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GA-Sonntagskicker - Folge 43: In Amt und Würden

GA-Sonntagskicker - Folge 43 : In Amt und Würden

Kapitäne haben in einer Mannschaft zahlreiche Aufgaben und müssen viele Anforderungen erfüllen. Im Laufe der Jahre hat sich das Bild des Spielführers jedoch verändert.

Sie sind Kopf und Vorbild einer Mannschaft, Vermittler zwischen Teamkollegen und Trainer, Wortführer in der Kabine und Organisator von Mannschaftsabenden - all das sind nur ein paar Anforderungen und Aufgaben, die der Kapitän eines Fußballteams mitbringen und erfüllen muss. Spielführer zu sein ist folglich nicht nur der Besitz eines Amtes, vielmehr muss dieses vom betreffenden Spieler verantwortungsbewusst ausgefüllt werden.

Waren es früher vor allem die erfahrenen Spieler, die mit der Armbinde aufliefen, gibt es heute immer häufiger junge Kapitäne. Bestes Beispiel dafür ist Norman Kolz: Der Mittelfeldspieler des Bezirksligisten SSV Bornheim ist mit gerade einmal 22 Jahren bereits Spielführer. Nachdem der etatmäßige Kapitän und sein Stellvertreter nach der vergangenen Saison nicht mehr zur Verfügung standen, entschied sich Bornheims Trainer Hermann-Josef Werres für Kolz: „Norman ist für dieses Amt schon sehr jung, aber er ist in Sachen Wille und Einsatz ein Vorbild. Dennoch hatte er anfangs ein paar Probleme, dieses Amt auszufüllen.“

Kolz selbst war überrascht, dass die Wahl vor Saisonbeginn auf ihn fiel, da mit dem 35-jährigen Michael Henseler, der zugleich Co-Trainer ist, ein viel erfahrener Spieler im Kader ist. „Zugegeben war ich auf dem Platz auch nicht immer das größte Vorbild, da ich viel mit dem Schiedsrichter diskutiert habe. Jetzt kann ich das als Kapitän zwar offiziell tun, muss aber aufpassen, nicht zu aggressiv mit ihm zu reden“, sagt Kolz.

Verlängerter Arm des Trainers

Mit seinen 22 Jahren ist Bornheims Spielführer ein Gegenentwurf zu seinem Amtskollegen beim SV Wachtberg: Dort führt normalerweise der 33-jährige Olcay Yildirim sein Team als Kapitän aufs Feld, jedoch ist er momentan wegen eines Kreuzbandrisses noch zum Zuschauen verdammt. Zur Saison 2014/15 kam Yildirim gemeinsam mit Trainer Dimitrios Karachalios nach Wachtberg, wurde dort dessen Co-Trainer und von der Mannschaft sogar zum Kapitän gewählt. Er hat klare Kriterien, wie sich ein Spielführer präsentieren sollte: „Auf dem Platz muss der Kapitän der verlängerte Arm des Trainers sein und mit Leistung überzeugen. Zudem sollte er eine Siegermentalität mitbringen, in schwachen Spielen das Team wieder in die Spur bringen und es wenn nötig mental wachrütteln.“

Damit verkörpert Yildirim einen Typus Kapitän, der sich mit den Vorstellungen von Jürgen Kohler deckt. Der Trainer des Mittelrheinligisten VfL Alfter trug selbst zehnmal die Kapitänsbinde in der deutschen Nationalmannschaft und hat in den letzten Jahrzehnten eine Wandlung in diesem Amt festgestellt: „Früher gab es starke Persönlichkeiten, die auch einmal angeeckt sind. Meiner Meinung nach darf ein Kapitän auch mal gegen die Wand knallen, aber heute sind viele Spieler auch im Umgang mit den Medien viel geschulter. Das gefällt mir persönlich zwar nicht so, ist aber eben der Lauf der Zeit.“

Wer sich zum Kapitän eignet, hat für den Weltmeister von 1990 neben seinem Auftreten auch mit dem Alter und der Position zu tun. „Ein Spieler, der erst Anfang zwanzig ist, hat mir zu wenige Erfahrungswerte. Ein Älterer weiß mit bestimmten Situationen besser umzugehen, weil er sie vielleicht schon erlebt hat“, meint Kohler. Problematisch findet er auch einen Torwart als Spielführer, da dieser für ihn trotz eventueller Eignung zu weit weg vom Geschehen sei.

Torwart mit guter Spielübersicht

Anders sieht dies Ingo Neuhaus, Trainer des A-Kreisligisten SV Leuscheid im Kreis Sieg: Nachdem der Kapitän und mit ihm weitere erfahrene Akteure den Verein verlassen hatten, bestimmte er Torwart Lukas Kolb zum neuen Spielführer. „Er verfügt über eine große fußballerische Intelligenz und wenn er den Mund aufmacht, ist in der Mannschaft Ruhe“, sagt Neuhaus über die persönliche Eignung von Kolb und fügt an: „Als Torwart hat er von hinten eine gute Übersicht und kann ein Spiel lesen.“ Kritisch steht er dagegen Kapitänswahlen gegenüber: „Da kann es auch passieren, dass sich ein Team in verschiedene Lager aufteilt.“

Ob nun vom Trainer bestimmt oder von den Teamkollegen gewählt, ob Torwart oder Feldspieler, jung oder alt: Der Kapitän trägt für sein Team eine besondere Verantwortung und steht besonders im Fokus. Auch wenn die Aufgaben dem Spielführer viel abverlangen, so hat das Amt einen angenehmen Vorteil: Bei Titelgewinnen ist der Kapitän der Erste, der die Trophäe in seinen Händen halten darf.