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Alternative zur Kirmes​ - Dorffest in Lengsdorf ist eine gelungene Übergangslösung​

Alternative zur Kirmes : Dorffest in Lengsdorf ist eine gelungene Übergangslösung

Das Lengsdorfer Dorffest kam bei den Besuchern am Wochenende gut an. Fürs nächste Jahr plant der Ortsfestausschuss wieder eine Kirmes auf dem Dorfplatz – und äußerte Kritik an den neuesten Entwicklungen im Dorf.

Für eine Übergangslösung war das Lengsdorfer Dorffest ein Erfolg. Zum Frühschoppen am Sonntag beim Bürger- und Vereinshaus, den der Trägerverein organisiert hatte, kamen erfreulich viele Leute, sodass Bernd Weber vom Vorstand zufrieden war. Willi Bellinghausen spielte, die KG Teddybären schminkte den Nachwuchs und der Zacheies guckte sich das alles ganz entspannt an. Er entging an dem Tag einer Verurteilung, weil er – nach offizieller Begründung – einen Antrag auf Begnadigung beim Europäischen Gerichtshof gestellt hatte. Außerdem wäre ein Scheiterhaufen auf dem Vorplatz wohl ein zu großes Sicherheitsrisiko gewesen.

Das Fest hatte mit dem Fassanstich am Eingang des Heimatmuseums durch Bezirksbürgermeister Christian Trützler begonnen, der am Freitag richtig anmerkte: „Das Dorffest ist die Kirmes.“ Es sei alles da, um das Patrozinium von Petrus in den Ketten an diesem Wochenende zu feiern, wie es früher gemacht wurde, bevor es Fahrgeschäfte gab. Er lud zu Miteinander und Austausch ein, und dafür waren viele Lengsdorfer und einige Gäste aus anderen Stadtteilen auf dem Museumsvorplatz gekommen. Sogar eine Wurf- und eine Imbussbude waren dort aufgestellt worden, also doch ein Hauch von Kirmes.

Und das, obwohl die Lengsdorfer Hauptstraße vor dem Dorffest gesperrt wurde, weil für die Bauarbeiten an dem großen Gebäude, das dort neu entsteht, der Platz gebraucht wird. Das komme dabei heraus, „wenn im Stadthaus die linke Hand nicht weiß, was die rechte tut“, sagte der Ortsfestausschussvorsitzende Christoph Schada bei seiner Begrüßung. Das wäre doch etwas, für das man den Zacheies zur Rechenschaft ziehen könnte, der am Freitagabend ebenfalls vorgestellt wurde. Der war schon für die Kirmes 2020 entstanden, die ja ausfallen musste – auch an Corona könnte man ihm die Schuld geben.

Gruppe Knallhaade entführt den Zacheies

Schuld trage er auf jeden Fall am geräumigen Ausbau der Lingsgasse: „Das ist jetzt eine Rennbahn.“ Und an der Neugestaltung des Edeka-Marktes: früher hell, jetzt dunkel, und man finde nichts mehr wieder. Und dieses riesige neue Wohngebäude an der Lengsdorfer Hauptstraße? Gegen Wohnungsbau habe er nichts, so Schada, aber in diesen Dimensionen könne das nur das Werk des Zacheies gewesen sein. Eins blieb wie gewohnt: Irgendwann war er weg, einige weibliche Mitglieder der Gruppe Knallhaade hatten ihn sich geschnappt und lösten ihn am Sonntag bei Schada ein. „Für den Nachwuchs ist es wichtig, das Brauchtum zu pflegen“, erklärte Anke Boehnert, auch Mitglied bei den Knallhaaden.

Sie war am Samstag beim Köttzug durch den Ort dabei, auch der war nach ihrer Ansicht ein guter Erfolg. Jetzt beginnen die Planungen für das kommende Jahr. So viel weiß man schon: Es soll eine Kirmes auf dem Dorfplatz mit kleineren Fahrgeschäften werden. Dann werde die Kirmes künftig alle zwei Jahre im Wechsel mit dem Weinfest durchgeführt. Ein anderer Platz komme, wenn die Straße Am Mühlenbach wegen der bürokratischen Hürden bei der Vorbereitung und der für die Schausteller oft schwachen Einnahmen ausfällt, nicht infrage. Der Park an der Kreuzbergschule? Zu weit bergauf. Irgendeine andere größere Fläche? Man wolle ja mit der Kirmes schon im Ortszentrum bleiben, sagte der OFA-Vorsitzende, der sich jetzt aber erst mal auf die Weinfestvorbereitungen konzentrieren möchte.