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Bonn-Beuel: Betreiber der Neuen Filmbühne kann nach Corona durchatmen

Beueler Kino hält sich in der Pandemie : Betreiber der Neuen Filmbühne kann wieder durchatmen

Inmitten wieder steigender Inzidenzwerte atmen Kinobetreiber kurz durch. Wie Dieter Hertel von der Neuen Filmbühne in Beuel. Erstmals nach den Lockdowns habe das Kino im Oktober wieder kostendeckend arbeiten können.

Die Betreiber einer Schnellimbiss-Kette und eines Sexkinos hatten 1986 Interesse gezeigt, die Beueler Filmbühne zu übernehmen. Doch Heinrich Wenigmann, der sich aus Altersgründen nur schweren Herzens zur Aufgabe seines seit 1933 bestehenden Kinos durchringen musste, gab den Betreibern des Endenicher Rex-Kinos den Vorzug. Diese hatten mit ihrem Programmkino schon fünf Jahre zuvor bewiesen, dass sie etwas vom Kinomachen verstehen. Zu diesen Betreibern gehört Dieter Hertel (73). Seit mehr als 30 Jahren führt er die Kinos Neue Filmbühne und Rex in Bonn.

Aktuell gehören die Einschränkungen aufgrund der Pandemie zu den wohl größten Herausforderungen für lokale Kinos. Erstmals nach den Lockdowns habe die Neue Filmbühne an der Friedrich-Breuer-Straße denn auch im Oktober wieder kostendeckend arbeiten können, sagt Hertel und freut sich. Dabei lässt er nicht unerwähnt, wie dankbar er für die Überbrückungshilfen ist, die den Kinos das Überleben in den Lockdowns ermöglicht haben.

 Die Neue Filmbühne gibt es seit etwa 1986 an der Friedrich-Breuer-Straße in Beuel.
Die Neue Filmbühne gibt es seit etwa 1986 an der Friedrich-Breuer-Straße in Beuel. Foto: Stefan Hermes

Hertel: „Wir werten Beueler Innenstadt auf“

Mit dem Standort des Kinos Neue Filmbühne an der Friedrich-Breuer-Straße ist Hertel nach wie vor zufrieden. „Es ist heute eher außergewöhnlich, ein Kino in bester Innenstadtlage betreiben zu können“, sagt er. Hertel ist froh darüber, dass die Familie Wenigmann bis heute allen Angeboten widerstehen konnte, ihre Immobilie den Begehrlichkeiten von Investoren zu überlassen. So können nicht nur die Betreiber des Kinos in der Brotfabrik, das ebenfalls seit 1986 besteht, sondern auch jene der Neuen Filmbühne bis heute auf 35 Jahre anspruchsvolles Filmprogramm für Bonn und das Umland zurückblicken. Beide Kinos haben dabei ihr Publikum und ergänzen sich. „Doch trotzdem leidet das Arthouse-Kino darunter“, so Hertel, „dass das cineastische Publikum immer weniger wird.“

Gleichzeitig lobt der Programmmacher von Neue Filmbühne und Rex-Theater jedoch das „hervorragende kulturelle Angebot“, das mit den beiden Kinos, durch das Pantheon und dem Jungen Theater in Beuel entstanden ist. „Mit unseren Kinos werten wir die ganze Beueler Innenstadt auf“, sagt Hertel. Eine Untersuchung in NRW habe gezeigt, welche Bedeutung Kinos für die Innenstädte haben. „Das ist enorm“, sagt Hertel. Kinogänger würden auch abends noch die Geschäftsstraßen beleben und besuchten Restaurants und Cafés.

Auszeichnungen sichern Existenz der Kinos

Einen Beitrag zur Sicherung der Existenz würden zudem auch jene Preise und Auszeichnungen leisten, die die Kinomacher immer wieder von Bund, Land oder auch von der Organisation Europe-Cinema für ihre Arthouse-Programme bekommen. „Das macht das Kino überlebensfähig“, so Hertel.

So hängt er voller Zuversicht das Filmplakat für „À la Carte! – Freiheit geht durch den Magen“ auf, ein Film von Éric Besnard, dessen letzter Film „Birnenkuchen mit Lavendel“ mit bis zu 7000 Besuchern zu den erfolgreichsten Vorführungen in der Neuen Filmbühne gehört. „Ein opulenter Film“, sagt Hertel und gerät ins Schwärmen. „À la Carte!“ erzählt von dem ersten Restaurant, das 1789 von dem begnadeten Koch Manceron in Frankreich eröffnet wird, nachdem er durch das Servieren einer am Hofe des Herzogs von Chamfort verachteten Kartoffel gefeuert wurde. Hertel ist davon überzeugt, dass es Regisseur Besnard erneut gelingen wird, das Bonner Publikum ins Schwärmen geraten zu lassen. Der Film startet am 20. November in der Neuen Filmbühne.

Doch Hertel wäre nicht Cineast, wenn er nicht auch neben seinem Wissen rund um den künstlerischen Film, auch ein Urteil zum neuen James-Bond-Film abgeben würde. „Schließlich bin ich mit Bond aufgewachsen“, sagt er und lobt den soeben in die Kinos gekommenen Film. Er zeige einen älter und ruhiger gewordenen Bond. Einen, der sogar in einer schon länger andauernden Beziehung lebe. „Es ist ein Bond des Abschieds“, fasst Hertel zusammen und neidet den Kinos nicht die Umsätze, von denen er weiß, dass sie nicht durch die gezeigten Filme, sondern durch Popcorn und Verzehr gemacht werden. Einem Geschäftsmodell, demgegenüber sich die Programmkinos bis heute erfolgreich verweigern.