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Das denken Duisdorfer Schüler über Europa

Berufskolleg ist Europaschule : Das denken Duisdorfer Schüler über Europa

Das Berufskolleg in Duisdorf ist vor Kurzem vom Land NRW als Europaschule zertifiziert worden. Drei Schüler sprechen darüber, wie sie zu Europa stehen.

Europa, das bedeutet Freiheit. Darin sind sich die Schüler Emily Breuer, Noah Darwiche und Chiara Galucci vom Berufskolleg des Rhein-Sieg Kreises in Duisdorf einig. Ihre Schule wurde jüngst vom Land NRW als Europaschule zertifiziert – unter anderem wegen seiner zahlreichen Austauschprogramme ins europäische Ausland, dem Fremdsprachenangebot und dem Aufbau von sogenannten Europa-Klassen. Breuer, Darwiche und Galucci haben von diesen Programmen ihrer Schule profitiert und berichten von ihren eindrücklichsten Erfahrungen mit und in Europa.

Noch kurz vor Beginn der Corona-Krise, im Januar 2021, haben Noah Darwiche und Chiara Gallucci mit ihrer Schule einen Austausch nach Spanien machen können. Eine Woche lebten sie in einer Gastfamilie in Murcia. Für die 17 Jahre alte Chiara war es die erste Auslandserfahrung dieser Art und sie hat sich erst eine Woche vor der Abreise dafür entschieden. „Ich war mir unsicher, ob ich mich traue, alleine in ein fremdes Land zu fliegen und alleine in einer Gastfamilie zu leben“, sagt sie. Heute würde sie es jederzeit wieder tun. Die Gastfamilie habe sie herzlich aufgenommen und sofort wie ein Familienmitglied behandelt, erinnert sie sich. Eine Woche lang hat sie mit einem gleichaltrigen Sohn, zwei jüngeren Geschwistern und den Eltern der Familie zusammengelebt. Sie hat mit ihnen gekocht, gespielt und am Abend ferngesehen. „Ich habe mich ganz schnell an das neue Umfeld gewöhnt und nichts von  zu Hause vermisst“, sagt sie.

Nun vermisst sie aber die Gruppe der Menschen, die sie beim Austausch kennengelernt hat und mit denen sie täglich etwas unternommen hat. Sobald es geht, wollen sie sich wieder treffen. Zu der Gruppe gehörten gleichaltrige Schüler aus Spanien und vom Berufskolleg in Duisdorf.

Darunter war auch Noah Darwiche. Der 19-Jährige war nicht das erste Mal in Spanien. Schon mit 16 Jahren hat er ein Jahr in einer Schule in Galizien verbracht. Spanien ist sein europäischer Sehnsuchtsort. Er findet die Sprache schön, das Wetter besser als in Deutschland, mag das Essen gerne und hat das Gefühl, dass die Spanier ein wenig netter sind als die Deutschen.

Er sagt, dass er durch den Austausch in Murcia nicht nur eine andere Region Spaniens besser kennenlernen durfte, sondern auch die Kultur. Beispielsweise bei einem gemeinsamen Kochkurs mit der Schülergruppe. „Wir haben typische Gerichte aus der Region gekocht und ständig ist etwas schiefgegangen: Dinge sind auf den Boden gefallen oder wir haben Gemüse zu klein oder zu kurz geschnitten. Aber genau das hat das ganze so lustig gemacht“, erinnert sich der Schüler aus Alfter. Mit dem Sohn der spanischen Gastfamilie hat er noch immer Kontakt und er würde ihn auch gerne wiedertreffen. Sein Leben nach dem Abitur in Deutschland stellt er sich in Europa vor. Er möchte unterwegs sein, andere Länder und Kulturen kennenlernen und weitere Sprachen lernen. Europa bedeutet für Noah die Freiheit, in unterschiedlichsten Ländern zu arbeiten und frei zu reisen. „Und das ist ein echter Luxus“, sagt er.

Noah und Chiara machen derzeit ihr Fachabitur im Berufskolleg und das in einer sogenannten Europaklasse. Das heißt, sie nehmen regelmäßig an Workshops der Europäischen Kommission teil, haben Fächer in denen sie bilingual unterrichtet werden und haben das Fach Europakunde. „Es geht darum, den Schülern eine Perspektive im europäischen Arbeitsmarkt zu ermöglichen“, erklärt  Claudia Frantzen, EU-Koordiantorin der Schule.

Eine solche Perspektive hat die 20 Jahre alte Emily Breuer bekommen, die derzeit ihr Abi am Berufskolleg macht. Vor zwei Jahren hat sie mit Hilfe der Schule in London ein Praktikum in einem Steuerberatungsbüro gemacht. „Am Anfang war alles neu, aber da ich mit Mitschülern dort war, war ich nicht verloren. Schnell hat sich alles normal angefühlt, und es war eher komisch, wieder nach Deutschland zu kommen“, erzählt die Schülerin aus Alfter. Sie hat nicht nur Einblicke in den Arbeitsalltag in England bekommen können, sondern auch die Sprache besser gelernt. London ist ihre europäische Lieblingsstadt und sie würde jederzeit dorthin zurückkehren.