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Kritik an Ahrweiler Landrat Jürgen Pföhler - Rücktritt gefordert

Kritik aus dem Kreistag : Immer mehr Politiker fordern Ahrweiler Landrat Jürgen Pföhler zum Rücktritt auf

Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zur Flutnacht im Kreis Ahrweiler wächst die Kritik an Landrat Jürgen Pföhler. Er sei politisch nicht mehr tragbar, heißt es. Der Kreis brauche einen präsenten Landrat.

Nun werden auch im Kreistag erste Stimmen laut, die einen sofortigen Rücktritt von Landrat Jürgen Pföhler fordern. „Wir brauchen schnellstens einen handlungsfähigen und präsenten Landrat. Und der kann nicht Jürgen Pföhler heißen“, schrieb Kreistagsmitglied Richard Klasen. Der Remagener gehört der Fraktion der Grünen an. Zuvor hatte bereits die CDU-Bundestagsabgeordnete Mechthild Heil eine Amtsniederlegung Pföhlers gefordert, da er keinen Rückhalt und kein Vertrauen mehr genieße.

Sowohl in der CDU, der Pföhler angehört, als auch in anderen Parteien wächst der Unmut. In den sozialen Medien begegnet man der Haltung des Landrates ebenfalls mit großem Unverständnis. Seit der Flutkatastrophe sei Pföhler „wie untergetaucht“.

„Er ist faktisch abgetaucht“

In der Tat ist seit Wochen keine Präsenz des Landrates erkennbar. „Ob Landrat Pföhlers Verhalten oder Nichtverhalten in der Kata­strophennacht strafbar war, wird die Justiz entscheiden. Seine Entschuldigung, wonach er gar nicht in der Kreisverwaltung war, als wichtige Entscheidungen getroffen werden mussten, hat indes einen bitteren Beigeschmack: Wenn das Schiff kollidiert, ist der Platz des Kapitäns auf der Brücke“, so Klasen.

Politisch nicht tragbar werde Landrat Pföhler aber spätestens durch sein Verhalten nach der Katastrophennacht: „Er ist faktisch abgetaucht und nur noch unter wechselnden Handynummern zu erreichen“, dies sei für den Kreis „desaströs“. Klasen: „Wer vertritt den Kreis jetzt gegenüber Land und Bund, wer koordiniert die zahlreichen drängenden Aufgaben zwischen Nothilfe und Wiederaufbau und vor allem: Wer geht mit den Betroffenen auf Tuchfühlung und kümmert sich um ihre Sorgen, Nöte und Belange?“

Kreis brauche einen präsenten Landrat

Neben zahlreichen ehrenamtlich tätigen Menschen müssten dies jetzt zum Teil ebenfalls ehrenamtliche Bürgermeister übernehmen, die bereits in die psychologische Betreuung ihrer Gemeinden und in die Koordination der Hilfskräfte eingebunden seien. Jedoch würden diese Ehrenamtlichen auf Landes- und Bundesebene kaum Gehör finden. Die Altenahrer Verbandsbürgermeisterin Cornelia Weigand spreche daher zu Recht von einem „politischen Vakuum“. Deshalb brauche der Kreis schnellstens wieder einen präsenten Landrat.

Wie berichtet, hat die Staatsanwaltschaft Koblenz ein Ermittlungsverfahren gegen Pföhler und ein weiteres Mitglied des in der Flutnacht im Ahrweiler Kreishaus tagenden Krisenstabes eingeleitet. Vor allem wird dabei untersucht, ob eine frühere Warnung der Bevölkerung möglich gewesen wäre und so viele Todesopfer hätten verhindert werden können.

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