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Bonn: Polizei beobachtet die Elterntaxis in Duisdorf

Bonner Polizei im Einsatz : Jeden Tag ein strenger Blick auf die Elterntaxis

Seit einem Jahr ist Polizeihauptkommissar Ralf Konjer in Duisdorf im Einsatz. Als erste Amtshandlung postiert er sich morgens auf dem Schulweg zur Ludwig-Richter-Schule. Das hat Wirkung.

Das Auge des Gesetzes in Duisdorf heißt Ralf Konjer. Streng ist er, keine Frage. Aber die über 40-jährige Berufserfahrung hat den Polizeihauptkommissar gelehrt, dass Sprechen, Ermahnen, Hinweisen in den meisten Fällen eine nachhaltigere Wirkung hat, als knallharte Ahndung. Manchmal wünsche er sich, auch hinten Augen zu haben, um mitzubekommen, was sich in seinem Rücken abspielt.

An diesem Morgen um 7.45 Uhr zupft eine Frau aufgeregt an seinem Ärmel. Ob er nicht gesehen habe, dass ein Autofahrer durch sein Verhalten auf dem Schieffelingsweg Schulkinder gefährdet habe. Besagter Autofahrer ist rasch ermittelt, denn der hat vor der Ludwig-Richter-Schule Grundschule gehalten, um den Sprössling abzuliefern. Schon als Konjer auf ihn zugeht, hebt der Vater zur Entschuldigung seine Arme. Ihr kurzes Gespräch bleibt unter vier Augen, aber Konjer ist sicher, dass der Mann „nie wieder Verkehrsregeln missachtet, nur damit sein Kind pünktlich zur Schule kommt. Außerdem sieht man sich jeden Morgen wieder.“

Keine Scheu vorm Dorfsheriff

Das Gebaren der sogenannten Elterntaxis findet der Polizeihauptkommissar teils ziemlich problematisch.  Jeden Morgen macht er sich von der Wache an der Villemombler Straße auf den Schulweg zur Ludwig-Richter-Schule. Der Schieffelingsweg ist stark befahren – Berufspendler, Buslinien, eilige Radler. Vorgeschrieben ist Tempo 30. „Wenn dann noch Elterntaxis in zweiter Reihe auf der Straße halten, wird es chaotisch“. Ungeduldiges Gehupe, Autos, die sich vorbeidrängeln, die Busse können die Haltestelle nicht anfahren. Konjer muss ordnend eingreifen.

Auf den Bürgersteigen und an der Ampel wuseln Tornister bepackte i-Dötzchen. Sie verstummen ehrfurchtsvoll, wenn sie den Polizisten sehen. Das will Konjer aber gar nicht. „Ich bin der Dorfsheriff“, sagt er und findet an der Bezeichnung nichts, was seine Autorität untergraben würde. Im Gegenteil, ein hoher Bekanntheitsgrad sei gut. Der Kontakt sei ihm wichtig, „damit die Leute mich ohne Scheu ansprechen“. Die Uniform ist sichtbarer Ausweis seiner Autorität. Wie es funktioniert kann der 57-Jährige zeigen: Ein Auto nähert sich zügig der Schule, der Schutzmann tritt an die Bordsteinkante – der Fahrer reduziert sichtlich das Tempo. „Solange ich hier stehe, verhindere ich Unfälle, und das ist besser so. Präsenz ist wichtig“, lautet Konjers Credo.

Zweite Station der morgendlichen Inspektion ist die Duisdorfer Fußgängerzone. Im Allgemeinen sei Bonn ein ruhiges Pflaster, urteilt der Polizeihauptkommissar. Es gebe Einsatzschwerpunkte wie Hofgarten oder Rheinufer. In Stadtbezirk Hardtberg stehen punktuell Jugendtreffpunkte im Fokus. Auch da vertritt Konjer die Auffassung, dass Vorbeugen besser ist, damit junge Menschen erst gar nicht in Gesetzeskonflikte geraten. Er hält Verbindung mit Hausmeistern in Schulen und Wohnkomplexen. „Sie sind näher dran und merken schnell, wo sich ein Hotspot entwickeln könnte.“ Indizien seien beispielsweise Ansammlungen von Zigarettenkippen und zerbrochene Flaschen. „Das ist noch kein Fall für die Polizei, aber wir haben dann ein Auge auf Szene.“

Der Dorfsheriff nutzt für den täglichen Einsatz bevorzugt den wendigen Roller. „Da bin ich bei der Verbrecherjagd schneller“, witzelt er. „Denn ich bekomme jeden Tag mehr Verkehrsverstöße mit, als ich Protokolle schreiben kann.“ Neu hinzugekommen ist die Fahrt mit dem E-Roller auf dem Gehweg – nicht erlaubt. Nicht weniger werden Handy-Verstöße. „Telefonieren auf dem Rad kostet 55 Euro“, mahnt Konjer. Mit der Trinkerszene vor der Rochuskirche gibt es nach seiner Beobachtung kein Problem. „Sie sind halt da; sie tun keinem etwas.“ Auch ihren Müll würden sie nicht liegen lassen. Damit hingeworfene Kippen nicht zu einem Ärgernis werden, hat einer sogar einen Aschenbecher am Pavillon befestigt.

Anonymität ist Grauzone

Seit einem Jahr ist Ralf Konjer als Bezirkspolizist in Duisdorf. Absehbar bleibe Duisdorf ein ruhiger Stadtteil. „Das liegt auch daran, dass die Vereine gute Jugendarbeit machen und sich kümmern.“ Dinge zu verharmlosen, kommt für Konjer nicht infrage. „Es ist nicht alles gut.“ Einen Unterschied stellt er beispielsweise zwischen Eigenheim-Siedlungen und Mietkomplexen fest. „Die hohe Fluktuation in Mietshäusern und die damit verbundene Anonymität ist wie eine Grauzone.

Zu Konjers Aufgaben gehören auch, Haftbefehle zu vollstrecken, Aufenthaltsermittlungen und – das ist neu – Waffenbesitzer wie Jäger oder Sportschützen zu kontrollieren. Keine Woche vergeht ohne Präventionsgespräche mit gefährdeten Jugendlichen. Sie sind aufgefallen wegen Ladendiebstahls oder Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz. „Mit einer Gardinenpredigt komme ich da nicht weiter. Ich will dem jungen Menschen signalisieren: Wir wissen, was du machst. Wir sehen dich. Lass einfach die Finger davon.“