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Corona-Krise in Bonn: Pandemie ließ Fußgänger- und Straßenverkehr einbrechen

Bilanz für das Jahr 2020 : Corona ließ Fußgänger- und Straßenverkehr in Bonn einbrechen

Corona hat im Jahr 2020 dafür gesorgt, dass viele Menschen Zuhause geblieben sind. Wie stark hat Corona die Menschen in ihrer Mobilität eingeschränkt? Der Rückblick zeigt, dass es große Unterschiede gab – bei den Verkehrsmitteln und auch zwischen Frühjahr und Herbst.

Das Jahr 2020 und insbesondere der erste Lockdown im März bleiben in Erinnerung als eine Zeit der menschenleeren Straßen, auch in Bonn. Seit November leben die Menschen in einem zweiten Lockdown, der im Dezember noch verschärft wurde. Home Office, geschlossene Geschäfte und kaum Freizeitmöglichkeiten führten zu einem drastischen Rückgang der Fußgänger- und Autofahrerzahlen. Etwas anders sah es bei den Radfahrern aus. Ein Rückblick.

Geschlossene Geschäfte, leere Innenstadt

Der Anbieter Hystreet misst die Passantenfrequenz in Bonn an drei Zählstellen: Diese erfassten im Jahr 2020 insgesamt knapp mehr als 22 Millionen Fußgänger in der Innenstadt. Im Jahr 2019 waren es noch fast 31 Millionen Fußgängern und damit rund neun Millionen Passanten weniger. Dies entspricht einem Rückgang von 29 Prozent. Allerdings ist dies wohl vornehmlich auf die Zeit des ersten „Lockdowns“ im März zurückzuführen. Das wird deutlich, wenn man die Daten aus diesem Zeitraum mit denen des so genannten „Lockdown light“ von November bis Mitte Dezember vergleicht. So waren in der Poststraße – einer der Zählpunkte von Hystreet – in der zweiten Woche des März-Lockdowns rund 50.400 Fußgänger unterwegs, in der zweiten Woche des „Lockdown light“ 153.300 Menschen.

Erklären lässt sich der Unterschied auch dadurch, dass im ersten Lockdown im März die meisten Geschäfte des Einzelhandes schließen mussten. Zu Beginn des zweiten Lockdowns blieben die Geschäfte zunächst offen.

Nachdem die Maßnahmen im Dezember erneut verschärft wurden, wurden in der Poststraße in der darauffolgenden Woche etwa 46.300 Passanten gezählt. Dies entspricht einem Rückgang von 77 Prozent im Vergleich zum Vorjahr: Hier lag die Zahl der Fußgänger in der Poststraße im selben Zeitraum bei 203.600.

Weniger Autofahrer in ganz Nordrhein-Westfalen

Der Autoverkehr in ganz NRW ist ebenfalls deutlich zurückgegangen. Thomas Müther vom ADAC Nordrhein beschreibt für die Zeit des Lockdowns im März einen „dramatischen“ Einbruch des Pkw-Verkehrs: So gab es in der dritten Märzwoche 72 Prozent weniger Staumeldungen als in der Vorwoche, die Gesamt-Staulänge verringerte sich um 79 Prozent. „Das gab es in der Geschichte von Nordrhein-Westfalen höchstens während der Ölkrise Anfang der 1970er Jahre“, so Müther.

Und: Erstmals seit vielen Jahren war der November 2020 in NRW kein „Staumonat“. Normalerweise äußert sich insbesondere der wetterbedingte Umstieg aufs Auto in einem erhöhten Stauaufkommen. Nicht so 2020: Im Vergleich zum Vorjahresmonat hat sich die Anzahl der Staus auf den NRW-Autobahnen laut ADAC um fast 50 Prozent reduziert. Insgesamt gab es 12.823 Staus im November 2020, im November 2019 lag diese Zahl bei 25.112. Laut Müther sind die niedrigen Stauzahlen im November jedoch nicht eindeutig auf den „Lockdown light“ zurückführen. Schon der Oktober sei deutlich stauärmer als der Oktober des Vorjahres gewesen. Im Raum Bonn verzeichneten die A59 und die A555 im gesamten Jahr 2020 47 und 48 Prozent weniger Staukilometer. Bei der stadtnahen A565 gab es einen Rückgang um 22 Prozent im Vergleich zu 2019, so Roland Nolte von der Autobahn GmbH.

Zahl der Fahrradfahrer stabil

Ganz anders sieht es aus beim Fahrradverkehr in Bonn: Die Zählstationen auf der Kennedybrücke, ausgelesen von der Seite eco-public.com, zählten rund 2.690.656 Radfahrer im Jahr 2020. Im Jahr 2019 waren es noch 2.643.716 und damit knapp 2 Prozent weniger. Andere Zählstellen verzeichneten 2020 einen noch größeren Zuwachs, insgesamt blieb die Zahl der Fahrradfahrer stabil. Werner Böttcher vom Kreisverband Bonn/Rhein-Sieg des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) führt dies darauf zurück, dass die Pendlerströme insgesamt zwar abnahmen, der Anteil der Fahrradfahrer am Pendlerverkehr jedoch zunahm. Auch während der Zeit der verschiedenen Lockdowns und Kontaktbeschränkungen blieb die Zahl der Fahrradfahrer hoch: In der zweiten Woche nach Beginn des März-Lockdowns zählten die Stationen auf der Kennedybrücke 47.974 vorbeifahrende Radfahrer.

In der ersten Juliwoche, als die Pandemie kurzzeitig weniger das Leben der Menschen bestimmte, waren es 63.923. Anfang November, während des „Lockdown light“, waren es 58.196 in einer Woche. In vielen deutschen Städten wurden aufgrund des geringeren Autoaufkommens sogenannte Pop-up-Bikelanes initiiert; temporäre, meist abgesicherte Radstreifen auf Autospuren. Nicht so in Bonn: Einen entsprechenden Antrag des ADFC lehnte die Stadt ab.