ist zwar relativ gering, aber der Rebstock-Abstand von nur rund einem Meter würde dafür sorgen, dass die Einzelpfahlbindung zerstört würde. „Früher nutzte man jeden Quadratmeter, um möglichst viele Rebstöcke zu pflanzen“, erklärt Hostert. Die natürliche Begrünung erfreut das Auge des Betrachters. Hostert hat schon die Reben geschnitten und angebunden. Der Reben-Rundbogen ist wie ein Herz gebogen, auch das zeigt das Herz des 54-Jährigen Rechers für den Malinger. Für Johannes Hostert ist der Malinger-Weinberg ein Glücksfall, in dem das Vermächtnis seines Großvaters und Namensgeber des Weingutes, Johannes Jakob Hostert, überlebt. In der vierten Generation besitzt die Familie Hostert den letzten wurzelechten Malinger-Weinberg.

„Trotz ihres Alters von rund 100 Jahren besitzen die Rebstöcke eine starke Wuchskraft und erbringen einen guten Ertrag", erklärt Johannes Hostert. Sein Vater Alois Hostert spielte schon mal mit dem Gedanken, den Malinger „auszureißen“, da die Weißweinsorte besonders in der Blütezeit im Juni sehr regenempfindlich war und eine ganze Ernte „verregnen" konnte. „Mit Pilzkrankheiten hat der Malinger keine Probleme, seine dünne Haut macht ihn aber regenempfindlich und er braucht eine sorgsame Behandlung“, sagt Hostert.

Gute Bedingungen durch den Klimawandel

Die Zeiten haben sich aber geändert. „Dieses permanente Risiko ist seit dem Klimawandel stark zurückgegangen", erläutert der 54-Jährige. Im Sommer gebe es inzwischen wenig Regen, was dem Malinger aber nicht viel ausmache. Er bekomme durch die tiefen Wurzeln ausreichend Wasser, und auch der schwere Mutterboden, lehmhaltig und nährstoffreich, unterstützt die alten Reben im Wachstum.

Im Walporzheimer Pfaffenberg stehen die 25 Reihen Malinger auf insgesamt 16 Ar, also 1600 Quadratmeter. „2020 haben wir die Öchslezahl von 85 erreicht", freut sich der Winzer. Das schaffe eine gute Grundlage, um einen halbtrockenen Malinger ausbauen zu können. Der Absatz der rund 1500 Flaschen sei gesichert, Stammkunden hätten schon vorreserviert und auch in ihrem Weingut in Rech werde der Weißwein ausgeschenkt. Die Weine werden als rieslingähnlich, allerdings mit weniger Säure, beschrieben.
„Er hatte früher, im Verschnitt, manchem Riesling erst die Trinkbarkeit verliehen“, sagt der Winzer. „Früh wieß", früher Weißwein, habe man den frühreifen Wein, der Ende August/Anfang September geerntet wird, genannt. Die gelb-grünen Beeren sind saftig und süß, weisen jedoch kein spezifisches Aroma auf.

Malinger, früher auch Malingre genannt, wurde um das Jahr 1840 von einem französischen Gärtner namens Malingre in der Nähe von Paris aus Sämlingen gezogen, deren Herkunft unbekannt ist. Johannes Hostert aus Rech ist froh darüber, kann er doch mit dieser Sorte etwas Spezielles vorweisen. Der Malinger ist dem Winzer ans Herz gewachsen. Und in der Erntezeit kommt zuerst der Malinger, dann weitere Sorten wie Riesling, Portugieser, Früh- und Spätburgunder, die er als Ahr-Winzer natürlich auch anbietet.