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Vereinsjubiläum in Siegburg: Hunnenhorde ist mehr als ein Karnevalsverein

Vereinsjubiläum in Siegburg : Hunnenhorde ist mehr als ein Karnevalsverein

Sklaven, Krieger, Fürsten und König Attila – die Hunnenhorde auf Zange ist nicht einfach nur ein Karnevalsverein. Die Mitglieder leben ihre Rollen und einige von ihnen bereits seit 20 Jahren. Wir haben mit dem König und einer Kriegerin zurückgeblickt.

Vor 20 Jahren haben die Hunnen Siegburg erobert – im Siegburger Stadtteil Zange hat sich die Hornpötter Hunnenhorde niedergelassen. Aus der Jubiläumsfeier des Vereins wurde wegen der Corona-Pandemie nichts. Doch die geplante Feier wollen sie im nächsten Jahr nachholen. „Ich habe mir da schon etwas überlegt“, erklärt König Attila alias Jörg Unterberg, Gründungsmitglied des Vereins und erster Vorsitzender.

„Ich war eigentlich gar kein Vereinsmensch, das war bis dahin einfach nicht meins. Durch die Hunnen hat sich das geändert“, erzählt Astrid Torsy von den Hornpötter Hunnen. Jetzt könnte sich die Siegburgerin, die auch Pressesprecherin des Vereins ist, eine Zeit ohne die Hunnen nicht mehr vorstellen. Den Verein lernte sie kennen, weil ihr die Mitglieder bei einem familiären Umzug halfen – noch bevor sie selbst zum Verein gehörte. 

Wie alle Mitglieder startete auch Torsy als Sklavin bei den Hunnen. Ein Jahr lang durfte sie zwar an allen Feiern des Vereins teilnehmen, sich aber zunächst nicht wie eine richtige Kriegerin der Hunnen kleiden. Nach einem Jahr wurde sie dann im Hunnenlager von Schamanen in einer Zeremonie zur Kriegerin getauft. Ihr Weg von der Sklavin bis zur Kriegerin wurde damals filmisch vom LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte festgehalten. „Das war schon ein cooles Projekt“, so Torsy.

 Die Hornpötter Hunnenhorde existiert bereits seit 20 Jahren.
Die Hornpötter Hunnenhorde existiert bereits seit 20 Jahren. Foto: Hornpötter Hunnenhorde

Heute ist sie bei Festen gekleidet wie eine Hunnen-Kriegerin – mit Kopfschmuck, Armreifen und Ringen. Der Schmuck ist vor allem den weiblichen Mitgliedern vorbehalten. Insgesamt werden für die Kostüme eher dezente Farben bevorzugt – Erdtöne und Schwarz. „Unsere Kostüme sind sehr aufwendig. Wir verbessern unsere Rüstungen ständig und haben neue Ideen“, sagt Torsy. Und fügt hinzu, dass sie sie auf Flohmärkten ständig erweitern.

Torsy und Unterberg sind in ihrem Verein Kriegerin und König, außerhalb des Vereins sind die beiden beste Freunde und haben mit den Hornpötter Hunnen auch schon einiges erlebt. „Ich kann mich noch daran erinnern, als ich das erste Mal als König mit der Horde bei einem Hunnenlager eines anderen Stammes war. Dort saßen bereits alle Fürsten und Könige an einem Tisch, und ich musste mich und meine Horde vorstellen“, erinnert sich Unterberg und fügt hinzu: „Da ging mir ganz schön die Düse.“

Inzwischen ist das für König Attila kein Problem mehr. Seine Horde zählt aktuell 35 bis 40 aktive Mitglieder, die die Hunnenkostüme tragen, und noch einmal so viele, die passive Mitglieder sind. In den vergangenen 20 Jahren sei die Mitgliederstruktur im Verein aber älter geworden. „Junge Leute für unsere Hunnenhorde zu begeistern, ist schwieriger geworden. Früher hatten wir auch viele Kinder im Verein, das ist jetzt nicht mehr so“, sagt Unterberg. Dabei seien sie immer offen für neue Mitglieder in der Hunnenhorde.

 Astrid von Torsy präsentiert eines ihrer drei Kostüme. Die Kriegerin bastelt jedes Jahr aufs Neue an ihren Rüstungen.
Astrid von Torsy präsentiert eines ihrer drei Kostüme. Die Kriegerin bastelt jedes Jahr aufs Neue an ihren Rüstungen. Foto: Annika Schmidt

Die Hunnenlager, da sind sich Torsy und Unterberg einig, sind jedes Jahr aufs Neue die Höhepunkte der Saison, besonders das eigene Lager am Berliner Platz in Siegburg. Dort werden neue Krieger ernannt und ältere Krieger geehrt, indem sie einen Hunnennamen erhalten. Dabei sind an die jeweiligen Akte immer Zeremonien und Rituale gebunden, die von den Hunnen strengstens eingehalten werden.

Für die Siegburger Hunnen ist der Kontakt zu Gleichgesinnten wichtig. Außer ihnen gibt es noch einige Hunnenhorden im Rheinland, jede mit einem eigenen jährlichen Lager. Über die Jahre habe sich das Lager jedoch verändert. „Die Abläufe sind eingespielter und routinierter geworden“, schildert Unterberg, der jedes Jahr aufs Neue versucht, die Organisation und den Aufbau des Lagers zu vereinfachen.

Dass trotzdem immer Unvorhergesehenes passieren kann, erzählt  Astrid Torsy: „Bei einem Hunnenlager im Mai hat es mal fürchterlich geregnet. Das Wetter war schrecklich, und unser Königszelt wurde richtig nass. Zum Abbau wurde es nicht richtig trocken und so fing es im Lager an zu schimmeln.“ Inzwischen haben die Hunnen ein neues Zelt. Das alte wurde jedoch nicht entsorgt, sondern zu einer Kutschenplane umgewandelt.

Für Torsy und Unterberg bedeutet der Verein vor allem Zusammenhalt und Spaß. Sie seien wie eine große Familie und füreinander da. Daher traf die Pandemie die Horde schwer. „Wir haben eigentlich das ganze Jahr über Programm und immer Kontakt. Durch die Pandemie haben wir uns ein Jahr nicht richtig treffen können und auch die Lager absagen müssen“, so Torsy.

Für das Jubiläumsjahr hatte Jörg Unterberg als König Attila bereits viele Ideen. Zum Prinzenfrühstück sollten alle Prinzen der vergangenen 20 Jahre ihr eigenes von den Hunnen angefertigtes Gästebuch mitbringen. Einer der Hunnen kreiert für jeden Prinzen ein neues Buch, das an die Session erinnert. „Es wäre schon toll, die ganzen Bücher wieder vor sich liegen zu sehen und die Einträge darin zu bestaunen“, so Unterberg. Bis es soweit ist, werden aber noch mehrere Monate ins Land gehen und bis dahin planen die Hunnen weiter ihr nächstes Hunnenlager in der Hoffnung, dass es nach zwei Jahren im Mai endlich wieder stattfinden kann.