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Im Flutgebiet geht es langsam bergauf: Wieder Straßenbeleuchtung im Kurviertel an der Ahr

Im Flutgebiet geht es langsam bergauf : Wieder Straßenbeleuchtung im Kurviertel an der Ahr

Seit einigen Tagen liegen die Straßenzüge im Bad Neuenahrer Kurviertel in der Nacht dank provisorischer Beleuchtung nicht mehr in tiefer Finsternis. Und noch eine gute Nachricht: Die Stadt übernimmt die Finanzierung des privaten Versorgungsstützpunktes zwischen Unterstraße und Nelkenweg.

„Es werde Licht. Und es ward Licht!“ Dieses Zitat aus der Schöpfungsgeschichte darf nun auch getrost für das Bad Neuenahrer Kurviertel gelten: Seit einigen Tagen liegen die Straßenzüge in der Nacht nicht mehr in der tiefen Finsternis, sondern eine provisorische Beleuchtung zeigt Fußgängern wie Autofahrern elf Wochen nach der Flutkatastrophe den rechten Weg.

Zwischen Schuld und Sinzig zerstörte die Flutwelle nicht nur Häuser, Plätze und Straßen, sondern riss auch die weiträumig rechts und links der Ahr gelegenen Straßenlaternen weg. Von der Beleuchtung profitiert jetzt auch der zwischen Unterstraße und Nelkenweg gelegene private Versorgungsstand, den Tag für Tag einige Hundert Menschen aufsuchen. Nun war Kreisstadtbürgermeister Guido Orthen zu Besuch gekommen. Sichtlich beeindruckt vom Engagement der Anlieger sagte Orthen zu, dass die Finanzierung des Versorgungsstützpunktes zumindest bis zum 1. November gesichert werden soll. Schließlich wollen täglich rund 200 Mahlzeiten finanziert sein. Sie werden an die in Not geratenen Menschen und die zahlreichen Helfer in den sanierungsbedürftigen Häusern an Mittelstraße, Felix-Rütten-Straße, Unterstraße, Oststraße oder auch Beethovenstraße ausgegeben. Bislang konnte man auf Sponsoring und Unterstützung bauen. Die Hilfsbereitschaft soll jedoch nicht überstrapaziert werden.

Die Küchenarbeit wird ab sofort das Bad Neuenahrer Bistro Lukullus übernehmen und somit das fortführen, was elf Wochen lang vom Koblenzer Autohaus „British Premium Cars“ mit Hilfe der Rotarier geleistet wurde. „Land Rover hilft helfen“ lautete die Hilfsaktion, die unmittelbar nach der Flutkatastrophe in Gang gesetzt wurde. Mit der Präzision eines Uhrwerkes fuhr jeden Mittag ein mit warmen Speisen beladener Transporter des Autohauses an der Unterstraße, später am Nelkenweg, vor.

Stadt zahlt pro Mahlzeit einen Festbetrag

Zuverlässigkeit gilt auch für Sylke Pijnenburg. Die im Hunsrück lebende 47-jährige Niederländerin rollt nach wie vor jeden Montag mit ihrem Mobil an und serviert Helfern und Anwohnern Nudeln sowie Huhn mit frischem Gemüse aus dem offensichtlich nicht nur seit 3000 Jahren in China, sondern auch in Holland bekannten Wok. Gesponsert wird das Essen von der Firma, für die ihr Ehemann tätig ist. Fortan wird die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler die Versorgung der Menschen im Kurviertel finanziell absichern. Pro Mahlzeit zahlt die Stadt einen Festbetrag.

Am Versorgungsstand auf dem Privatgelände der „Ferienwohnungen Nehring“ sind derweil gerade wieder neue Decken und Heizlüfter angeliefert worden, die dankbar, insbesondere von den älteren Anliegern, in Empfang genommen werden. Schließlich haben die ersten kalten Tage in der Region Einzug gehalten.

Für große Erleichterung haben die neuen Ahrquerungen gesorgt. So ist die von den Fluten fortgerissene Kurgartenbrücke nur wenige Meter entfernt durch eine vom THW gebaute Fußgängerbrücke ersetzt worden. Autofahrern steht indes wieder die Brücke in Richtung Ringener Straße zur Verfügung. So wird alles langsam, aber sicher wieder etwas erträglicher.

Wie lange das von Bürgern gegründete „Café-Restaurant Nelkenweg“ noch existieren wird, weiß auch Mitinitiatorin Christiane Thul-Steinheuer nicht: „Solange es erforderlich ist“, hofft sie – und nimmt gerade wieder eine Lieferung Süßgetränke und Süßwaren entgegen. In wenigen Wochen soll es nun ein kleines Grillfest für all diejenigen geben, die in den vergangenen Monaten wenig Grund zum Feiern hatten. Dass es nun aber wieder Licht auf den Straßen gibt und somit dann auch wieder für etwas Glanz im Leben gesorgt ist, soll dann aber doch Veranlassung sein, ein – wenn auch nur kleines – Fest zu feiern.