Testphase in Duisdorf So werden Bonns einzige Pfandringe angenommen

Duisdorf · Seit Dezember hängen in Bonn an Mülleimern Pfandringe, in denen Passanten Flaschen abstellen können. Pfandsammler müssen nun nicht mehr im Müll wühlen. Wie wurden die Pfandringe angenommen und welche Erfahrungen haben andere Städte damit gemacht?

 So werden Bonns einzige Pfandringe angenommen

So werden Bonns einzige Pfandringe angenommen

Foto: Benjamin Westhoff

Ein halbes Jahr hängen sie nun schon in Duisdorf: Anfang Dezember des vergangenen Jahres hatte Bonnorange an 14 Mülleimern sogenannte Pfandringe angebracht, nachdem sich die Bezirksvertretung Hardtberg einstimmig dafür ausgesprochen hatte. Das Pilotprojekt kostet laut Bonnorange circa 5500 Euro, läuft für zwei Jahre und soll dann bewertet werden. Die Idee hinter den Ringen ist simpel: Passanten können ihre Pfandflaschen darin abstellen, Pfandsammler können sie einfach herausnehmen und abgeben. Wie gut funktioniert das in Duisdorf?

Eine Idee aus Köln

Die Idee für die Ringe stammt vom Kölner Produktdesigner Paul Ketz. Er wollte, dass Bedürftige nicht länger im Müll nach Pfandflaschen wühlen müssen. Noch im selben Jahr wurde er dafür mit dem Bundespreis „Ecodesign“ ausgezeichnet. „Mit dem Pfandring wird die sonst weggeworfene Flasche zum Geschenk – für die, die es wirklich brauchen“, fand die Jury.

Laut Bonnorange kostet es 290 Euro, einen Pfandring anzuschaffen und zu montieren. „Mit den Pfandringen machen wir darauf aufmerksam, dass es bedürftige Menschen gibt, und wünschen uns, dass die Bürger und Bürgerinnen die Halterungen als soziales Angebot und Ansatz von Fürsorglichkeit gegenüber Bedürftigen sehen“, kommentierte Bezirksbürgermeister Christian Trützler die Aktion im Dezember.

Sebastian Jendrek ist Streetworker beim Verein für Gefährdetenhilfe, der Wohnungslose, Erwerbslose und Suchtkranke unterstützt. Er berichtet von zwei Männern, die die Einrichtung des Vereins in der Quantiusstraße besuchen und regelmäßig Flaschen sammeln. „Die beiden finden die Pfandringe sehr gut und wünschen sich mehr davon in der Stadt“, sagt Jendrek. „Sie haben mir gesagt, sie haben keine Lust, im Müll zu wühlen, dabei fiel auch das Wort ‚menschenunwürdig‘.“

Immer ein paar Flaschen drin

Dominik Loosen, der für die SPD in der Bezirksvertretung sitzt, sagt: „Die Pfandringe haben sich bewährt. Ich habe beobachtet, dass sie nicht vollgepackt sind, aber immer ein paar Flaschen drinstehen.“ Dabei sei zu bedenken, dass wegen Corona immer noch weniger los sei – etwa was Veranstaltungen angehe. Die steigenden Temperaturen würden sicher auch dazu führen, dass demnächst mehr Menschen draußen unterwegs sind und die Ringe nutzen.

Der Sommer könnte für mehr Pfand in den Ringen sorgen

Auch Jutta Brodhäcker (Grüne) hat beobachtet, dass öfter mal Flaschen in den Ringen stehen. Wie Loosen glaubt sie, dass der Sommer dafür sorgen wird, dass mehr Leute im Stadtbezirk unterwegs sind und ihre Flaschen abstellen werden. „Aber ein Zeichen für Erfolg ist es ja eigentlich, wenn sie leer sind“, sagt sie. Denn dann kämen die Flaschen bei den Leuten an, für die sie bestimmt sind.

Bert Moll (CDU) sagt, ihm sei bisher nicht aufgefallen, dass die Ringe besonders oft in Anspruch genommen werden. „Aber die Idee ist gut“, sagt er. Was es brauche, sei etwas mehr Information für die Menschen – etwa durch Aufkleber auf den Ringen oder Mülleimern – oder in Geschäften, die Getränke verkaufen. „Viele Leute wissen nicht, was es mit den Ringen auf sich hat“, sagt Moll.

In vielen Städten hängen die Pfandringe schon seit einigen Jahren. Die Erfahrungen damit sind unterschiedlich. In Düsseldorf etwa kam die Stadt 2019 zu der Ansicht, die Ringe hätten sich bewährt. Nach einem einjährigen Pilotprojekt wählte sie weitere Standorte aus. Zunächst hingen 24 Pfandringe an frequentierten Stellen in der City und in Vierteln in der Nähe der Innenstadt. Die 18 Pfandringe, die dann dazu kamen, installierte die Stadt weitere außerhalb des Stadtzentrums.

Den Erfolg der Pfandringe festzustellen, sei so eine Sache, sagt Jörn Denhard, Pressesprecher von USB Bochum. Das kommunale Abfallunternehmen hatte vor circa zwei Jahren 20 Ringe im Stadtbezirk auf Beschluss der Bezirksvertretung angebracht. „Ist es jetzt ein Erfolg, wenn sie voll sind oder wenn sie leer sind?“, fragt Denhard. Mitarbeiter hätten regelmäßig geschaut, ob Flaschen in den Ringen sind, hätten aber selten welche gefunden. „Ist das jetzt, weil niemand welche reinstellt, oder die Leute, die gemeint sind, sich die Flaschen nehmen?“, fragt der Pressesprecher.

Probleme in Köln, kaum welche in Bonn

Auch in Köln hatten die Abfallbetriebe die Pfandringe getestet – und waren nicht überzeugt. Die Metallringe seien oft mit anderem Müll zugestopft und sähen schnell schmuddelig aus. Ein weiteres Argument gegen die Ringe war, dass die Leerung laut der Abfallbetriebe durch die Ringe 30 Prozent länger dauerte.

Bonnorange hat nach den ersten sechs Monaten des Tests kaum Probleme festgestellt. „Es gibt erfreulicherweise keinen Vandalismus und auch keine Verschmutzung“, sagt Pressesprecher Jérôme Lefèvre. In den Ringen würden die Mitarbeiter von Bonnorange keinen Müll finden oder Flaschen, auf denen kein Pfand ist, allerdings auch eher selten Pfandflaschen. Bei der Leerung der Mülleimer gibt es laut Lefèvre durch die Ringe keine Probleme, das Unternehmen hat sie nur an solchen Behältern angebracht, die von oben geleert werden können, sodass die Ringe dabei nicht stören. Nun will das Unternehmen den Sommer abwarten. Lefèvre sagt: „Danach werden wir deutlich mehr wissen.“