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Folgen des Klimawandels: Neue Bäume für den Hennefer Marktplatz

Folgen des Klimawandels : Neue Bäume für den Hennefer Marktplatz

Die Stadt ersetzt auf dem Hennefer Marktplatz geschädigten Spitzahorn durch Zerreichen. Die Ahorn-Bäume waren aufgrund der Hitze der vergangenen Sommer so stark geschädigt worden, dass sie gefällt werden mussten.

Es ist nie ganz einfach, wenn Bäume beseitigt werden müssen, aber in diesem Fall musste die Hennefer Stadtverwaltung handeln. Sechs Spitzahorn-Bäume (Acer platanoides) auf der Nordseite des Marktplatzes waren so stark geschädigt, dass sie vor ein paar Tagen gefällt werden mussten. Laut Verwaltung haben die Bäume nach den drei vergangenen extrem trockenen und heißen Sommern sowie durch die abstrahlende Hitze von den umgebenden Hausfassaden an Trockenstress gelitten.

Die Versorgung der Bäume, aber auch die Standsicherheit, waren gefährdet. „Es blieb uns keine andere Wahl“, sagt Johannes Oppermann, Leiter des Hennefer Umweltamtes. Zwar wurden sie bereits gefällt, die Nordseite des Marktplatzes wird allerdings nicht ohne Bäume bleiben. Die Stadt lässt laut Oppermann bis Dezember als Ersatz für die sechs gefällten Spitzahorn-Bäume sechs Zerreichen anpflanzen.

Aufgrund seiner Widerstandsfähigkeit gegen Industriebelastung wird Spitzahorn gerne im Stadtbereich zur Begrünung verwendet. Er gehört zu den häufigsten Bäumen in deutschen Städten oder Dörfern. Eine in Stadtgebieten häufig zu beobachtende Erkrankung ist der Befall mit „Uncinula tulasnei“, eine für den Spitzahorn spezifische Art des Echten Mehltaus, die zwar optisch auffallend ist, den Baum aber nicht wesentlich beeinträchtigt.

Trockenheit macht es Schädlingen leichter

Allerdings ist der Spitzahorn, der vorwiegend in einem gemäßigten europäischen Klima wächst, offenbar nicht gegen die trockene Hitze geschützt, die in den vergangenen drei Jahren während der Sommermonate in Deutschland herrschte.

Diese Trockenheit erzeugte bei den Hennefer Spitzahorn-Bäumen auf dem Marktplatz lange Längsrisse, durch die Schädlinge eindringen konnten. „Wir haben diese neuartigen Stammschäden in den vergangenen Jahren genau beobachtet“, sagt Oppermann. Die Bäume konnten laut dem Umweltamtsleiter nicht schnell genug reagieren. Es bildete sich keine neue Rinde und somit waren die Bäume durch die Risse ungeschützt Schädlingen wie holzzersetzenden Pilzen ausgesetzt.

„An der Wehrstraße hatten wir einen ähnlichen Fall, aber die dortige Hainbuche hat sich wieder erholt. Auf dem Marktplatz konnten wir leider nichts mehr machen und mussten aus Gründen der Sicherheit handeln“, fügt Oppermann hinzu. Abhilfe soll nun die klimabeständigere Zerreiche (Quercus cerris) schaffen. Sie ist eine Laubbaumart aus der Gattung der Eichen, kommt ursprünglich aus Süd- und Südost-Europa, gilt als stadtklimafest und hitzeverträglich und ist in Mitteleuropa ein beliebter Parkbaum.

Auch gegen viele Eichenschädlinge wie Eichensplintkäfer und Eichenprozessionsspinner zeigt die Zerreiche im Gegensatz zu den heimischen Baumarten kaum Anfälligkeiten. Einen ersten „Versuchsbaum“ ließ die Stadt im vergangenen Jahr auf der gegenüberliegenden Seite vom Baubetriebshof anpflanzen. Nun werden bis Dezember sechs weitere Zerreichen auf dem Hennefer Marktplatz angepflanzt. Eine dieser Zerreichen steht bereits auf dem Marktplatz. Auffällig ist der weiße Anstrich, mit dem der Baum versehen wurde

Immer mehr Schäden an den Bäumen im Stadtgebiet

„Es handelt sich um Stammschutzfarbe. Sie soll den Einfluss der von den Häuserfassaden abstrahlenden Hitze minimieren“, erklärt Oppermann. Einige tausend Euro muss die Stadt in den Austausch der Baumarten auf dem Marktplatz investieren. Das Umweltamt betreut etwa 9000 Bäume im Stadtgebiet, muss sich aber zunehmend mit Schäden beschäftigen.

Im Jahr 2018 waren es noch 15 bis 20, im Jahr 2019 30 und in diesem Jahr bereits 60 abgestorbene Bäume, die von der Stadt ersetzt werden mussten. Tendenz: steigend. Für Oppermann sind das klare Folgen des Klimawandels. Besonders hohe Verluste sind laut dem Hennefer Umweltamtsleiter entlang der Bonner Straße zu beklagen. „Viele heimische Arten wie Birken, Kirschen, Hainbuchen oder Ahorn leiden unter diesen extrem trockenen Sommern. Bei solchen Bedingungen landet man bezüglich neuer Anpflanzungen irgendwann bei Exoten wie der Hopfenbuche“, sagt Oppermann.

„Allerdings muss bei der Auswahl der Baumarten darauf geachtet werden, dass sie auch frostbeständig sind, denn kalte Winter können wir ja immer noch bekommen“, sagte Oppermann. Drei Spitzahorn-Bäume stehen noch auf dem Marktplatz. „Sie weisen noch keine Schäden auf, aber wir werden das im Blick behalten“, betont Oppermann.