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Unfälle in Niederkassel: Engpass an der Ortseinfahrt soll gegen Raser helfen

Unfälle in Niederkassel : Engpass an der Ortseinfahrt soll gegen Raser helfen

Der Umbau der Ortseinfahrt Niederkassel muss noch warten. Deshalb kommt die „Schikane“ an der Hauptstraße kurzfristig zurück.

Wer aus der Weidenstraße in Niederkassel auf die Hauptstraße einbiegen will, braucht Erfahrung in der Einschätzung des von links, also von Rheidt über die Hauptstraße, kommenden Verkehrs und vielleicht auch ein Quäntchen Glück: Vor dem Ortseingang vollzieht die Hauptstraße eine langgestreckte Rechtskurve. Bäume am Straßenrand ermöglichen erst spät die freie Sicht auf die Einmündung der Weidenstraße, zumal Autofahrer sich bemühen, sauber eine Verkehrsinsel zu umfahren, die als Schlenker in der Ortseinfahrt installiert wurde, um die von Rheidt kommenden Autos auszubremsen. Denn die Fahrer sind oft zügig, häufig auch zu schnell und jenseits der erlaubten 50 Stundenkilometer unterwegs, wie Anwohner und auch die Stadt auf Nachfrage berichten.

So auch am Neujahrstag gegen 22.40 Uhr: Ein 21-jähriger Autofahrer eines Ford Fiesta war „nach Zeugenaussagen und Feststellungen der Polizei“, wie die Polizei Rhein-Sieg später mitteilen wird, „mit hoher Geschwindigkeit“ in den Ortseingang gefahren und dort an der Einmündung zur Weidenstraße mit einem Skoda Kodiaq eines 38-jährigen Autofahrers zusammengestoßen. Die Wucht war enorm: Der Skodafahrer, der in seinem Fahrzeug einklemmt wurde, erlitt schwere Verletzungen unter anderem an der Wirbelsäule und musste von seinen Kollegen der Freiwilligen Feuerwehr aus dem Fahrzeug herausgeschnitten werden.

Schwer verletzt wurde auch der Fahrer des Ford Fiesta, dessen Fahrzeug nach dem Zusammenstoß bis auf das Gelände der Tankstelle gegenüber der Einmündung geschleudert war. Der späten Uhrzeit und dem Feiertag dürfte es zu verdanken sein, dass keine Spaziergänger, keine Familien auf dem Weg zur nahen Kita Weidenstraße oder weitere entgegenkommende Verkehrsteilnehmer verletzt wurden.

„Die Unfallstelle ist keine Unfallhäufungsstelle“, teilt die Polizei Rhein-Sieg auf Nachfrage mit. Heißt: Statistisch, also in Zahlen betrachtet, ist die Einmündung an der Ortseinfahrt unauffällig. Beinahe-Unfälle und brenzlige Situationen werden in der Statistik nicht erfasst, aber sowohl von Anwohnern als auch der Politik und der Verwaltung ernstgenommen: Nachdem Geschwindigkeitsmessungen der Stadt die erhöhte Geschwindigkeit am Ortseingang bestätigten, hatte die Stadt im April mit provisorischen Fahrbahnverengungen und einer Tempo-50-Beschilderung weit vor dem Ortsschild die Autofahrer künstlich abgebremst.

Die „Schikane“ fand nicht nur Zustimmung, erinnert sich Stadtsprecher Markus Thüren: „Es gab damals viel Gegenwind von Anwohnern, die sagten, damit sei die Situation noch gefährlicher geworden.“ Tatsächlich dauerte es nicht lange, ehe eine Autofahrerin auf dem Weg von Niederkassel nach Rheidt die Einengung am rechten Fahrbahnrand traf und zerstörte. Nachdem die künstlichen Einengungen für Straßenbauarbeiten an einer Wasserleitung sowie für den Bau des Geh- und Radweges zwischen Rheidt und Niederkassel entfernt worden waren, sollen diese nun zeitnah wieder aufgestellt werden, betont Thüren auf Nachfrage: „Der Bauhof hat bereits einen Auftrag erhalten und wird diesen zeitnah umsetzen.“

Ob der Unfall am Neujahrstag durch die künstlichen Einengungen am Ortseingang hätte verhindert werden können, ist ungewiss. Insbesondere bei wenig Gegenverkehr und in der Nacht, wenn Gegenverkehr aufgrund der Scheinwerfer von Weitem zu erkennen gewesen sei, hätten Autofahrer die Schikanen mitunter sportlich umfahren, berichtet Thüren, der vor Spekulationen warnt: „Es gibt bereits durch die Verkehrsinsel eine Einengung und einen Schlenker, die ebenfalls einige Autofahrer nicht davon abhalten, zu schnell zu fahren.“

Einen entsprechenden Umbau der Ortseinfahrt hatte die Politik bereits im März 2020 nach vorheriger Beratung mit Bürgern in einem Beschluss des Bauausschusses auf den Weg gebracht: Die vorhandene Verkehrsinsel soll verlängert und um je eine Auffahrrampe je Fahrtrichtung mit einem Höhenunterschied von sechs Zentimetern auf 75 Zentimeter Fahrstrecke ergänzt werden. Dabei gibt es jeweils nur eine Stufe je Fahrtrichtung, aus Rheidt kommend ein Hoch ohne ein Runter, weshalb die Stufen von der Verwaltung nach ihrem Vorbild auch „Uckendorfer Lösung“ genannt werden. Das sei nicht nur für die Linienbusse der RSVG wichtig, sondern erzeuge auch weniger Lärm, so die Verwaltung, die zudem die Stufen für beide Fahrtrichtungen rund zehn Meter voneinander versetzt anbringen will.

Pläne, die im Ausschuss Zustimmung fanden, jedoch auf ihre Umsetzung warten müssen: Der Landesbetrieb Straßenbau NRW hat im Dezember 2020 mit seinen Arbeiten für den Ausbau des südlichen Abschnitts der Ortsumgehung begonnen und wird am heutigen Knick von der L269 zur Marktstraße einen Kreisverkehr errichten. Für dessen Bauarbeiten sind Sperrungen angekündigt, die eine Umleitung des Verkehrs auf die Hauptstraße notwendig machen werden.

Wann die Arbeiten zur Verkehrsberuhigung der Hauptstraße beginnen können, ist derzeit noch völlig unklar.