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BBL-Saisonauftakt in Berlin: Telekom Baskets Bonn schnuppern am Sieg

BBL-Saisonauftakt in Berlin : Telekom Baskets Bonn schnuppern am Sieg

Die Bonner Telekom Baskets unterliegen Alba Berlin mit 89:96, beweisen nach hohem Rückstand aber Moral.

Es sah nicht danach aus, als habe Predrag Krunic lange gebraucht, um sich an seine neue, alte Aufgabe als Chefcoach der Telekom Baskets Bonn zu gewöhnen. Beim ersten Saisonspiel gegen Alba Berlin war er ganz in seinem Element, tigerte an der Seitenlinie entlang, feuerte seine Spieler an und haderte auch mit den Schiedsrichtern. Die Tatsache, dass man dem Rivalen aus Berlin zum Saisonauftakt in der Basketball-Bundesliga am Ende mit 89:96 (18:31, 19:17, 29:23, 23:25) unterlag, war jedoch nicht etwa der Leistung des Referees, sondern einem nervösen ersten Viertel, einer ausbaufähigen Freiwurfquote und vielen einfachen Fehlern in der Defense und in der Vorwärtsbewegung geschuldet.

Krunic sah aber auch viel Positives: „Das Team hat eine starke kämpferische Leistung gezeigt, besonders im dritten Viertel haben wir sehr gut gespielt“, befand der Bosnier. Im besagten dritten Viertel sah es kurzzeitig tatsächlich danach aus, als kippe das Spiel zu Gunsten der Gäste. Nachdem es aus Bonner Sicht zwischenzeitlich 31:48 und zur Halbzeit 37:48 gestanden hatte, drehte das Team angefeuert von Krunic und knapp 400 mit dem Sonderzug angereisten Fans auf und ging sogar mit 51:50 in Führung. „Zu diesem Zeitpunkt hatten wir eine gute Chance zu gewinnen, aber in dieser entscheidenden Phase haben wir unsere Vorteile nicht genutzt und ein paar einfache Punkte nicht gemacht“, analysierte Krunic. In der Folge bekamen die Berliner das Spiel wieder besser in den Griff und hielten die Bonner auf Distanz.

Dass die Baskets nach einem katastrophalen ersten Viertel, das ohne erkennbare Ordnung in der Defense stark an die Spiele der vergangenen Saison erinnerte, überhaupt wieder zurück ins Spiel gefunden haben, lag sicherlich auch an der Halbzeitansprache von Krunic, der sein Team auch während des Spiels immer wieder wachrüttelte und seinen Schützlingen taktische Anweisungen mit auf den Weg gab. In einer Szene rannte er mit weit aufgerissenen Augen auf den auf der Bank sitzenden und in Berlin glücklos agierenden Julian Gamble zu, der seinen Trainer daraufhin sichtlich erschrocken ansah. Dabei wollte Krunic seinem Spieler nur ein paar letzte Instruktionen vor dessen Einwechslung mit auf den Weg geben.

Die tolle Unterstützung der Fans tat ihr Übriges, dass die Baskets kämpferisch nichts schuldig blieben. Die Sonderzug-Aktion hinterließ bei einigen Spielern einen bleibenden Eindruck. „So etwas habe ich in meiner sportlichen Karriere noch nicht erlebt, die Bonner waren lauter als die Berliner“, berichtete Konstantin Klein überwältigt. Und: „Wir hätten die Fans gerne mit einem Sieg beschenkt, leider hat es diesmal nicht gereicht.“

Die Spieler wissen, was die Fans von ihnen erwarten. „Man hat gesehen, dass wir eine kämpfende Mannschaft sind. Das ist das Allerwichtigste. Jetzt gilt es, dauerhaft eine solche Identität zu entwickeln“, sagte Johannes Richter. Dass es in Berlin noch nicht zu einem Sieg gereicht habe, sei vermutlich der mangelnden Erfahrung geschuldet. Möglicherweise war das Team nach dem plötzlichen Ausscheiden ihres bisherigen Trainers Silvano Poropat auch einfach geschockt. Zumindest war im ersten Viertel eine Verunsicherung zu spüren. Ganz spurlos geht die Situation aber auch an seinem Nachfolger nicht vorbei.

„Es ist traurig, was mit Silvano passiert ist. Er hat einen guten Job gemacht und viel Kraft in das Team investiert. Aber so ist das Leben. Manchmal ist es brutal. Wir müssen jetzt nach vorne gucken und weiterarbeiten“, so Krunic. Bislang hatte er dafür nur wenig Zeit. Vor dem ersten Heimspiel gegen die Fraport Skyliners am Freitag (19 Uhr, Telekom Dome) bleiben ihm für die Vorbereitung vier Tage. „Jetzt gilt es, an taktischen und mentalen Sachen zu arbeiten. Wir werden diese Zeit nutzen, um uns gegenseitig kennenzulernen“, so Krunic.