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Lyrikerin aus Bad Godesberg: Therapeutin mit Faible für Sprachspiele

Lyrikerin aus Bad Godesberg : Therapeutin mit Faible für Sprachspiele

Ingritt Sachse liebt das Gedichteschreiben, besonders für Kinder. Nun veröffentlicht sie ihren dritten Lyrikband.

Man muss die groß gedruckten Zeilen dieses himmelblauen Buches mit Kindern laut lesen, dann entfalten sie sofort ihre Wirkung. So wie die von der großen, schneeweißen „Löwin in meinem Garten mitten im Gras“, die nach und nach ihre Schneelöwenbabys ziehen sieht, und dann wachsen kleine Löwenzähne draus. Oder die lautmalenden Verse von „Lakratze Lakritze, ich mach’ keine Witze“. Sie handeln von der nachtschwarzen Katze auf roter Matratze, die eine Fratze zieht und per Tatze eine Maus „zerfatzt“.

Geschrieben hat diese Reime für kleine Zuhörer die Godesbergerin Ingritt Sachse. Manchmal sei es ein Wort, ein Gedanke, eine Situation, die sie zum Sprachjonglieren reizten, erzählt sie. „Wortspiel und Reime kreisen durch meine Gedanken, Bilder kommen dazu, und sobald ich es bewusster wahrnehme, spiele ich dann oft damit weiter.“ Worte würden verdreht, und es bildeten sich neue, wie eben im aktuellen Buch vom „Grüne Ellkahweh.“

Erfahrene Pädagogin

Im Brotberuf arbeitet die 74-Jährige Psychotherapeutin mit noch halber Praxis in Godesberg. Gerade in der Pandemie fühlten sich viele Patienten noch mehr belastet, weiß Sachse aus ihrem Arbeitsalltag. Daneben schreibt sie leidenschaftlich gerne Lyrik. „Für mich hat sie etwas, wie auf ein Bild zu schauen, verschiedene Blickwinkel dabei einzunehmen, dann eröffnen sich neue Perspektiven, Assoziationen, Gedanken“, sagt sie. Seit 2004 lese sie ihre Texte auch vor Publikum. Die Ermunterung, sie zu veröffentlichen, sei dann von Barbara Ter-Nedden, der Besitzerin der Parkbuchhandlung, gekommen.

Seit 2011 sind drei Lyrikbände Sachses erschienen, die sie in der Parkbuchhandlung auch vorstellte: etwa der Band „mir mein leben meine farben ermischen“. Damit gewann Sachse 2020 einen Preis bei der Stiftung „Kreatives Alter“ in Zürich. In den Gedichten zeige sich das Leben als stete Bewegung, oftmals als Gratwanderung und vor allem als Tanz, sagt Ter-Nedden über die Autorin. Im Grenzbezirk, dem Traum, tauchten unbekannte Welten auf, deren Weite von der Lyrikerin durchmessen werden wolle. „Dass mitunter ein böses Erwachen folgt, gibt den Gedichten Ingritt Sachses den besonderen Reiz.“ Schon beim ersten Godesberger Literaturwettbewerb 2011 habe die Lyrikerin einen Preis erhalten, berichtet Ter-Nedden.

Geschichten mit Wortspielen

Und wie kommt Sachse zu illustrierten Kinderbüchern wie schon 2016 im Band „Die Kröte Schild“? „Mein Weg durchs Leben ist ein bunter, mit vielen Kurven, Steigungen, engen Pfaden und weiten Lichtungen“, antwortet die Autorin selbst. Sie habe auch schon als Kindergärtnerin und später als Sozialpädagogin mit bis Siebenjährigen in einer Vorklasse gearbeitet. Und für die habe sie sich Geschichten, Reime und Sprachspiele ausgedacht, die zu aktuellen Situationen passten und die Kinder anregten, selbst mit Worten und Lauten zu spielen. Auch heute drehten sich weiterhin Reime und Wortspiele in ihren Gedanken. „Sie purzeln durcheinander wie damals in der Vorklasse und liefern Überraschungen sowie neue Sichtweisen“, so Sachse.

So wie die Verse vom grünen „Ellkahweh“, der still steht und schnauft und ächzt. Der Grund: Da ist doch plötzlich „ein grüner Ball mit einem Kind“ auf die Straße gehüpft.

Im Handel erhältlich: Ingritt Sachse, Still steht und schnauft der grüne Ellkahweh Köln 2020, 16 Euro.