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Serie „Bonner Alltagshelden in der Corona-Krise“: Internistin unterstützt Verwaltung im Bonner Gesundheitsamt

Serie „Bonner Alltagshelden in der Corona-Krise“ : Internistin unterstützt Verwaltung im Bonner Gesundheitsamt

Die Internistin Christiane Bless-Paar unterstützt die Verwaltung im Bonner Gesundheitsamt während der Krise ehrenamtlich. In Zeiten der Pandemie gehört sie zu jenen, die Besonderes leisten, um unser System aufrechtzuerhalten.

Im Gesundheitsamt stehen die Telefone zurzeit kaum still. Bisher wurden etwa 579 Menschen in Bonn positiv auf Covid-19 getestet. Hinzu kommen etliche Quarantänefälle und Negativdiagnosen. Einem Aufruf des Oberbürgermeisters zur Unterstützung der Gesundheitsbehörde sind rund 100 freiwillige Ärzte, pensionierte Ärzte und Medizinstudenten gefolgt, darunter auch Christiane Bless-Paar. Sie ist eine von 17 ehrenamtlichen Medizinern, die im Gesundheitsamt per Telefon Tests anordnen, Diagnosen stellen und ein umfassendes Beratungsangebot rund um das Virus bieten.

Bis vor Kurzem führte Bless-Paar in der Ambulanz für Lebererkrankungen am Universitätsklinikum noch Studien mit Hepatitis-Patienten durch. „Jetzt ist es meine Aufgabe, Personen, die positiv auf Corona getestet wurden, die Nachricht zu übermitteln“, sagt die 58-Jährige. Zudem fragt sie den Gesundheitsstand von Verdachtsfällen ab und belehrt Betroffene beispielsweise über die Quarantänezeit. Auch für die Ermittlung von Menschen aus Risikogruppen und Infektionswegen ist die dreifache Mutter bei der Gesundheitsbehörde zuständig.

Praktische Vorerfahrungen und eine gute Einarbeitung seien beim Antritt ihrer neuen Verwaltungstätigkeit für sie hilfreich gewesen. Neuregelungen für Corona-Tests erschweren die Arbeit. Seit dem 23. März reichen Atemwegserkrankungen als klassische Symptome aus, um einen Covid-19-Test anzuordnen. Für das Personal im Gesundheitsamt entsteht durch diese Neuregelung jedoch eine große bürokratische Bürde. „Das Gesundheitsamt der Stadt Bonn muss das Robert-Koch-Institut regelmäßig über neue positive Fälle, die Anzahl der Abstriche und Quarantänefälle informieren“, erläutert Bless-Paar. „Problematisch ist, dass die Menschen bereits vor Symptombeginn infektiös sein können“, klärt sie auf. Das Gesundheitsamt muss daher eine Kontaktliste erstellen, mithilfe derer mögliche weitere Erkrankte ausfindig gemacht werden sollen.

 Begegnungen, die länger als 15 Minuten dauerten, gelten als Hochrisikokontakte. Durch die vielen unterschiedlichen Informationen seien jedoch viele Menschen einfach verunsichert und äußerten schon bei milden Symptomen einen Verdacht auf die Viruserkrankung. „Es rufen häufig ältere Paare an, die zur Risikogruppe gehören, oft aber auch junge und mittelalte Leute, die vielleicht wirklich nur eine Erkältung haben“, teilt die Ärztin mit. Das Gesundheitsamt leitet begründete Verdachtsfälle an das Corona-Diagnosezentrum auf der Gotenstraße in Bad Godesberg weiter. „Einschlägige Richtlinien werden in entsprechende Ordnungsverfügungen wie die Anordnung von Quarantäne umgesetzt“, stellt sie klar.

Bless-Paar meint allerdings, dass die Krise auch Gutes birgt: „Sämtliche Mitarbeiter sind total dankbar und immer bereit, uns bei der Arbeit zu helfen“, lobt die Ärztin. Zudem habe sie immerhin einen älteren Herrn am Telefon dazu ermutigen können, seine Pflegerin zum Tragen eines Mundschutzes zu bewegen. Da handelsübliche Atemmasken heutzutage als rares Gut gelten, näht die Ärztin sie neuerdings selbst für ihr privates Umfeld. Den Lesern empfiehlt sie, ihr dies bei Bedarf gleichzutun. „Am besten eignet sich der Stoff von alten Herrenhemden“, spricht sie aus Erfahrung. Auf der Internetseite der Stadt Bonn findet man übrigens auch eine Nähanleitung für einen Mund- und Nasenschutz.

Das Corona-Bürgertelefon der Stadt Bonn ist bei Fragen rund um das Virus täglich zwischen 8 und 20 Uhr unter Telefon 0228/7175 erreichbar.