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Drachenfels Königwinter:BUND kritisiert Renaturierung am Burghof

Burghof in Königswinter : BUND kritisiert die Renaturierung des Wanderwegs am Drachenfels

Der vom Rhein-Sieg-Kreis veranlasste Rückbau des Weges am Burghof ruft die Naturschützer auf den Plan. Nach Auffassung des BUND darf der Rhein-Sieg-Kreis amtlich festgelegte Wege nicht einfach einziehen oder einziehen lassen.

Die inzwischen abgeschlossene Renaturierung des Wanderweges vom Burghof Richtung Kutschenweg stößt beim Bund für Umwelt und Naturschutz auf Kritik. Der BUND wundert sich über die Aktion der Bezirksregierung Köln in Abstimmung mit dem Rhein-Sieg-Kreis als Unterer Naturschutzbehörde, da der Weg Bestandteil des Wegekonzeptes der Bezirksregierung sei. Die Bezirksregierung hatte einen Antrag des BUND, den Wegerückbau zu stoppen, in der vergangenen Woche abgelehnt.

Nach Auffassung des BUND darf der Rhein-Sieg-Kreis amtlich festgelegte Wege nicht einfach einziehen oder einziehen lassen. „Die Schutzgebietsverordnung erlaubt keine freie Verfügung der Naturschutzbehörde, den mühsam und auf breiter Basis ausgehandelten Wegeplan als Bestandteil der Verordnung dem Eigentümer zuliebe zu ändern“, teilte der BUND mit.

Kreis: Parallele Wege möglichst wegnehmen

Ein ganz anderes Bild zeichnet wie bereits berichtet der Kreis: „Es gibt keinen Anspruch auf einen Weg“, so Christoph Rüter von der Unteren Naturschutzbehörde. Der Weg sei nämlich einzig und allein in den Wegeplan aufgenommen worden, da der Eselsweg nach einem Fels­sturz gesperrt war und von 2017 bis 2019 saniert werden musste. „Ziel des Wegeplans ist es immer gewesen, parallel verlaufende Wege wegzunehmen“, betont Rüter. Und mit dem Kutschenweg und dem Eselsweg gebe es zwei Alternativen für den Burghofweg.

Aus Sicht des BUND ist jedoch der auch touristisch attraktive Weg am Burghof langfristig von zentraler naturschutzfachlicher Bedeutung im Wegenetz. Grund: Der Weg sichere einen alternativen, landschaftlichen Aufstieg zum Drachenfels für den Fall, dass der obere Eselsweg bei erneuten Felsabbrüchen und Felssicherungsmaßnahmen vorübergehend oder langfristig gesperrt werden müsse.

Lebensraum „bereits arg dezimiert“

„Wer den Eselsweg kennt, der weiß, dass dort trotz umfangreicher Baumaßnahmen weitere, auch als FFH-Lebensraumtypen geschützte Felsen ungesichert anstehen“, so der BUND. Zugleich werde es immer schwieriger, mit Mitteln der Technik dafür zu sorgen, dass Felsabbrüche ausbleiben. Grund: Der Lebensraum der Felsen sei „durch die bereits erfolgte, umfassende Zerstörung naturnaher Felsstandorte“ bei den Felssicherungsmaßnahmen unterhalb der Burgruine „bereits arg dezimiert“.

Weitere Felsabbrüche in dem in den vergangenen Jahren sanierten Bereich, der dem Land gehört, schließt Rüter hingegen aus. Allerdings gebe es einen weiteren Abschnitt, der dem Verschönerungsverein für das Siebengebirge (VVS) gehöre, der nicht saniert worden sei. „Da halte ich das nicht für ausgeschlossen“, sagt er.

Der BUND mutmaßt auch, dass der plötzliche Rückbau des Weges offenbar die Umgestaltung des Burghofs zu einem Hotel- und Gastronomiestandort weiter vorbereiten solle. Diese Nutzung sei aber nicht genehmigungsfähig, da ein überwiegendes öffentliches Interesse nicht dargestellt werden könne und die Naturschutzziele entgegenstünden.

Schafbeweidung wird angestrebt

„Hier arbeiten also der neue Investor, das Land NRW als bisheriger Eigentümer des Weges und die Untere Naturschutzbehörde zum Nachteil des Naturschutzes zusammen“, so der BUND. Rüter hingegen betont, der Rückbau des Weges sei gar nicht unbedingt im Interesse des Burghof-Eigentümers. Rüter: „Dem BUND geht es auch gar nicht um diesen Weg, sondern allein um den Eselsweg, den er am liebsten für immer schließen würde.“

Der Rückbau des Burghofweges stellt nach Ansicht des BUND nicht zuletzt keine Naturschutzmaßnahme zur Förderung des FFH-Lebensraumes der Glatthaferwiese dar, da eine Mahd, fachliche Voraussetzung für eine gut entwickelte Glatthaferwiese, nicht angestrebt werde, sondern lediglich eine Schafbeweidung.

„Die Wiesen rund um den Burghof werden bereits seit 1985 und früher von Schafen beweidet, ohne dass sie sich negativ entwickelt hätten“, sagt Rüter. Die Tiere würden stets nur für wenige Tage auf den Wiesen bleiben, was den gleichen Effekt habe wie eine Mahd.

Burghofweg war nur geduldet worden

Der Rückbau des Burghofweges hatte Anfang Mai begonnen. Der Weg sei von den Grundstückseigentümern und der Unteren Naturschutzbehörde während der Schließung des Eselsweges lediglich geduldet worden, teilte damals die Bezirksregierung mit.

Noch im Juni soll es nach Aussage von Burghof-Eigentümer Bernd Siebdrat nach Möglichkeit auch mit der Sanierung des Gebäudes, das seit dem Jahr 1989 leer steht, losgehen. Er möchte dort ein Landhaus mit Café und Ferienwohnungen sowie eine Wanderherberge errichten. Das Ganze soll den Namen „Die Siebengebirgsalm“ tragen.