Kommentar Rücktritt von Fifa-Präsident Blatter - Das Beste

Seiner Selbstgefälligkeit ist Sepp Blatter auch in seiner schwersten Stunde als Sportfunktionär treu geblieben.

Er wolle nur das Beste für den Fußball, sagte er am Dienstagabend, als er das Beste tat, was er für den Sport tun konnte - nämlich seinen Rücktritt als Präsident des Weltverbandes Fifa zu verkünden. Er hat die Reißleine gezogen, bevor ihn die von der US-Justiz losgetretene Lawine überrollen konnte.

Blatters Rückzug ist ein längst überfälliger Schritt. Weil ein Mann im Alter von 79 Jahren nicht mehr an die Spitze eines milliardenschweren Unternehmens gehört. Nichts anderes ist die Fifa - trotz ihrer Vereinsform. Vor allem aber, weil er die Regeln von Transparenz und Anstand Zeit seiner 17-jährigen Amtsdauer mit Füßen getreten hat. Korruption begleitet seine Präsidentschaft, Bestechungsskandale und verschobene Weltmeisterschaftsvergaben waren an der Tagesordnung.

Kein Zweifel: Blatter hat sich selbst als Mitwisser von Manipulationen diskreditiert, möglicherweise auch im juristischen Sinne. Denn einer, der 24 Stunden für seine Sache da ist, kann sich nicht herausreden, indem er behauptet, von all dem nichts mitbekommen zu haben. Und wenn dem so gewesen wäre, hätte er wegen Unfähigkeit längst aus dem Amt gejagt gehört. Zumal Blatter eines ganz bestimmt nicht ist: dumm.

Die Selbstreinigungskräfte in der Weltorganisation des Fußballs reichten nicht zum Thronsturz. Das verwundert keineswegs angesichts des von Gier und Günstlingswirtschaft geprägten Systems Blatter. Die mutige US-Justizministerin Loretta Lynch hat den Sonnenkönig entlarvt. Mit ihren Ermittlern, die Unerbittlichkeit beweisen wie schon im Dopingskandal Lance Armstrong. Die USA schlüpfen im Sport in eine Rolle als Weltpolizist, die ihnen in der Politik entglitten ist.

Ist das System Blatter nun tot? Fifa-Exekutivmitglied Wolfgang Niersbach warnt zurecht vor dem Trugschluss, dass mit dem Blatter-Rücktritt alle Probleme gelöst seien.

Es müssen noch mehr Korrupte aussortiert und Seilschaften zerschlagen werden. Und grundlegend Abstand genommen werden von dem perfiden System der Abhängigkeiten, das der Machtmensch Blatter, den Eitelkeit offenbar mehr antreibt als der eigene Hang zur Selbstbereicherung, perfektionierte.

Er setzte eine Tradition fort, die sein brasilianischer Vorgänger João Havelange während unrühmlicher 24 Jahre als Fifa-Boss begründet hatte - parallel und unter ebenso grotesken Bedingungen wie der Spanier Juan Antonio Samaranch von 1980 bis 2001 als Chef des Internationalen Olympischen Komitees.

Was Blatters Handeln nicht besser macht, aber verdeutlicht, dass die seit Jahrzehnten in der Sportpolitik übliche Vetternwirtschaft nicht von heute auf morgen zu beseitigen ist. Auf den künftigen Fifa-Präsidenten wartet eine Herkules-Aufgabe. Immerhin ist jetzt die Chance zum Neuanfang da.