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Jugendzeltplatz an der Venner Straße: Begehrtes Fleckchen am Wald

Jugendzeltplatz an der Venner Straße : Begehrtes Fleckchen am Wald

"Muss noch jemand auf Toilette? Habt ihr eine lange Hose an? Seid ihr eingecremt? Und ist genug zu trinken in eurem Rucksack?", ruft Chris Parzych in die Runde. Am zweiten Tag des Zeltlagers auf dem Jugendzeltplatz an der Venner Straße gibt es keine Diskussionen mehr mit dem Betreuer.

Mit der Pfingsthitze haben sich die Kinder und Jugendlichen einer katholischen Kirchengemeinde aus Köln abgefunden, die lange Hose schützt gut vor spitzen Ästen, Brennnesseln und Zecken im Kottenforst. Das wissen sie seit der Nachtwanderung.

"Die ist ein Klassiker", sagt Romana Parzych. Die Gruppe aus 30 Kindern zwischen sechs und 15 Jahren, zehn Betreuern und drei Köchen ist das erste Mal auf dem Zeltplatz in Bad Godesberg. Seit Langem fährt die Kirchengemeinde ins Pfingstlager, immer zu anderen Orten.

Wichtige Kriterien sei die Nähe zu Köln, ein nahe gelegener Wald und gute sanitäre Einrichtungen. "Deshalb gucken wir uns die Plätze vorher genau an", so Parzych. In Godesberg stimmte alles. Und sogar die Wiese war einigermaßen gerade, was das Aufstellen der Zelte erleichterte.

Dass der Jugendzeltplatz, den es seit mehr als 20 Jahren gibt, in Schuss bleibt, ist Aufgabe von Jürgen Herrmann. Er lebt in dem großen Backstein-Gutshof nebenan und ist schon zwölf Jahre rund um die Uhr für die Gäste da.

An diesem Pfingstwochenende waren es gleich zwei Gruppen mit insgesamt knapp 100 Leuten. Die Kirchengemeinde teilte sich den Zeltplatz, der in vier Parzellen eingeteilt ist, mit Pfadfindern.

In die Quere kommt sich niemand: Es gibt eine Außenküche und eine im Innern mit Saal, ein großes Sonnensegel und eine Hütte für Lagerfeuer. Wer nicht zelten möchte, kann auch in die Schlafräume mit Hochbetten gehen. Damit nicht zu viel Müll liegenbleibt, gehen zwischendurch selbst bestimmte Aufräum-Paare über das Gelände.

Den mit Abstand größten Abfall machen die Überreste von Holzschnitzereien aus. Die eignen sich aber wiederum gut, um das Feuer anzuzünden. "Manchmal muss ich Starthilfe geben, einige Gruppen kennen sich in der Natur überhaupt nicht aus", sagt Herrmann. Dann zeigt er, wie Feuer gemacht wird und die Zelte einen festen Stand bekommen.

Für Schulklassen hat der Pädagoge eigene Programme entwickelt, die mehrere Tage dauern. Momentan kann er sich nicht um alles kümmern, weil er alleine auf dem Hof arbeitet. "Früher hatten wir Zivis hier, heute muss ich erst lange Anträge stellen, um jemanden vom Bundesfreiwilligendienst zu bekommen", erzählt er. Hinzu kommt noch die lange Wartezeit: Erst im September stehen wieder Helfer zur Verfügung. Bis dahin unterstützen ihn Ehemalige.

Die beiden Pfingst-Gruppen hätten aber wenig Arbeit gemacht. Die Pfadfinder waren viel im Wald unterwegs und gingen am Sonntag ins Freibad. Das Programm der Kirchengemeinde war so ausfüllend, dass die Kinder am Abend müde auf die Luftmatratze fielen: Eine Stadtrallye durch Godesberg und eine Nachtwanderung, am nächsten Tag das Spiel "Capture the flag". Alles unter dem Motto "Fantasy".

Deshalb rannten Elben, Waldläufer, Dämonenjäger und Magier durch die Büsche. "Nach dem vielen Laufen tun richtig die Füße weh", sagte der elfjährige Michele. Trotzdem war er gerne an der Luft, Fernseher, Computer und Handy vermisste er nicht. "Hier gibt es so viele andere Sachen, die man machen kann."

Auch Jürgen Herrmann sagt aus Erfahrung: "Hier kommt nie Langeweile auf." Er findet, dass der Zeltplatz vor allem für die städtische Jugend immer wichtiger werde, um die Natur zu erleben. Deshalb hält er die Kosten so gering wie möglich.

Den daraus resultierenden Preis von vier Euro pro Person und Nacht gibt es sonst nirgends. Das merkt man an den Reservierungen. Freie Wochenenden gibt es erst wieder im Oktober, unter der Woche sind nach den Sommerferien wieder Plätze frei.