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Bonn: Wie Bonn und die Region an Schulen gegen Extremismus vorgehen wollen

Schulprojekt gegen Extremismus : Wie Bonn an Schulen gegen Extremismus vorgeht

Oberbürgermeisterin Katja Dörner bezeichnet die Pandemie auch als Brandbeschleuniger für Extremismus. Die Stadt Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis haben in der Krise ein gemeinsames Projekt zur Extremismusprävention und Demokratieförderung gestartet.

Das Thema Extremismus und Demokratieverständnis ist nicht erst seit der Pandemie ein großes Thema an Schulen. Obgleich Verschwörungstheorien und Co. sich mit Corona vermehrt auch unter Schüler und Schülerinnen verbreiten, wie Lehrer berichten. Wie können Schulen bei der Herausforderung, Demokratie zu lehren, zu pflegen und zu fördern, noch besser unterstützt werden? Und wie kann es gelingen, Diskriminierung, Rassismus und Radikalisierungsprozessen unter Schülerinnen und Schülern vorzubeugen?

Die Stadt Bonn und der Rhein-Sieg-Kreis haben dazu das neue Angebot „Systemberatung Extremismusprävention und Demokratieförderung“ gemeinsam aus der Taufe gehoben. Ein Angebot, das die Stadt und der Kreis so hoch ansiedeln, dass sich Bonns Oberbürgermeisterin Katja Dörner (Grüne) und Rhein-Sieg-Landrat Sebastian Schuster (CDU) nicht nehmen ließen, mit den Leitern der Schulpsychologischen Dienste in Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis, Johannes Bendszus und Alexander Elwert, darüber in einer Pressekonferenz am Freitag per Video zu berichten.

Zwei Lehrerinnen hat das Land abgeordnet

Seit November stehen die beiden dafür vom Land NRW abgeordneten Lehrerinnen Marina von Heesen (Rhein-Sieg-Kreis) und Katrin Klingmann (Bonn) in den Räumen des Bonner Schulpsychologischen Dienst in Tannenbusch an der Oppelner Straße bereit, die rund 300 Schulen in der Stadt und im Kreis bei der Präventionsarbeit und Demokratieförderung mit Rat und Tat zu unterstützen. Eine dritte Stelle soll noch besetzt werden.

Ein Teil der Arbeit besteht aus Fortbildungen für Lehrerinnen und Lehrern und Referendare, etwa über Workshops. „Die Nachfrage ist hoch“, berichtete Klingmann. „Es wenden sich immer mehr Lehrkräfte an uns, die zum Beispiel von ihren Schülern mit Verschwörungstheorien konfrontiert werden und darüber irritiert sind.“ Auch wenn angesichts der mehr als 50.000 Schüler in Bonn und nochmals gut 75.000 im Rhein-Sieg-Kreis zwei beziehungsweise demnächst dann drei Vollzeitstellen für diese Aufgabe keine üppige Besetzung sind: „Wir sehen das als einen guten Anfang“, sagte Elwert, der diese Kooperation als „einzigartig“ in NRW ansieht.

Angebote unterliegen der Schweigepflicht

Bendszus erinnerte zudem an die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen, die mit derselben Intention unterwegs sind, wie etwa die Stabstelle Integration der Stadt Bonn mit ihrem Programm „Wegweiser“ als Teil der Präventionsarbeit gegen die Ideologie des extremistischen Salafismus‘ oder auch entsprechende Abteilungen der Polizei. Letztere kommt vor allem bei strafrechtlicher Relevanz ins Spiel.

Psychologe Bendszus verwies allerdings darauf, dass die Angebote der Schulpsychologischen Dienste freiwillig und alle der Neutralität verpflichtet seien sowie der Schweigepflicht unterlägen.

Die Pandemie sei in puncto Extremismus vor allem von rechts eindeutig ein Brandbeschleuniger, hat Dörner festgestellt. „Demokratische Werte sind nicht verhandelbar“. Für Schuster ist die Extremismusprävention gegen „Rechte wie Linke“ und die Demokratieförderung eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Er begrüße, dass es auch dazu nun eine interkommunale Zusammenarbeit gebe.