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Kommentar zur Annäherung Israels und der Emirate: Dammbruch

Kommentar zur Annäherung Israels und der Emirate : Dammbruch

Die Tragfähigkeit der Vereinbarung zwischen den Vereinigten Arabische Emiraten und Israel scheint wenig stabil, zumal sie von den Akteuren unterschiedlich interpretiert wird, meint Sandro Schmidt.

Ob die Annäherung zwischen den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und Israel, wie von Befürwortern behauptet, eine historische für die Entwicklung des Nahen Ostens ist, wird sich erst noch erweisen müssen. Die Tragfähigkeit der Vereinbarung scheint wenig stabil, zumal sie von den Akteuren unterschiedlich interpretiert wird. Zu vage ist etwa die Zusicherung Jerusalems, auf die geplante weitere Annexion von Palästinensergebiet verzichten zu wollen. Und Premierminister Benjamin Netanjahu hat bereits ausrichten lassen, dass für ihn aufgeschoben nicht aufgehoben ist.

Andererseits zeigt das Abkommen, wie sehr sich die strategischen Fronten in der Region in den letzten Jahren verschoben haben. Für die meisten arabischen Staaten ist nicht mehr Israel der Hauptfeind. Sie fürchten sich vor allem vor dem immer länger werdenden Arm der Mullahs in Teheran, die ihren Einfluss über Vasallen in Irak, Syrien und im Libanon stark ausgedehnt haben. Und seit die USA unter Präsident Donald Trump deutlich signalisieren, dass sich selbst befreundete Länder nicht mehr auf einen bedingungslosen militärischen Beistand der Supermacht verlassen können, suchen eben Staaten wie die Emirate andere starke Bündnisoptionen. Folgen weitere Regierungen wie beispielsweise im Oman dem Vorbild der VAE und stellen ihre ohnehin vorhandenen diskreten Kontakte zu Israel auf eine formelle Ebene, könnte sich der Dammbruch doch noch als ein historischer erweisen.

Kaum noch eine Rolle spielen bei den strategischen Neuausrichtungen die Interessen der Palästinenser, die Jahrzehnte im Mittelpunkt des Nahostkonflikts gestanden haben. Ihre Position ist so schwach geworden, dass es sich arabische Staaten leisten können, diese, nur mühsam kaschiert, zu übergehen.