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Corona Troisdorf: Reisende sitzen in Neuseeland fest

Lockdown am anderen Ende der Welt : Oma und Enkeltöchter aus Troisdorf sitzen in Neuseeland fest

Eigentlich wollten Svenja, Annika und Christel Salveter eine große Tour durch Neuseeland machen. Doch gleich nach ihrer Ankunft kam die Corona-Krise auch dort an. Jetzt warten die drei auf einem Campingplatz darauf, dass sie weiterreisen dürfen.

Die Reise hatten Annika und Svenja Salveter lange geplant. Anfang März flogen die Studentinnen aus Troisdorf mit ihrer Oma Christel nach Neuseeland und starteten mit einem Wohnmobil zu einer Rundtour. Doch das Coronavirus und der Lockdown am 26. März durchkreuzte ihr Vorhaben. Seitdem sitzen die drei am anderen Ende der Welt auf einem Campingplatz fest – und hoffen, dass sie ihre Reise bald fortsetzen können.

Die 25- und 27-Jährigen und ihre 76-jährige Großmutter haben sich deshalb bisher nicht für eine Rückholaktion durch die Bundesregierung gemeldet. Sie harren aus, auch weil die Reise ein Dankeschön werden sollte dafür, dass die Mädchen in früheren Jahren, als der Opa noch lebte, von den Großeltern oft mit in den Urlaub genommen wurden. Ziel war Neuseeland, denn „wir wollten die Oma auf die andere Seite der Welt bringen“, so Svenja Salveter.

Die Rundreise sollte drei Monate dauern

Geplant waren ursprünglich drei Monate von Anfang März bis Anfang Juni. „Wir wollten uns bei der Reise viel Zeit lassen können, um auch die einsamen letzten Ecken von Neuseeland zu besuchen“, berichtet Annika. Am 7. März flogen sie von Frankfurt über Dubai und Sydney nach Neuseeland. Die Tour im Wohnmobil wurde dann abrupt ausgebremst. „Vom Lockdown selbst haben wir durch die typische neuseeländische Art erfahren. Bei einem Spaziergang am Strand sprach uns ein Kiwi an und warnte uns vor den Neuigkeiten aus der hiesigen Politik. Zu dem Zeitpunkt hatten wir mit Maßnahmen gerechnet, aber nicht mit derart drastischen. Es gab zu dem Zeitpunkt gerade mal rund 100 Fälle in ganz Neuseeland“, erzählt Svenja.

Zwangsaufenthalt im Hafenstädtchen Picton

Das Trio landete auf einem kleinen Campingplatz in Picton auf der Südinsel, einer Hafenstadt mit rund 4000 Einwohnern. „Hier bekamen wir auch das erste Mal richtige Informationen darüber, was vorläufig vier Wochen Lockdown Level 4 bedeutet.“ Annika berichtet: „Alle Geschäfte sind geschlossen, außer Supermarkt und Apotheke. Online-Shops liefern nur notwendige Dinge. Man ist angehalten zu Hause zu bleiben, sämtliche sportlichen Aktivitäten mit Gefahrenpotenzial sind zu unterlassen. Bewegen vor der eigenen Haustür ist nur für einen kleinen Spaziergang oder den Weg zum Supermarkt erlaubt.“

Mit Rommee-Spielen und dem Schauen von Netflix-Serien verbringen sie seither die Abende. „Wir versuchen, jeden Tag eine Stunde zu wandern, lesen viel, basteln Osterdeko aus Kastanien,“ erzählt Christel Salveter. „Die Mädchen machen Rückenfitness mit mir und bringen mir Frisbee spielen bei.“ Und weil sie sich vorbildlich verhielten, durften sie auf dem Campingplatz in ein Ferienhäuschen umziehen.

Hamsterkäufe gibt es nicht

Über die Hamsterkäufe in der Heimat wundert sich die kleine Reisegruppe. „Zum Glück haben die Neuseeländer schon vor dem Lockdown jegliche Hamsterkäufe unterbunden. Das Einkaufen von grundlegenden Sachen war immer auf zwei Teile desselben Produkts limitiert. Es kommt ab und zu vor, dass etwas ausverkauft ist, jedoch kann man das dann spätestens zwei Tage später wieder kaufen.“ Toilettenpapier gehörte bislang nicht dazu.

Entscheidung gegen die Rückholaktion

Der Lockdown werde in Neuseeland sehr ernst genommen, berichten die Troisdorferinnen. Der Mindestabstand von zwei Metern sei um ein Vielfaches erweitert. Die sonst sehr quirlige Stadt sei sehr leise geworden.

Die Entscheidung gegen eine vorzeitige Rückreise wurde auch von finanziellen Fragen geleitet, berichten die drei. Der Flug sei gecancelt worden, könne aber kostenlos auf einen anderen Tag umgebucht werden. Einzige zuvor nicht einkalkulierte Mehrausgabe sei im Augenblick die Miete für das Ferienhäuschen, die sich jedoch im Rahmen halte.

„Würden wir das Wohnmobil früher zurückgeben und uns für eine Rückholaktion melden, würden wir keinen Cent zurückbekommen. Das war mit der Grund, warum wir uns fürs Bleiben entschieden haben. Wir stehen gerade erst am Anfang unserer Reise und so hoffen wir darauf, dass wir uns nach dem Lockdown zumindest wieder regional bewegen dürfen.“

Die Visa seien wegen der Pandemie bis Ende September verlängert worden, auch das habe die Entscheidung erleichtert. „Erstmal heißt es, den Lockdown abzuwarten. Wenn danach noch kein grünes Licht für eine Weiterreise in Sicht ist, müssen wir neu entscheiden. Leider sitzt uns auch die Zeit im Nacken, da es hier schon auf den Winter zugeht“, ergänzt Svenja.

Noch sind die Troisdorferinnen optimistisch. „Dabei helfen uns das gute Wetter und unsere kölsche Mentalität. Wir hoffen nur, dass die Reise nach dem vierwöchigen Lockdown weitergehen kann. Alles andere wird sich dann ergeben“, sagt Oma Christel.

Doch hat sich der Anspruch an die Reise immens verändert. Eigentlich standen Tauchen, Canyoning, Höhlenklettern, Fahrradfahren und Hummeressen an der Westküste auf dem Plan. „Jetzt hoffen wir einfach nur noch, den Rest von Neuseeland bestaunen zu können. Auch unser Trip nach Sydney auf dem Rückweg hat sich erledigt. Trotzdem sitzen wir nicht im Gefängnis und genießen erstmal die Zeit in Picton“, so die beiden Mädchen.

Und eines haben sie auch schon entdeckt: dass Neuseeland und das Rheinland doch einiges gemeinsam haben. „Die Neuseeländer haben hier einen Ausdruck aus der Maori- Sprache: Kia Kaha, ‚be strong/keep going’, oder wie der Kölner sagen würde: ‚Et es wie et es, et kütt wie et kütt und et hätt noch immer jot jejange’.“