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Lernen in Bad Godesberg: Siebengebirgsschule nominiert für Deutschen Schulpreis

Digitales Lernen in Bad Godesberg : Siebengebirgsschule ist für Deutschen Schulpreis nominiert

Die Siebengebirgsschule ist für den Deutschen Schulpreis nominiert. Sie hat in der Pandemie mit einer guten Umsetzung des digitalen Lernens gepunktet.

Schatzkisten nannte Schulleiter Achim Bäumer im vergangenen Herbst die Koffer mit den von der Stadt gelieferten Tablets für die Schüler und Lehrer der Siebengebirgsschule. Ein weiterer Schatz war das beim ersten Lockdown noch in der Anfangsphase stehende Digitalisierungsprojekt der Förderschule. Für die gelungene Umsetzung im Rahmen der Pandemie wurde die Bildungsstätte als eine von 18 Finalisten jüngst für den Deutschen Schulpreis nominiert.

Für die rund 300 Schüler mit laut Schulleiter differenten Lernvoraussetzungen hatten sich Bäumer und Lehrerin Sibylle Jordan einer besonderen Herausforderung gestellt. „Wir wollten das Lernen digitaler machen und dabei jedem Schüler die individuell besten Voraussetzungen bieten“, umschrieb Bäumer. Die erste Schulschließung kam für die Förderschule ebenso plötzlich wie für alle anderen Schulen. Doch die in den Kinderschuhen steckende Idee des digitalen Lernumfelds bot eine gute Startposition.

Die Reaktion der Lehrer auf die Vorstellung des Projekts war überwiegend positiv, berichtete Bäumer. Es gab zu Beginn jedoch auch kritische Stimmen, die am Nutzen und der Umsetzbarkeit zweifelten oder den digitalen Weg für „nicht ihr Ding“ hielten. Heute beweist das umgesetzte Projekt den Nutzen täglich. „Das ist aber nicht vom Himmel gefallen“, betonte Bäumer. „90 Prozent der Kollegen waren noch nicht im System drin, als wir vor der Notwendigkeit standen, es zu nutzen.“ Alle Lehrer haben eine Fortbildung in der von Jordan und Bäumer erstellten digitalen Lernwelt durchlaufen. „Der Vorteil war, dass die Kollegen anschließend genau wussten, was der Schüler sieht und wie man mit der Plattform lernt“, sagte der Schulleiter.

Digitale Möglichkeiten von Schülern gut angenommen

Bei den Schülern trafen die neuen Möglichkeiten offenbar auf Interesse. So hatte der mathematisch begabte Valentin (16) als Neuntklässler sein Wissen in Lernvideos für die achte Klasse eingebracht. Carina (17) zeichnete gekonnt Figuren, die die Schüler auf der virtuellen Lernoberfläche begleiten. „Ich finde die Arbeit mit den Tablets gut, weil sie umweltfreundlicher ist“, nannte sie einen Vorteil der neuen Arbeitsweise. Die Figuren entwarf sie selbst und arbeitet laut Bäumer aktuell an weiteren grafischen Details für die Oberfläche. „Es war ungewohnt, aber das ging schnell ganz gut“, beschrieb die Schülerin die Umstellungsphase. Die Möglichkeit eigenständig zu arbeiten, empfand sie ebenfalls als Vorteil. Wenn der Lehrstoff auf der Plattform Fragen offenlässt, könne man sich an die Lehrer wenden, sagt die 17-Jährige.

„Unser Ziel ist nach wie vor der beste individuelle Abschluss und Anschluss für unsere Schüler. Hier machen auch in der gleichen Klasse nicht alle das gleiche“, unterstrich der Schulleiter. Digitalisiert könne jeder in seinem Rhythmus arbeiten, erhalte individuelle Aufgaben und könne zusätzliche Punkte sammeln. Schüler, Eltern und Lehrer haben zudem einen Überblick über den jeweiligen aktuellen Lernstand. Ein offenes Lernzentrum, Lerncamps an den Nachmittagen und in den Ferien, beispielsweise für Prüfungsinhalte, eröffnen auch Schülern mit turbulenten Lernbiografien Möglichkeiten, von denen man vor zehn Jahren nur träumen konnte, erklärt Bäumer.

Den Deutschen Schulpreis 2020/21 vergeben die Robert Bosch Stiftung und die Heidehof Stiftung in Zusammenarbeit mit der ARD und der Zeit-Verlagsgruppe an die Schulen mit den besten während der Corona-Pandemie entstandenen Schulkonzepten. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird die diesjährigen Preisträger unter den 18 Finalisten von insgesamt 366 Bewerbungen live bei der Online-Preisverleihung am 10. Mai zwischen 11 und 12.30 Uhr unter www.deutsches-schulportal.de/schulpreis-2021/ verkünden.