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Wachtberg: Karneval findet digital statt

Wachtberger feiern Karneval übers Internet : Im Ländchen wird nur digital jebützt

So ganz ohne Karneval geht es im Ländchen nicht. Die Wachtberger bereiten mit viel Herz alternative Veranstaltungen für die jecken Tage vor. Stellvertretend für andere Aktionen stellt der GA drei Ideen vor.

Villip: Es darf durchaus als Experiment bezeichnet werden, was sich Werner Faßbender sowie die Brüder Stefan und Dirk Stratmann vorgenommen haben. Für diesen Freitagabend planen sie die „1. und letzte Villiper Digisitzung“. „Denn wir hoffen natürlich, dass 2022 alles wieder in normalen Bahnen läuft“, so Faßbender über den ungewöhnlichen Titel. Gewissermaßen aus dem Nichts haben die Männer, die zum einen alle beim SC Villip, zum anderen im Karneval mitmischen, in den zurückliegenden drei Wochen das Programm erarbeitet.

Die Idee entstand auf der Videokonferenz zu einem runden Geburtstag. „Das war so lustig, dass wir uns gesagt haben, ‚wir machen was’“, erzählt Faßbender. Das „Was“ sind zum einen eigene Clips, die abends und am Wochenende gedreht wurden. Und, soviel darf verraten werden, sich auch ums Thema Corona und Impfung des Bürgermeisters drehen. „Ganz besonders hat uns gefreut, dass wir viele Beiträge von Externen bekommen haben, zum Beispiel von den Seerosen Villiprott oder der Prinzengarde Villip“, so Faßbender.

Bevor die Sitzung am Freitag, 12. Februar, um 20.11 Uhr beginnt, müssen die Gäste zunächst den digitalen Saal der Streaming-Seite betreten. Und wie im „echten“ Leben gibt es Platzprobleme. „Wir haben nur eine Zulassung für 1000 Endgeräte“, erklärt Faßbender. Weshalb sich das Angebot in erster Linie an Bürger aus Villiprott, Villip, Holzem und danach an alle Wachtberger richtet. Deshalb möchten die Initiatoren auch keinen Link veröffentlichen, sondern senden diesen nach einer E-Mail an villiperdigisitzung2021@gmail.com zu.

Faßbender schätzt, dass das Programm zweieinhalb Stunden dauert: „Es gibt sowohl Einspieler, die wir vorher gedreht oder bekommen haben wie auch Live-Elemente.“ Dafür sorgt er auch selbst in Form von Gesang gemeinsam mit dem musikalischen Leiter Clemens Roer am Keyboard. Durch die Sitzung führt Stefan Stratmann.

Eine Online-Sitzung vor allem für Villiper, Villiprotter und Holzemer Jecke planen Hilde und Werner Faßbender (links auf der Leiter), Stefan Stratmann (vorne) sowie Ute Schwierz und Dirk Stratmann. Foto: Axel Vogel

Darum, dass die Narren zu Hause etwas sehen und hören, kümmert sich Stefan Cremerius aus Adendorf. Um seine Arbeit als Übertragungstechniker ist er in diesem Fall nicht zu beneiden: Denn die Beteiligten sitzen nicht nur in anderen Räumen, sondern teils in anderen Häusern.

Faßbender und sein Team wünschen sich, dass sich die Zuschauer vor dem PC einen schönen Abend machen. Der ist übrigens kostenlos, Gagen werden nicht gezahlt. „Wir würden uns aber freuen, wenn am Ende vielleicht die ein oder andere Spende unsere Kosten für das Streaming-Portal verkleinert.“

Niederbachem. Pünktlich zur an sich heißen Phase des Karnevals hat am Wochenende die Band Jedöns ein Video veröffentlicht. Trompeter Karsten Mischke aus Niederbachem erzählt, wie er die vergangenen Wochen erlebte und welche Energie die jecken Musiker in ihr Projekt gesteckt haben: „Unser aktuelles Lied heißt ‚Dä Fastelovend stirv nit us‘.“ Dafür hatten alle Musiker ihre Tonspuren eingespielt und Videos mit dem Thema „Karneval feiern, aber jeder für sich und Zohus“ gedreht. Weil auch viele Freunde dem Aufruf gefolgt sind, sich am Videoprojekt zu beteiligen, besteht das knapp vierminütige Stück aus rund 25 Einzelclips von etwa 50 Jecken.

