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Seehofer und Laschet besuchen Steinbachtalsperre: Aufatmen an der Staumauer

Seehofer und Laschet besuchen Steinbachtalsperre : Aufatmen an der Staumauer

Nach fünf Tagen im Ausnahmezustand gibt die Bezirksregierung Entwarnung für die Steinbachtalsperre. Während die Re-Evakuierung anläuft, treten Bundesinnenminister Seehofer und Ministerpräsident Laschet auf die Dammmauer.

Die Talsperre ist sicher. Zu dieser Einschätzung ist die Bezirksregierung Köln am Montagmorgen infolge einer Prüfung durch Techniker und Ingenieure gelangt. Die Erleichterung über die Entwarnung an der beschädigten Steinbachtalsperre war nicht nur den Behörden anzumerken, auch die Einsatzkräfte vor Ort atmeten auf. Diesen kostbaren Moment der Freude kosteten Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) kurz darauf bei einer Stippvisite an der Staumauer aus.

Seehofer bezeichnete die Unwetter-Katastrophe als „unfassbare Tragödie“. Unter dramatischen Umständen habe sie jedoch aufgezeigt, „dass die Menschen in einer solch schweren Stunde zusammenstehen. Und, dass die Helfereinheiten, der Katastrophen- und Bevölkerungsschutz, eine erstklassige Leistung vollbringen“.

Seehofer lobt Einsatzkräfte

Mit einem Plädoyer verteidigte Seehofer deren dezentrale Organisation. Er selbst habe sich erst jüngst, gemeinsam mit seinen Amtskollegen aus den 16 Bundesländern, im Rahmen der Innenministerkonferenz erneut für die föderale Organisation eingesetzt. Für Seehofer steht angesichts der vor Ort eingesetzten 2700 Kräfte des Technischen Hilfswerks (THW) sowie weiteren 800 Bundespolizisten fest: „Das hätte eine zentrale Organisation nicht leisten können.“ 

Schon am Mittwoch soll das Bundeskabinett über zügige Hilfen für die von der Hochwasser-Katastrophe Betroffenen beraten. Vorgestellt werden Seehofer zufolge Konzepte für eine mögliche Soforthilfe für Einzelne, die Wiederherstellung der Infrastruktur sowie die Wiederaufbauhilfe für Kommunen. „Das wird erfahrungsgemäß in die Milliarden gehen“, so der Innenminister. Detailfragen solle dann die nächste Ministerpräsidentenrunde klären. „Die Menschen können sich darauf verlassen, dass wir nicht nur darüber reden, sondern die Dinge auch zügig realisieren.“ 

Bei Laschet überwog vor Ort die Freude über den Erfolg am Staubecken. „Die enge Zusammenarbeit des THW, der Feuerwehr, der beiden Kreise und der Bundeswehr hat es ermöglicht, dass der Dammbruch mit seinen Konsequenzen für mehr als 10.000 Menschen, die unmittelbar hier leben, vermieden werden konnte“, sagte Laschet.

Riskanter Bagger-Einsatz am Damm

Auch den Wagemut des Baggerfahrers, der den blockierten Hauptablass des Beckens freigeschaufelt hatte, würdigte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident bei dieser Gelegenheit. Die Freilegung des Abflusses sei eine „lebensgefährliche Aufgabe, zu der sich ein 70-jähriger Unternehmer aus der Region bereit erklärt hat“, so Laschet.

Auch Euskirchens Landrat Markus Ramers stand die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. „Mir fallen Steine vom Herzen. Kein Wunder, denn ein möglicher Dammbruch hätte verheerende Folgen gehabt nach der Katastrophe, die wir hier ohnehin schon haben.“ Stattdessen sei der „Damm nun sicher“ und es beginne die Rückführung der Evakuierten in ihre Ortschaften.

Dass nach der Entwarnung an der Talsperre auch die Evakuierung Teilen Rheinbachs und Swisttals aufgehoben werden konnte, war auch für Sebastian Schuster, Landrat des Rhein-Sieg-Kreises, ein Segen: „Dafür danken wir den Einsatzkräften vor Ort. Nicht auszudenken, wäre der Damm gebrochen. Dann hätte sich eine unvorstellbare Flutwelle über uns ergossen und möglicherweise viele Menschen das Leben gekostet.“ 

Schwarz: „Der Damm ist Stabil“

Um dieses Szenario abzuwenden, war unter anderem Daniel Schwarz mit seinem Team von der Feuerwehr Euskirchen im Dauereinsatz. „Gemeinsam mit anderen Einsatzkräften ist es uns gelungen, den Pegel des Wasserbeckens kontinuierlich zu senken. Jetzt sind wir bei einer Marke, bei der wir sagen können: Der Damm ist stabil“, sagte der Feuerwehr-Sprecher.

Schwarz hat etliche Gründe für den Erfolg der Mission ausgemacht. „Wir haben fähige Ingenieure und Techniker vor Ort gehabt und den Damm rund um die Uhr vermessen und beobachtet.“ Auch die Pumpenleistung war laut Schwarz nahezu jederzeit abrufbar gewesen. „Diese Kombination sorgt nach fünf harten Tagen dafür, dass wir etwas wirklich Großartiges haben schaffen können.“

Becken soll leer gepumpt werden

Für Marc Lohmeyer ist die Arbeit noch nicht vorbei. „Auch wir sind enorm erleichtert. Aber wir pumpen immer weiter ab, auch wenn die Situation nicht mehr derart kritisch eingestuft wird“, sagte der Einsatzleiter des Euskirchener THW. Wie lange noch Wasser aus der Talsperre abgeführt werden muss, konnte er nicht sagen. Sicher sei lediglich, dass es trotz zusätzlicher Pumpenaggregate fortan langsamer weicht. Lohmeyer: „Der Grundablass leitet weniger Wasser ab, weil der Druck im Becken sinkt. Außerdem verringert eine größere Ansaughöhe die Pumpenkapazität.“

Zudem hätten sich die Zielvorgaben verändert. Denn: „Das Becken soll nun bis auf den Grund leer gepumpt werden. Anschließend werden die Schäden an der Staumauer genau begutachtet“, sagte Feuerwehr-Sprecher Schwarz. Ursprünglich war lediglich das Ablassen von zwei Dritteln des Gesamtvolumens der Talsperre, also von gut einer Million Kubikmetern Wasser, vorgesehen.

Die Bilanz des Kriseneinsatzes an der Steinbachtalsperre fiel für Lohmeyer trotz einiger kritischer Momente positiv aus. Lediglich die Kommunikationsmöglichkeiten ließen zumeist zu wünschen übrig. An dieser Infrastruktur sei zu arbeiten, damit Kommunikation immer und überall möglich ist. Lohmeyer: „Aber besonders wichtig ist es, dass Einheiten aus der Feuerwehr nahtlos mit dem THW, der Kreis mühelos mit den Kommunen sowie zivile ohne Weiteres mit militärischen Organisationen zusammenarbeiten. Das hat sich in diesem Fall sich ausgezahlt.“