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Kandidatenporträt: Landtagswahl in Rheinland-Pfalz: Busfahrer auf dem Weg nach Mainz

Kandidatenporträt: Landtagswahl in Rheinland-Pfalz : Busfahrer auf dem Weg nach Mainz

SPD-Kandidat Michael Köhler will weniger Steuerlast und Krankenhäuser unabhängig von Gewinn. Der 48-jährige Sozialdemokrat ist von Beruf Busfahrer bei der DB Regio Bus und möchte das Direktmandat im Landtagswahlkreis 14 holen.

Die SPD schickt im Wahlkreis 14 Michael Köhler ins Rennen um das Direktmandat für den Landtag. Der ledige 48-Jährige ist von Beruf Busfahrer bei der DB Regio Bus, die in Dernau den Linienverkehr betreibt.

Seit 2019 sitzt Köhler für die Sozialdemokraten im Altenahrer Verbandsgemeinderat, 2017 wurde er Parteimitglied. Das politische Engagement ist für ihn, so wirkt es, die konsequente Fortführung seiner früheren Arbeit als Betriebsrat, die er bei seinem ehemaligen Arbeitgeber, den Ahrweiler Verkehrsbetrieben, ausübte. Damals, erzählt Köhler, habe er „Blut geleckt“, sich für Kollegen zu engagieren. Die Landtagskandidatur kam für ihn gleichwohl überraschend. Als Hilmar Kretzer, der Vorsitzende des Ortsvereins Kalenborn, dem Dernau zugordnet ist, sich Anfang 2020 bei ihm meldete, habe er erst einmal geschluckt, sich zunächst gefragt, ob Kretzer den richtigen anrief. Doch Kretzer habe ihm erläutert, dass zu viele Studierte in den Parlamenten vertreten seien.

Dabei hatte der SPD-Kreisverband bereits einen anderen Kandidaten ins Auge gefasst: den heutigen Ersatzkandidaten Alexander Simon. Dieser unterlag dann allerdings bei der Delegiertenversammlung im September gegen Köhler. Dieser sieht den Grund für seinen Erfolg darin, dass er in der Region gut vernetzt ist. Und er verweist nicht nur auf die Erfahrung als Betriebsrat, sondern auch auf seine Tätigkeit als Schiedsrichter im Fußball.

Politisch ist es für Köhler am wichtigsten, den Tourismus, den Einzelhandel und überhaupt die Wirtschaft im Wahlkreis wieder ans Laufen zu bringen. Wie das funktionieren soll? Zum Beispiel, indem Eigentümer von Geschäftsarealen ihre Miete beziehungsweise Pacht etwas senken. Zudem will er sich dafür einsetzen, dass Unternehmen Steuererleichterungen erhalten.

Beim Thema Gesundheitsversorgung betont Köhler, dass Krankenhäuser unabhängig von Gewinn betrieben werden müssten. Mit der Schließung einiger Abteilungen des Adenauer Krankenhauses habe man leidlich erfahren müssen, welchen Wert ein ortsnahes, eigenes Krankenhaus doch habe, schreibt er auf seiner Internetseite.

Um tatsächlich in den Landtag einzuziehen, ist Köhler auf das Direktmandat angewiesen. Ein Einzug über die Landesliste ist unwahrscheinlich angesichts von Platz 50, den er dort einnimmt. So muss er unter anderem an CDU-Mann Horst Gies, dem bisherigen Inhaber des Direktmandats, vorbei, um tatsächlich künftig in Mainz Berufspolitiker zu werden. Köhler zeigt sich diesbezüglich kämpferisch. „Ich weiß, dass mich viele wählen, die sonst nicht SPD wählen“, sagt er. Und er denke nicht, dass Gies noch mal so stark wie beim letzten Mal abschneidet, schon deshalb, weil diesmal auch die Freien Wähler mit einem Direktkandidaten vertreten sind.

„Ich habe jetzt bei der Landtagswahl überhaupt nichts zu verlieren, wenn ich nicht gewählt werde, mache ich die Arbeit weiter im Verbandsgemeinderat“, zeigt Köhler sich gelassen. Ferner sehe es danach aus, so Köhler, dass er Hilmar Kretzer als Chef des Kalenborner SPD-Ortsvereins beerbt. Auch bei der nächsten Betriebsratswahl will er wieder antreten. Und da werde er sicher gewählt, ist Köhler überzeugt.