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Franziskus-Gymnasium-Nonnenwerth: Grund für Schließung unverständlich

Franziskus-Gymnasium-Nonnenwerth : Entscheidung für Schließung von Schule „vollkommen unverständlich“

Politiker aus der Region haben bei einer gemeinsamen Pressekonferenz für den Erhalt des Franziskus-Gymnasiums-Nonnenwerth geworben. Dass der Träger Brandschutz-Probleme als Grund für die Schließung anführt, können sie nicht nachvollziehen.

Der Erste Kreisbeigeordnete Horst Gies und Remagens Bürgermeister Björn Ingendahl haben die angekündigte Schließung des Franziskus-Gymnasiums-Nonnenwerth zum Schuljahresende scharf kritisiert. Als für Kreis und Stadt „vollkommen unverständlich“ bezeichnete Gies bei einer Pressekonferenz am Freitag im Remagener Rathaus die Entscheidung von Träger Peter Soliman, in die man nicht einbezogen worden sei. „Wir haben ausdrücklich angeboten, ihm bei der Suche nach einem neuen Träger zu helfen“, sagte Gies. Für ihn würde es Sinn ergeben, sich noch einmal mit allen Beteiligten zusammenzusetzen.

Auch für Ingendahl ist Solimans Brandschutz-Begründung nicht nachvollziehbar. Was etwaige finanzielle Hilfen für die Schule angeht, so verwies er auf die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion als zuständige Behörde. Diese habe zugesagt, 50 Prozent der Kosten für den Brandschutz zu übernehmen, so Ingendahl. Soliman hatte Brandschutz-Kosten in angeblicher Millionen-Höhe, die er allein nicht stemmen könne, als Grund für die Schließung der Privatschule zum Ende des Schuljahres genannt.

Stiftung laut Ingendahl im Aufbau

Laut Ingendahl ist zurzeit eine Stiftung mit wenigen großen Stiftern im Aufbau, die dazu bereit wäre, die Trägerschaft der Schule von Soliman zu übernehmen. „In großen deutschen Dax-Konzernen sitzen ehemalige Nonnenwerth-Schüler“, gab er einen Anhaltspunkt darauf, wo das Geld herkommen könnte. Einem Wechsel des Schulträgers müsste Soliman, der als Insel-Eigentümer dann immer noch Vermieter wäre, allerdings zustimmen. „Wir haben keine rechtliche Handhabe“, räumte Ingendahl ein.

Otto Neuhoff, Bürgermeister von Bad Honnef auf der gegenüberliegenden Rheinseite, sah bei der Pressekonferenz als einzigen „Hebel“ von kommunaler Seite die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) – und die Kommunikation. „Wir müssen zu dieser Gemeinsamkeit zurück“, forderte der Rathauschef, aus dessen Kommune viele junge Menschen auf Nonnenwerth zur Schule gehen. Der „Erosionsprozess“ sei schon im Gange, warnte er.

 Pressekonferenz zur Schließung des Nonnenwerther Gymnasiums mit (von links) Jörg Scheinpflug (Erster Beigeordneter Verbandsgemeinde Unkel), Horst Gies (Erster Kreisbeigeordneter), Björn Ingendahl (Bürgermeister von Remagen) und Otto Neuhoff (Bürgermeister von Bad Honnef).
Pressekonferenz zur Schließung des Nonnenwerther Gymnasiums mit (von links) Jörg Scheinpflug (Erster Beigeordneter Verbandsgemeinde Unkel), Horst Gies (Erster Kreisbeigeordneter), Björn Ingendahl (Bürgermeister von Remagen) und Otto Neuhoff (Bürgermeister von Bad Honnef). Foto: Martin Gausmann

Im Remagener Rathaus ebenfalls anwesend war Andrea Monreal, die Schulleiterin des Nonnenwerther Gymnasiums. Sie verwies darauf, dass die ADD nie ein Brandschutzgutachten von Soliman verlangt habe, sondern nur eine Überprüfung des Brandschutzes mit der Kreisverwaltung. Bei einem Treffen auf der Insel am Dienstag hätten vor allem die Schülervertreter Soliman abgerungen, ein durch die Eltern finanziertes Brandschutzgutachten zuzulassen.

Einer gemeinsamen, am Freitag verteilten Mitteilung von Gies und Ingendahl zufolge ist die Kreisverwaltung „immer bereit“, Lösungen zu ermöglichen, damit der Unterrichtsbetrieb an der Schule fortgeführt werden kann. Eine Mitarbeiterin des Kreises machte bei der Pressekonferenz zudem deutlich, dass man sich unter gewissen Rahmenbedingungen vorstellen könnte, Zwischenlösungen für den Brandschutz mitzutragen. Solche Zwischenlösungen gibt es bereits jetzt, genehmigt sind sie jedoch nur befristet.

Allerdings: Soliman habe, so die Mitteilung von Gies und Ingendahl, der Kreisverwaltung entgegen allen Ankündigungen bis heute weder ein Sanierungskonzept zur Beseitigung der Brandschutzmängel noch einen Antrag auf Fortführung der Schulnutzung über das laufende Schuljahr hinaus vorgelegt. „Über die tatsächlichen Beweggründe für die Schließung ließe sich nur spekulieren, woran sich jedoch weder der Kreis noch die Stadt beteiligen werden“, heißt es. Umso mehr fordern Gies und Ingendahl Transparenz bezüglich der Absichten für die weitere Nutzung der Gebäude sowie der Zukunft der gesamten Insel Nonnenwerth. Denn mit der Schließung der Schule seien die brandschutztechnischen Probleme nicht gelöst.

Soliman droht mit Leerstand

Für Spekulation über das, was eigentlich hinter Schließung der Schule stecken könnte, hatte das kürzlich aufgetauchte Exposé einer Immobilienfirma gesorgt. In diesem ist davon die Rede, dass in dem Schulgebäude, früher ein großes Kloster, Wohnungen entstehen könnten. Soliman bestreitet, das Exposé in Auftrag gegeben zu haben. Doch der Schulelternbeirat geht davon aus, dass es bei Übernahme der Schulträgerschaft und der Insel Nonnenwerth „ausschließlich um ein gewinnorientiertes Immobiliengeschäft“ gegangen sei.

Damit auf Nonnenwerth Wohnungen entstehen können, müsste es allerdings einen Bebauungsplan geben, der das zulässt. Bislang existiert nur ein Flächennutzungsplan. Dieser erlaubt lediglich eine Nutzung für Bildungs-, Kirchen- und Sportzwecke. Nun droht Soliman damit, das Klostergebäude auf der Insel für viele Jahre weitgehend leer stehen zu lassen.