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TV-Paar in Bonn vor Gericht: Ehefrau soll ihrem Mann Giftcocktail in Saft gemischt haben

TV-Paar in Bonn vor Gericht : Ehefrau soll ihrem Mann Giftcocktail in Saft gemischt haben

Weil sie ihrem Ehemann eine gefährliche Dosis an Medikamenten in den Saft gemischt hatte, muss sich eine 56-jährige Arzthelferin aus Waldbröl seit Dienstag vor dem Bonner Landgericht verantworten. Bekannt ist das Paar aus verschiedenen TV-Auftritten.

Die Story klingt fast wie aus einem Hitchcock-Thriller: Ein Mann verbringt die Nacht bei seiner Geliebten, kommt am nächsten Nachmittag wieder nach Hause und seine Frau bietet ihm etwas zu trinken an. In dem Glas befindet sich allerdings nicht nur Saft, sondern auch ein hochdosiertes Schlafmittel.

Die beiden Protagonisten kennt man zwar nicht aus Hollywood, aber vielen deutschen Fernsehzuschauern sind die 56-jährige Arzthelferin und der 54-jährige Polizist aus dem RTL-Magazin „Stern TV“ bekannt. Dort ließen die beiden die Zuschauer jahrelang am Bau ihres in Eigenarbeit erstellten Hauses in Nümbrecht teilhaben. Das Bonner Landgericht muss sich seit Dienstag mit dem sonderbaren Kriminalfall befassen: Das Amtsgericht Waldbröl hatte die Frau 2018 wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten auf Bewährung verurteilt. Dagegen ist ihr inzwischen von ihr geschiedener Mann in Berufung gegangen: Er vermutet, dass seine frühere Frau ihn töten wollte.Das sei allerdings nie ihre Absicht gewesen, ließ sich die Angeklagte über ihren Anwalt zur Sache ein. Dass er ein Verhältnis habe, hätte sie schon länger geahnt. Insbesondere auch, weil er seiner Affäre einen eigenen Klingelton in einer Nachrichten-App zugewiesen hatte, habe sie immer gewusst, wann die beiden sich austauschten. Das sei auch an jenem Samstagnachmittag immer wieder geschehen. Weil sie ein ruhiges Wochenende mit der Familie habe verbringen wollen, sei ihr spontan die Idee gekommen, ihrem Mann ein Schlafmittel in den Multivitaminsaft zu rühren.

Mann klagt über Müdigkeit

Sie habe ihn mit sechs Tabletten eines sonst von ihr selber verwendeten starken Schlafmittels schlicht ein paar Stunden ruhig stellen wollen. Die Dosis sei eher zufällig zustande gekommen. Ihr Mann sei dann nach dem Abendessen mit ihren beiden gemeinsamen Töchtern und ihrem Sohn aus erster Ehe auch planmäßig früh ins Bett gegangen. Als er am nächsten Morgen über Müdigkeit und Schmerzen klagte, habe sie ihm geraten, ärztliche Hilfe zu suchen. Die nahm er aber erst später am Tag in Anspruch. Im Gummersbacher Krankenhaus habe sie die Schlafmittelgabe schnell eingeräumt. Schließlich habe sie sich um ihn gesorgt.

Ihr Mann, der als Nebenkläger in der Verhandlung saß, hatte angegeben, eine sogenannte Somnolenz mit folgendem Filmriss erlitten zu haben. Er habe psychisch gelitten und sei über mehrere Monate arbeitsunfähig gewesen. Die Gabe hätte durchaus tödlich sein können, im Blut des Polizisten waren nämlich Spuren weiterer Medikamente nachgewiesen worden. Die habe sie ihm aber nicht gegeben, so die Angeklagte. Das Amtsgericht war in seinem erstinstanzlichen Urteil auch nicht von einer Tötungsabsicht ausgegangen. Mit dem zweitinstanzlichen Urteil wird erst im Februar gerechnet.

(dpa)