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Stadt entfernt Pflanzen: Beete an Bonner Elisabethkirche plötzlich kahl

Stadt entfernt Pflanzen : Beete an Bonner Elisabethkirche plötzlich kahl

Normalerweise blühten in den Beeten vor der Elisabethkirche in der Südstadt bunte Blumen. Jetzt ist da nur noch karge Erde. Die Stadt will die Beete insektenfreundlicher gestalten. Aber wieso mussten alle Pflanzen dafür entfernt werden?

Eine Passantin entdeckte die leeren Beete vor der Elisabethkirche in der Südstadt im Januar beim Gassi gehen. Sie habe mit „blankem Entsetzen die Verwüstung“ gesehen. „Hat das Grünflächenamt zu viel Geld? Wie kann man im Winter so unökologisch handeln?“, fragte sie auf Twitter in Richtung der Stadt.

„Von Verwüstung kann keine Rede sein, denn zum Zeitpunkt der Arbeiten waren fast alle Stauden eingezogen beziehungsweise die Stängel abgestorben und die Rosen ohne Laub“, erwidert Isabel Klotz vom Presseamt. Außerdem seien nicht alle Pflanzen im Müll gelandet: „Die Rosen, welche eine Spende waren, wurden entnommen und fachgerecht eingelagert. Sie werden in der Pflanzperiode wieder eingesetzt“, so Klotz. Das Beet solle darüber hinaus insektenfreundlicher werden. Damit die Staudenmischpflanzung langfristig gedeiht, müsse der Boden aber erst einmal gegen magere Erde mit höherem Sandanteil ausgetauscht werden.

Was sind bienenfreundliche Pflanzen?

„Häufig sind gerade Wildbienen auf einen speziellen Typus an Blüte oder gar auf eine einzige Pflanze spezialisiert und können daher mit anderen Pflanzen nichts anfangen. Dies gilt zum Beispiel für die Glockenblumen-Scherenbiene“, erklärt Klotz. Und die Mohn-Mauerbiene kleide ihr Erdnest zum Beispiel mit roten Klatschmohnblättern aus. Aktuell arbeitet das Amt für Umwelt und Stadtgrün nach eigenen Angaben an zwei Bonner Mischungen, die möglichst vielen Spezialisten gerecht werden, schön aussehen und den extremen Bedingungen in der Stadt gerecht werden sollen. Das Amt will in diesem Jahr dafür auf dem Alten Friedhof Testfelder anlegen.

„Was unser Auge freut, ist für Insekten manchmal nicht interessant“, bestätigt Christian Chmela, Leiter der Biologischen Station Bonn/Rhein-Erft. Es gelte der Leitsatz: Je heimischer die Blumen, desto besser. „Unsere heimischen Wildbienen und Insekten sind an das Spektrum unserer Pflanzen angepasst.“ Außerdem sollten die Blumen nicht züchterisch verändert sein. Viele Züchtungen hätten mehr Blütenblätter zu Lasten der Pollen. „Das sieht toll aus, aber bietet keinen Nektar“, so Chmela. Die Forsythie, ein Strauch voller gelber Blüten, habe für Bienen nicht viel zu bieten. „Da geht kein Insekt dran.“ Die Biologische Station habe der Stadt schon oft Tipps gegeben. Um Bienen einen Gefallen zu tun, empfiehlt Chmela regionales Wildpflanzengut. Das gibt es bisher leider nur in großen Mengen zu kaufen.

Im November startete die Stadt ein Pilotprojekt in der Heussallee. Unter den Platanen wurde eine Wildblumenmischung ausgesät. „Die Flächen unter alten Bestandsbäumen sind besonders schwierig zu begrünen, weil sie sehr schattig und trocken sind“, sagt Klotz. Das Grünflächenamt werde die Flächen im Laufe des Jahres beobachten und dokumentieren, welche Pflanzen wachsen. Mit einer verbesserten Saatgutmischung sollen dann weitere vergleichbare Standorte begrünt werden.