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Kandidatenporträt: Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: Einsatz fürs Allgemeinwohl

Kandidatenporträt: Landtagswahl in Rheinland-Pfalz : Einsatz fürs Allgemeinwohl

Marion Morassi engagiert sich für faire Löhne und Nahverkehr zum Nulltarif. Sie kandidiert im Landtagwahlkreis 14 für die Partei Die Linke.

Wenn Corona sie nicht zur Schließung zwingt, betreibt Marion Morassi ein Reisebüro am Ahrweiler Marktplatz, das in denselben Räumen wie das Antiquariat ihres Lebensgefährten untergebracht ist, und unternimmt selbst gerne Ausflüge und Städtereisen. „Gereist“ ist die ausgebildete Hotelfachfrau und Reiseverkehrskauffrau 2020 aber vor allem ins nahe Ehlingen. Da kommt sie her, da wohnen ihr Sohn und ihre parkinsonkranke Mutter. „Aber da komme ich von meinem Wohnort in Ahrweiler aus fast nicht mit Bus und Bahn hin, und die Preise stehen in keiner Relation“, sagt die 58-Jährige, die für die Die Linke im Wahlkreis 14 antritt, als Direktkandidatin und auf Platz elf der Landesliste.

Nicht zuletzt deswegen ist sie für den Ausbau des ÖPNV, bessere Taktung und 365- Euro-Ticket respektive am besten flächendeckenden Nahverkehr zum Nulltarif. „Geld, das in Straßen-Neubau – nicht den -Erhalt – gesteckt wird, könnte man in den ÖPNV stecken“, sagt sie. „Wenn ich hier etwas zu sagen hätte, wäre meine allererste Aktion die Einrichtung eines kostenlosen Shuttlebusses zum Impfzentrum nach Gelsdorf, damit das nicht am Geld scheitert.“

Weil sie auch pflegende Angehörige entlasten möchte und weiß, dass mancher Pflegebedürftige nicht mal per kostenlosem Bus ans Ziel käme, müssten auch Hausärzte beim Hausbesuch impfen dürfen. Schon sehr lange bewegt sie das Thema lebendiges Landleben mit Dorfläden, Schulen und Ärzten und dem Erhalt kleiner Krankenhäuser. „Schließungen einzelner Stationen aus Profitgründen müssen verhindert werden.“ Die Fallpauschalen seien ebenso abzuschaffen wie die Privatisierung von Krankenhäusern und Pflegeheimen. „Gesundheit, Bildung, Energieversorgung und Verkehr gehören in die öffentliche Hand. Auch staatliche Autobahnen: Wenn ein Investor daran noch etwas verdient, warum soll es das Land nicht können?!“ Das bringt sie zu Gebäuden und Grundstücken in der Kreisstadt: „Ich ärgere mich ständig über den Verkauf öffentlichen Eigentums.“ Es geht ihr dabei nicht um Verstaatlichung, sondern um Vergesellschaftung und das Allgemeinwohl: Der Staat müsse nicht Besitzer sein, sondern Regeln vorgeben und kontrollieren.

Sie plädiert etwa für Erbpacht, „damit nicht irgendein Gremium, das für fünf Jahre gewählt wird, die Macht hat, nur wegen kurzfristigem Profit oder um eine ‚Schwarze Null‘ durchzusetzen, das ganze Tafelsilber zu verscherbeln. Boden ist das neue Gold.“ Der Abriss der Kurparkliegenschaften hat sie daher genauso verärgert wie der Abriss des Freizeitbads Twin vor Klärung der Neubau-Finanzierung. Nach dem Besuch eines Landesparteitags der NRW-Linken in Düsseldorf 2009 entschied Morassi sich für die Partei, „wegen der Werte, die sie vertritt“.

Sie hat den Ortsverband in ihrer Geburtsstadt Bad Neuenahr-Ahrweiler mitgegründet und wurde schon ein Jahr später Kreisverbandsvorsitzende, die sie bis heute ist. Fünf Jahre war sie bis 2019 Mitglied im Kreistag und seitdem im Stadtrat. Morassi engagiert sich unter anderem in der Bundesarbeitsgemeinschaft der Linken Frauen (LISA) sowie in der Kreisstadt auch für Flüchtlinge und Obdachlose. Sie ist Schöffin beim Landgericht, war vier Jahre DGB-Kreisvorsitzende und setzt sich für gute Löhne und faire Beschäftigung ein sowie für bessere digitale Infrastruktur und die Gemeinschaftsschule mit gemeinsamem Lernen bis zur zehnten Klasse.