1. Bonn
  2. Hardtberg

Nicht nur für Nerds: Der Verein Teckids sucht neue Räume

Nicht nur für Nerds : Der Verein Teckids sucht neue Räume

Der Verein Teckids bietet Kindern eine Anlaufstelle, die gerne mit Technik basteln und Programmieren. Ende 2020 musste der Verein aus seinen Räumen in Duisdorf raus und ist jetzt auf der Suche nach einer Heimat, um sein neues Konzept anwenden zu können.

Warum soll es denn bitteschön immer der Sportverein oder die Musikschule sein? Es gibt auch die Kinder und Jugendlichen, die in ihrer Freizeit gerne mit Technik basteln und sich für Software-Programmierung interessieren. Denen bietet der Verein Teckids eine Anlaufstelle. Aber er hat ein Problem: Er steht derzeit ohne Räume da und sucht dringend eine neue Heimat.

Dass es Bedarf gibt, zeigte sich auch beim diesjährigen „Hack’n’Fun“-Camp in den ersten beiden Sommerferienwochen auf dem Jugendzeltplatz Bonn in Schweinheim. Dorthin zieht es die Teckids schon seit einigen Jahren, auch dieses Mal war die Freizeit ausgebucht, entgegen dem Klischee waren auch viele Mädchen dabei. Das Ferienprogramm bewegte sich zwischen Ausflügen in die Natur, Platinen löten im großen Zelt auf der Wiese und Lagerfeuer mit Laptop. Da wurden Spiele programmiert, eine Wetterstation gebaut, Geo-Caching angeboten. „Es ist nicht nur Technik, sondern auch Spiel und Spaß“, sagt Dominik George, genannt Nik, vom Teckids-Team. „Das soziale Rahmenprogramm im Camp ist sehr wichtig. Teils sind das Kinder, die den ersten Kontakt mit einer Computertastatur hatten.“ Und für die „Nerd-Kinder“ wolle man einen Ausgleich schaffen.

Aber viel anderes geht derzeit nicht. Der Verein nutzt auch Räume im Gebäude der Alten VHS in Bonn, aber auch die wird ja geschlossen, wenn kein Wunder geschieht. Bis Ende 2020 war die Zentrale in der Rochusstraße 1, genauer gesagt in Räumen der tarent solutions GmbH. Aber zum einen ist das Software-Unternehmen in einen Neubau am Dickobskreuz umgezogen, zum anderen hat Nik den Arbeitgeber gewechselt. Er hat den Verein 2015 mitgegründet und war eins von zwei Mitgliedern, die bei tarent solutions angestellt waren. „Das war eine schöne Situation, wir mussten uns nicht kümmern“, sagt er. Im Prinzip war alles vorhanden von der Technik bis zum schnellen Internetzugang.

Aktuell ist Niks Wohnung zugleich die Geschäftsstelle des Vereins, und klar, man kann sich immer auch irgendwo draußen treffen, aber eine Dauerlösung ist das nicht. Der Verein ist nicht allzu wählerisch, was die Räume angeht. Sie sollten in Bonn oder der näheren Umgebung sein, man bräuchte ein Büro, einen Abstellraum und mindestens zwei Workshopräume – je mehr, desto besser –, außerdem natürlich sanitäre Anlagen. Daneben wäre eine Küche praktisch. Als gemeinnütziger Verein könne man keine hohen Mieten bezahlen, sagt Nik. Ideal wäre ein Unternehmen, das ungenutzte Bereiche hat und den Technik-Nachwuchs unterstützen möchte. Alternativ könnte man sich ein Jugendzentrum vorstellen, das auch davon profitieren würde. „Wir als Digital-Organisation würden die technischen Mittel mitbringen.“

Die Teckids gingen aus einem Jugendprogramm der FrosCon – Free and open source Conference – hervor. Ursprünglich, erzählt Mitglied Anna Weichelt, legte der Verein den Fokus auf Jugendworkshops rund ums Programmieren, Codieren und technische Basteln. Im letzten Herbst hat man ein neues Konzept erstellt, das nun auf drei Säulen ruht (siehe Infokasten). Dabei wurde und wird auf Mitgestaltung der Jugendlichen viel Wert gelegt. „Bis heute ist das primäre Ziel, dass sich alle, die sich in unseren Projekten organisieren, einbringen können“, sagt Nik.

Das Hack’n’Fun-Camp endete mit einer Mitgliederversammlung. „Alle können mit gleicher Stimme mitbestimmen“, lobt Jonah (11). Aktiv mit dabei ist auch Florian (13). „Ich habe früher gerne viel mit Elektronik gemacht“, erzählt er. „Dann habe ich nach einer Beschäftigung gesucht.“ Und fand wie die anderen auch den Verein Teckids. „Das Konzept war am Anfang neu: mit Gleichaltrigen arbeiten und mitbestimmen“, sagt Robert (13), der jetzt das Projekt „Leopard“ mit leitet.

Zugleich lernen die Kids viel über Programmierung, Coding und Internetsicherheit, außerdem eignen sie sich durch die Übernahme von Vereinsaufgaben soziale Kompetenzen an, betont Nik. „Die Jugendlichen, die bei uns aktiv dabei waren, sind fachlich eigentlich fertig.“ Das sei eine starke Qualifikation für Berufspraktika und Ausbildung.

Der Verein möchte außerdem eine Hack- und Codingschule mit Werkstatt und Workshops für Kinder gründen, außerdem Fortbildungen für Erwachsene und Elternabende zu Medienpädagogik anbieten und Lehrer in Sachen Datensicherheit und -konnektivität fortbilden. „Lehrkräfte sollen digital und mit modernen Medien arbeiten, aber das Thema fehlt noch“, sagt Nik. Darüber, wie das alles finanziert werden soll, könne man sich aber erst Gedanken machen, wenn Räume dafür zur Verfügung stehen. Man habe sich schon Leerstände in der Universität angeschaut und ein Objekt zur Zwischenmiete bei der Stadt Bonn angefragt. Eine Antwort stehe noch aus.