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Bad Neuenahr-Ahrweiler: Viele Helfer im Katastrophengebiet - Kommentar

Kommentar zu den Hilfen im Katastrophengebiet : Engagement der Helfer ist überwältigend

Die Hilfsbereitschaft im Kreis Ahrweiler ist enorm. Zugleich sollen private Helfer das Katastrophengebiet meiden. Wie passt das zusammen? Ein Kommentar von GA-Redakteurin Raphaela Sabel mit persönlichen Eindrücken.

Zwei Artikel stehen auf der Webseite des GA, die auf den ersten Blick unterschiedlicher nicht sein könnten: Ein Bericht von Marc Neunkirchen, der mit seinen Kumpels und schwerem Gerät nach Ahrweiler gefahren ist und erzählt, wie sie tonnenweise Geröll und Schlamm wegschaffen und sogar Anwohner medizinisch versorgen. Außerdem eine Zusammenfassung der Appelle der offiziellen Krisenstäbe von der Ahr, als Privatperson nicht zum Helfen in die Katastrophengebiete zu kommen.

„Was stimmt denn nun?“, fragen viele. Vermutlich beides. Was man bedenken sollte: Helfer Neunkirchen ist ein Profi und kann auf Ortskenntnisse und lokale Ansprechpartner zurückgreifen. Solche gezielte private Hilfe kann sicher viel erreichen. Halbvolle Pkws dagegen, die einfach in Richtung Katastrophengebiet losfahren, verstopfen nur die Straßen für THW und Feuerwehr, oder eben auch solche Kräfte wie Neunkirchen.

In Tausenden von Kommentaren auf facebook und neu angelegten Gruppen wie „Hochwasser in AW – schnelle Hilfe“ bieten Menschen ihre Arbeitskraft an. Ihr Engagement ist überwältigend, die Selbstorganisation erstaunlich effizient. Sogar ein Shuttle-Service in die Region wurde bereits ins Leben gerufen. Facebook ist in dieser Krise das Mittel der Kommunikation.

Ich selber war die letzten drei Tage im Katastrophengebiet unterwegs und habe beides gesehen: Verstopfte Straßen, aber auch gerührte Anwohner, die gemeinsam mit Fremden ihre Häuser leer räumen. Und dass teilweise Eimer und Gummistiefel in den Sammelstellen liegen und nicht dorthin kommen, wo sie so dringend benötigt werden, frustriert auch mich ungemein. Auch, dass die angegebenen Nummern zur Anmeldung von Wohnraum oder Hilfsgütern über Stunden nicht zu erreichen sind, lässt mich verzweifeln. Aber diesen Frust muss man aushalten. Chaos wird noch lange an der Tagesordnung sein, denn das Ausmaß dieser Katastrophe ist unfassbar.

Die vielen willigen Helfer, ihre Schippen und ihre Muskelkraft werden also noch in vielen Tagen und sogar Monaten gebraucht. Der Fokus in vielen Gebieten liegt aber weiterhin auf der Suche nach Menschen oder der Sicherung von einsturzgefährdeten Gebäuden. Vor Ort ist den Anweisungen der Polizei, THW, Feuer- und Bundeswehr also unbedingt Folge zu leisten.

Wenigstens in einem weiteren Punkt sind sich alle einig (bis auf die wenigen, die gar nichts begriffen haben): Gaffer haben im Krisengebiet nichts zu suchen.