1. Bonn
  2. Stadt Bonn

So erlebten Italiener in Bonn den EM-Sieg gegen England

Autokorso auf dem Belderberg : So erlebten Italiener in Bonn den EM-Finalsieg

Ausgelassen haben Italien-Fans den Sieg ihrer Mannschaft bei der Europameisterschaft gefeiert. Ein Bonner Musiker fuhr mit im Autokorso. Und die Apulierin Virna Grossi musste an ihren verstorbenen Großvater denken.

Eine der dümmsten Fragen, die man an diesem Montag einem Italiener aus Bonn stellen kann: „Na, das Spiel geguckt?“ Mögen Kinder Eiscreme? Pinkeln Bären in den Wald? Natürlich haben sie alle dieses denkwürdige Finale von Wembley am Sonntagabend geschaut, die Begegnung zwischen Italien und England, bei der es rauf und runter ging und die letztlich nach dem Elfmeterschießen die Italiener auf den Berg der Freude und die Engländer ins Tal der Tränen führte.

In Bonn mündete das Spektakel nach dem Schlusspfiff in einen Autokorso auf dem Belderberg und in der Sandkaule. Den Bertha-von-Suttner-Platz hatte die Polizei wohlweislich für Pkw gesperrt. Beobachter sprachen von 300 tanzenden Italienerinnen und Italienern (Passkontrollen gab es keine) auf der B 9, von deren Lust am rauschenden Fest sich ebenso Türken wie Deutsche anstecken ließen.

Unter den Feiernden: Der Bonner Musiker Christian Meringolo mit italienischen Wurzeln, der Eros Ramazzotti, Zucchero, Joe Bonamassa und Johnny Cash zu seinen Vorbildern zählt, der also mit anderen Worten ein offenes Herz für jeden Beat hat. „Man zittert mit. Man zeigt Emotionen. Man verliert sich gemeinsam in der Euphorie.“ So umschreibt der Gitarrist am Morgen danach die magische Atmosphäre des Vorabends. Mit den Eltern hatte er die Partie geschaut, diese schlossen sich ebenfalls dem Korso an, den die Italiener ja praktisch erfunden haben. Videos zeugen von diesem Rausch, der erst am Montagmorgen gegen 3 Uhr sein Ende fand.

Erinnerungen an das EM-Viertelfinale 2016 gegen Deutschland

Auch Giaccomo Zucca war dabei. Mit den Nachbarn hatte er die Partie in der Altstadt geschaut. Gehofft hatten sie auf einen etwas kürzeren Abend, vielleicht auch einen klareren Sieg ohne die ganze Bibberei. „Ich muss zugeben: Während der ersten Halbzeit habe ich mit dem Schlimmsten gerechnet, aber in der zweiten Halbzeit lief es dann besser“, sagt Zucca, der Drei-Viertel-Italiener, dessen Vater aus Rom stammt. Trotz der späten Uhrzeit tauchte er noch etwas in die laue Sommernacht ein und wunderte sich denn doch, wo all diese Italien-Fans herkamen, die ausdauernd ihre Freude herausposaunten. Ein Sarde, den er anquatschte, entpuppte sich als jemand, der aus dem Nachbardorf der Familie mütterlicherseits kam.

Die Kraft des Verbindenden, die aus der Euphorie erwachsen kann, offenbarte sich auf manche Weise. Antonio Grossi, Geschäftsführer der Eisdiele Lazzarin an der Sternstraße, schloss am Sonntag nach dem Betrieb die Türen und schaute mit der Familie und zwei Nachbarn das große Finale. Der Apulier geriet zum Ende hin arg ins Zittern, kamen ihm doch die Erinnerungen der Viertelfinalpartie Deutschland gegen Italien bei der EM 2016 in den Sinn: Simone Zaza führte im Elfmeterschießen zunächst ein apartes Tänzchen auf, um den Ball sodann in den Himmel von Bordeaux zu schießen.

Es kam letztlich anders. Für Grossis Tochter Virna war es „ein wunderschöner Abend“, an dem sie an ihren verstorbenen Großvater Dario Costantin denken musste, der das Lazzarin einst führte. Schließlich hatte Italien den EM-Pokal zuletzt 1968 gewinnen können. „Er ist der einzige gewesen, der wusste, wie sich das anfühlt. Jetzt wissen wir es auch.“