1. Bonn

Konzerte im Freien: Mit dem Akkordeon gegen den Bonner Corona-Blues

Konzerte im Freien : Mit dem Akkordeon gegen den Bonner Corona-Blues

In Kessenich organisierten Bürger zum zweiten Mal lockdowngerechte Balkonkonzerte mit weihnachtlichen Liedern für die Nachbarn. Einige hat es sehr bewegt.

Die Geschäfte geschlossen, vor den Apotheken lange Schlangen von Menschen, die FFP2-Masken abholen wollen: Trübe Aussichten auf ein Weihnachtsfest mit Kontaktbeschränkungen „Als ich am Mittwoch durch die Straßen ging, war die Stimmung bedrückend“, sagte Stefanie Schmid-Altringer. Am Abend war das alles vergessen, als von ihrem Balkon aus Georg Brinkmann mit dem Akkordeon „O du fröhliche“ und andere Lieder anstimmte. Die Nachbarn hörten in ihren Gärten zu, sangen mit, applaudierten und riefen dem Musiker Liederwünsche zu – eine tolle Atmosphäre, die den Corona-Blues bei ihr für einige Stunden vergessen machte.

Ein solches Balkonkonzert hatte sie schon an Sankt Martin veranstaltet, damals noch in einem größeren Rahmen, als er jetzt im harten Lockdown möglich war. Da waren das Kessenicher Stadtmarketing, der Ortsausschuss, Kirchen, Schulen und Seniorenheime informiert, es gab eine große gemeinsame Aktion mit Musikern, die von Balkonen aus spielten. Die Reaktionen waren überwältigend, berichtete Schmid-Altringer. Viele dankten ihr und den anderen Beteiligten für ein besonderes Erlebnis, das ein schöner Ersatz für den abgesagten Martinszug war. Da wurde nicht nur zugehört, sondern mitgesungen, mitmusiziert, Nachbarn hatten ihre Häuser geschmückt.

„Das war eigentlich als einmalige Aktion gedacht“, sagte die Wissenschaftsjournalistin und Ärztin, die ähnliche Projekte auch beruflich organisiert. Für ihren Stadtteil machte sie das ehrenamtlich. Nach der positiven Resonanz beschloss sie, das zu wiederholen. Der Termin stand schon vor den neuen Beschränkungen fest, hat auch Eingang in den Wochenspiegel der evangelischen Friedenskirchengemeinde gefunden. Diesmal wurde davon abgesehen, Musiker in die Haushalte zu schicken. Die Ausnahme machte Brinkmann, der unter anderem Corona-Konzerte vor Seniorenheimen organisiert.

Ihn hatte Schmid-Altringer über Veranstaltungen der Initiative klezmerbonn kennengelernt, die er gegründet hat. Er sorgte in der Nachbarschaft für vorweihnachtliche Stimmung, war aber doch nicht der Einzige. Am Moselweg etwa spielte Posaunist Peter Viltz von seinem Balkon aus, Nachbarn hörten auf der Straße zu. „Schön, endlich mal wieder singen zu können“, meinte eine Frau, die sehr textsicher war. Und am Siegweg spielten zwei Kinder auf ihren Blockflöten. Das Konzert endete mit dem Glockengeläut der Friedenskirche zur 19-Uhr-Andacht auf dem Kirchplatz.

Noch einen Tag später klang Schmid-Altringer wie beseelt: „Musik ist etwas, das verbindet und Mut macht“, sagte sie. Vor allem in Corona-Zeiten mit ihrer Neigung, Pessimismus zu fördern. „Man sollte aufhören nachzudenken, was alles nicht geht.“ Und anfangen, über Silvester nachzudenken. Man könnte ja auch dieses seltsame Jahr, das man schon nicht mit Feuerwerk und Böllern verabschieden darf, mit Musik vom Balkon ausklingen lassen. Aber das ist vorerst nur ein Gedankenspiel.