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Rot-Weiß Lessenich: Fußballer suchen Rasenpaten

Rot-Weiß Lessenich : Fußballer suchen Rasenpaten

427 Spieler kicken bei Rot-Weiß Lessenich. Noch, ist man versucht zu sagen, wenn man sich die Trainingsbedingungen vor Ort anschaut: Es gibt kein Vereinsheim, sondern nur einen Stauraum im wenig repräsentativen Nachbargebäude. Und es gibt auch keinen Kunstrasenplatz, Lessenich spielt auf Asche. Die Folge: Spieler wandern zu anderen Vereinen ab.

Mit dem Problem steht der Verein nicht alleine da. Und Marco Jost, der bei Rot-Weiß die Bambinis trainiert, ist realistisch genug um zu wissen, dass sich das in absehbarer Zeit nicht ändert. "Wir haben beschlossen, dass es angesichts der städtischen Haushaltslage wichtig ist, dass wir uns selbst engagieren", sagt Jost. Der Verein nahm sein Schicksal selbst in die Hand und legte der Stadt ein eigenes Finanzierungskonzept "mit substanzieller Selbstbeteiligung" vor, so Jost.

Würde der Verein, so wie im Finanzierungskonzept derzeit kalkuliert, das Geld für die Pflege von Kunst- und Rasenplatz als Zuschuss ausgezahlt bekommen, müsste der Verein laut Jost über zehn Jahre noch rund 251 000 Euro aufbringen. Die Mitglieder müssen einer Erhöhung der Beiträge um bis zu 30 Euro zustimmen, zudem müssten sie kräftig mit anpacken. Und: Der Verein müsste das Grundstück kostenlos nutzen können, zum Beispiel in Form einer Erbpacht. Das Konzept wurde der Stadt vorgelegt. "Im Fall Lessenich handelt es sich um ein Modell, das der Verwaltung zur Prüfung vorliegt. Es gibt noch Fragen, über die mit dem Verein gesprochen wird", sagt Stadtsprecher Marc Hoffmann.

Nun heißt es vorerst abwarten. Doch der Verein ist in der Zwischenzeit nicht untätig. Um das Eigenkapital von derzeit 78 000 Euro zu erhöhen, werden Rasenpatenschaften vergeben. "Wenn wir alles verkauft bekommen, wären das 88 000 Euro zusätzlich", so Jost. Vereinsmitglied Andreas Schmich hat zudem Anstecknadeln kreiert, auch der Verkauf spült ein wenig Geld in die Kunstrasen-Kasse.

Ein Wunsch des Vereins hat sich bereits erfüllt, die Stadt hat den Agenturvertrag zur Bandenwerbung Ende August gekündigt, Rot-Weiß hofft auf zusätzliche Einnahmen durch die Akquirierung eigener Werbepartner. "Je schneller wir starten können, umso besser", sagt Jost. Die Gelegenheit sei gut, die Zinsen derzeit rekordverdächtig niedrig.

Die Aktion, die unter dem Titel "Tu was für die Jugend" laufe, habe im Verein etwas bewegt. Sollte das Engagement nicht unterstützt werden, fürchtet Jost nicht nur "Politikverdrossenheit", sondern auch um die Zukunft des Vereins. "Abwarten wäre der Tod".