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Flutopfer an der Ahr: Helfer verteilen Geschenkboxen

Kleine Aufmerksamkeit : Helfer verteilen an der Ahr Geschenkboxen an Flutopfer

Hilfsorganisationen wollen Flutopfern einen Hoffnungsschimmer geben und zeigen, dass die Menschen nicht vergessen werden. Deshalb haben die Helfer jetzt an der Ahr Geschenkboxen verteilt.

Georg Seelinger aus dem hessischen Groß-Umstadt gehört zu den ehrenamtlichen Helfern der ersten Stunde an der Ahr. Dutzende Male war er inzwischen schon in den Katastrophengebieten unterwegs, inzwischen in Diensten der Rheinbacher Hilfsorganisation Hoffnungswerk. Am Samstag tat Seelinger erneut Gutes, dieses Mal im Auftrag einer Organisation, die sich ausdrücklich der Mission des bibelbekannten barmherzigen Samariters verpflichtet fühlt: Seelinger übergab von der christlichen Hilfsorganisation Samaritan’s Purse gespendete Geschenkpakete, sogenannte Samariterboxen, an Flutbetroffene. Unter anderem an Anke und Michael Prokosch und ihre beiden Töchter Sina und Antonia in Mayschoß.

In dem blauen, schuhkartongroßen Paket befanden sich zwar nur kleine Aufmerksamkeiten, beispielsweise eine Micky-Mouse als Stofftier, ein Adventsstollen und eine Kerze. Trotzdem kam die Box gerade recht: „Es tut unheimlich gut, nicht vergessen zu werden“, sagt Anke Prokosch. Die Familie hat eigentlich ganz andere Sorgen: Vier Meter hoch stand das Wasser der Ahr in ihrem Weingut von 1910 an der Dorfstraße. Die Prokoschs haben Dank der Großherzigkeit eines Hausbesitzers aus Swisttal-Buschhoven ein vorübergehendes Dach über dem Kopf gefunden. Ungeachtet aller Unterstützung ist ihre Gemütsverfassung trotzdem ganz unten: „Uns fehlt unser soziales Umfeld, unsere Freunde. Ich will wieder in mein Haus“, sagt Anke Prokosch und schluchzt.

5000 Haushalte sind das Ziel

Wie bei Familie Prokosch stellten sich am Samstag noch viele weitere Glücksmomente in den überfluteten Regionen entlang der Ahr und im Vorgebirge ein. „Wir wollen 5000 Haushalte erreichen“, gab Samaritan’s-Purse-Pressesprecher Tobias-Benjamin Ottmar das Ziel vor. Allein am Samstag seien 4500 Boxen verteilt worden, so Ottmar weiter, der ebenfalls mit einem Team an der Ahr unterwegs war. Die Adressen habe das Rheinbacher Helfernetzwerk Hoffnungswerk beigesteuert, die regelmäßig etwa mit Kaffeeteams an der Ahr unterwegs ist (der GA berichtete).

Aus Ottmars Sicht sei die Aktion nur konsequent: Samaritan's Purse gehöre ebenfalls zu den Helfern der ersten Stunde in der Flutregion. Gleich am ersten Tag nach der Katastrophe sei ein Mitarbeiter des Kölner Obdachlosenprojektes von Samaritan's Purse ins Ahrtal gereist, um zu helfen. Rasch habe sich dann laut Ottmar seine gesamte Organisation eingebracht und dabei die Zusammenarbeit mit dem Verein „To All Nations“ gesucht. Aus „To All Nations“ ist inzwischen der Verein „Hoffnungswerk“, ein ebenfalls christlich motiviertes Helfernetzwerk, hervorgegangen.

Ohnmacht gegenüber Handwerkern

Die Samariterbox soll vor allem eine Botschaft transportieren: „Es geht darum, Hoffnung zu spenden und zu zeigen: Wir haben euch nicht vergessen“, erklärt Tobias-Benjamin Ottmar. Darüber freuten sich viele Beschenkte. So beispielsweise Thomas Vorbau, der mitten in der Sanierung seines bis ins Erdgeschoss überfluteten Hauses an der Schützenstraße in Ahrweiler steckt. Er und seine Frau bekommen nach eigenen Angaben regelmäßig Besuch von den Teams des Hoffnungswerks. „Man merkt richtig, dass es denen eine Herzenssache ist“, sagt er. Für ihn sei es schön, „dass immer noch an uns Flutopfer gedacht wird“. Zumal die Probleme weiterhin groß seien: „Die Ohnmacht gegenüber der Naturgewalt wird abgelöst durch die Ohnmacht gegenüber den Handwerkern.“

Mitten in der kräfte- und nervenzehrenden Sanierung ihres Miethauses an der Schützbahn im Herzen Ahrweilers bekamen auch Christian und Judith Tauchmann eine Samariterbox. Judith Tauchmann fühlte sich emotional leicht „überrannt“, denn auch sie bekommen bereits ab Tag zwei nach der Flut Unterstützung und Zuspruch von den Helfern, die jetzt bei Hoffnungswerk aktiv sind. „Auf die Flut hätte ich verzichten können“, so Judith Tauchmann, „aber niemals auf diese vielen tollen Helfer.“