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Godesberger Gespräche: Wie die Stadtentwicklung das Heimatgefühl beeinflusst

Godesberger Gespräche : Wie die Stadtentwicklung das Heimatgefühl beeinflusst

Bei der zweiten Ausgabe der Godesberger Gespräche wird über das Potenzial und die Schwierigkeiten der Godesberger Innenstadt diskutiert. Aus dem Publikum kommt der Eindruck, dass sich viele Bad Godesberger bei der Planung für ihren Bezirk von der Stadt Bonn vernachlässigt fühlen.

Bei der Gestaltung einer attraktiven Innenstadt spielen Begegnungsorte eine wichtige Rolle – darüber waren sich die Teilnehmer der zweiten Godesberger Gespräche unter dem Motto „Heimat und Stadtentwicklung“ weitgehend einig. Über Potenzial und Schwierigkeiten der Godesberger Innenstadt diskutierten Carmen Wolfram, stellvertretende Schauspieldirektorin und Chefdramaturgin am Bonner Theater und Pater Gianluca Carlin, leitender Pfarrer des katholischen Seelsorgebereichs Bad Godesberg, gemeinsam mit Bezirksbürgermeister Christoph Jansen.

„Heimat und Kommunalpolitik haben viel miteinander zu tun“, sagte Jansen. Die Veranstaltung im Gemeindezentrum St. Marien an der Burgstraße moderierte Journalistin Ebba Hagenberg-Miliu. Laut Jansen seien Kommunalpolitik und Heimat eng miteinander verbunden. Im Fokus der Diskussion standen daher Projekte zur Neugestaltung der Bad Godesberger Innenstadt. „Der Masterplan Innenstadt ist eine Vision, eine Richtung, in die sich Bad Godesberg entwickeln soll“, so Jansen.

2023 soll es am Fronhof losgehen

Der Plan, der im Rahmen des Integrierten Stadtteilentwicklungsprojektes (ISEK) entstanden ist, umfasst drei Teilprojekte und betrifft unter anderem den Bereich am Fronhof, den Theaterplatz und die Villichgasse. Geplant sei, 2023 mit dem ersten Bauabschnitt am Fronhof zu beginnen. Dies hinge von der Verwaltung, den Verhandlungen mit dem beauftragten Büro und Gesprächen mit Privateigentümern ab. Jansen versicherte auf Rückfrage von Hagenberg-Miliu, dass es Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung geben werde.

Darüber hinaus stehen der Neubau des Kurfürstenbades und die Sanierung der Stadthalle auf dem Plan. Jansen gehe davon aus, dass man im ersten Halbjahr 2023 mit dem Abriss des Kurfürstenbades beginnen könne. Bei der Sanierung der Stadthalle käme es auf die richtige Mischung aus modernen Elementen und historischer Bedeutung an.

„Mehr als Plattmachen und etwas Schöneres bauen“

Für Pfarrer Carlin spielt nicht nur die Optik bei der Umgestaltung der Innenstadt eine Rolle: Bei der Planung sollten die Menschen und bestehende Treffpunkte stets mitgedacht werden. Die Beteiligten müssten sich besser austauschen und sich nicht nur praktische Fragen stellen: „Es bedeutet mehr als nur Plattmachen und etwas Schöneres bauen“, so Carlin. Außerdem würden die Standorte der Kirche, wie Kindergarten oder Gemeindezentrum, aktuell an Präsenz und Sichtbarkeit verlieren. Einrichtungen wie der Suppenhimmel zeigen laut Carlin aber, wie wichtig zentrale Orte der Begegnung sind. Hier käme es allerdings auch zu Konflikten, da öffentliche Räume oftmals nicht ausreichend Platz für alle Passanten und beispielsweise Hilfsbedürftige bieten.

Begegnungen mit verschiedenen Menschen seien laut Wolfram durch die Coronapandemie im Theater lange ausgeblieben. Sie sieht daher großes Potenzial im Standort des Theaters mitten in der Innenstadt. Ziel sei es, neue Besuchergruppen zu erschließen. Beim partizipativen Projekt gelinge das bereits: Hier stehen Jugendliche mit Schauspielern gemeinsam auf der Bühne. Kulturveranstaltungen ins Freie zu verlegen, stelle das Theater laut Wolfram aber noch vor technische, personelle und finanzielle Herausforderungen.

Das Publikum äußerte unter anderem den Eindruck, dass sich viele Bad Godesberger bei der Planung von der Stadt Bonn vernachlässigt fühlen. Geschäftsleute und Gastronomen sollten zudem stärker in die Umstrukturierung miteinbezogen werden.

Kirche und Theater laden am 7. Juni zur nächsten Veranstaltung im Foyer des Schauspielhauses ein – das Gespräch wird unter dem Motto „Heimat und Flucht“ stehen.