„An diesem Wochenende war Premiere“, freut sich der 50-jährige Niederbachemer. Normalerweise proben die sieben Aktiven mit Trompete, Saxofon und Posaune sowie Gitarren und einem Schlagzeug, an dem Frontmann und Sänger Thilo Kühn steht, jeden Freitag im Bonner Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium. Deshalb konnten die Musiker trotz Kontakteinschränkungen proben und im letzten Sommer ein kleines Konzert live zu einem Poppelsdorfer Karnevalsverein übertragen, berichtet er. Zurzeit treffen sich die Musiker nur noch per Videokonferenz. „Aber auch da wird geprobt und viel geplant“, sagte Mischke.

Musikalisch ist die erst vor rund vier Jahren gegründete Band gleich aus mehreren Gründen ein Senkrechtstarter. „Wir sind die einzigen mit dieser Besetzung“, sagt Mischke. Mit eben dieser haben sie schnell einen sehr individuellen, mitreißenden Stil entwickelt. In ihrem „Skarnevalsbrassrock“ kombinieren die Feierlustigen bekannte musikalische Stile mit traditioneller Karnevalsmusik. „Im vorletzten Jahr haben wir am 11.11. auf dem Heumarkt in Köln gespielt“, erinnert sich der Wachtberger an einen der bisher eindrucksvollsten Auftritte.

 Zum Programm von Jedöns gehören klassische Karnevalslieder ebenso wie eigene, überraschende und mitreißende Stücke. Das aktuelle Video zur Session ist seit dem Wochenende auf der Homepage der Band unter www.jedöns.de zu sehen.

Fritzdorf. Alles andere als untätig ist auch die Karnevalsgesellschaft „Grün-Gelb“ Fritzdorf, wie Pressesprecher Andreas Netterscheidt mitteilt. Unter dem Motto „Wir können nicht zum Karneval kommen, dann kommt eben der Karneval zu uns“ gestalten die Fritzdorfer Jecken in der diesjährigen Session zwei Veranstaltungen, die auf dem eigenen Youtube-Kanal „KG Grün-Gelb Fritzdorf“ veröffentlicht werden.

Los geht es an Weiberfastnacht, Donnerstag, 11. Februar. Ab 15 Uhr finden Interessierte auf Youtube einige Ausschnitte der vergangenen Jahre mit Auftritten vom „Wieverdaach“. „Das Archiv geht dabei zurück bis 1976“, betont Internetbeauftragter Hans-Bernd Sonntag. Höhepunkt ist am Karnevalssamstag, 13. Februar, ein digitaler Karnevalszug, wenn auch nicht aus 2021. Ab 11 Uhr gibt es wiederum auf Youtube Ausschnitte des vergangenen Karnevalszuges und der Jahre zuvor, moderiert von Präsidentin Elisabeth Hüllen und Sitzungspräsident Jörg Engel. „Jeder Jeck soll sich kostümieren und mit leckeren Getränken und Chips ein bisschen Karnevalsstimmung ins Wohnzimmer holen“, wünscht sich Sitzungspräsident Engel.

„Unseren geliebten Karneval können wir in dieser schwierigen kontaktlosen Zeit nicht feiern“, bedauert Präsidentin Hüllen. Trotzdem wolle man ein Zeichen setzen fürs Brauchtum. Unter anderem mit bunt geschmückten Häusern wie sonst beim Karnevalszug. Geschäftsführer Robert Landen hat noch eine Überraschung im Gepäck: „Alle Fritzdorfer und Arzdorfer Kinder sowie unsere Garden erhalten einen ‚Kamellebüggel’ mit Süßigkeiten und Give away als Ersatz für den nicht stattfindenden Umzug.“ Weitere Infos gibt es unter www.kg-gruen-gelb-fritzdorf.de.