Das ist Rheinisch Dä Kölsche ess stulz op singe Schnurres!

Rheinland · Der GA erklärt kurz und knapp alles, was man über den rheinischen Dialekt wissen muss. Immer mit dabei eine rheinische Redensart. Diesmal: dä Schnurres.

 Der Kölner ist stolz auf seinen Schnäuzer.

Der Kölner ist stolz auf seinen Schnäuzer.

Foto: GA-Grafik

Wir haben bis jetzt total vermieden, uns an Äußerlichkeiten abzuarbeiten. Aber das müssen wir ein für alle Mal ändern. Denn auch der Rheinländer hat so seine Traditionen, was die Mode angeht. Dabei ist es gar nicht mal so auffällig wie die Tracht der Norddeutschen, die mit blau-weiß gestreiftem Hemd, einer Schirmmütze und rotem Halstuch immer wieder mal das Klischee füttern.

Der Stamm der Bajuwaren dagegen schlägt mit Lederhose, besticktem Hemd und gamsbebartetem Filzhut auf. Demgegenüber setzt der traditionsbewusste Rheinländer auf zurückhaltende Optik. Ihm reicht ein einziges Requisit. Und das offenbart sich in dem Satz: „Dä Kölsche ess stulz op singe Schnurres.“ Das ist auch für Auswärtige leicht zu übersetzen: Der Kölner ist stolz auf seinen Schnurrbart. Dabei handelt es sich nicht um irgendeinen Schnurrbart, Schnäuzer oder Oberlippenbart.

Er muss schon sehr buschig über der Lippe zum Liegen kommen und zu den Wangen hin langgezogen nach oben gezwirbelt sein. Der prototypische Träger für den kölschen Schnurres war all die Jahrzehnte der Höhnersänger Henning Krautmacher.

Sein Oberlippengewächs hat schon ikonografische Ausmaße angenommen, sodass er zum einen als grafisches Element auf Höhnerplatten genutzt wurde und zum anderen überhaupt nicht mehr wegzudenken war. Nie hätte der arme Mundartfrontmann ihn abnehmen dürfen. Wer weiß, vielleicht tut er es jetzt, wo er offiziell seine Karriere beendet hat. Klar ist: Macht er es tatsächlich, dann wird er so schnell nicht mehr erkannt.

Der Schnurres ist eben von stilprägendem Wiedererkennungswert. Deshalb ist Krautmacher damit auch nicht allein auf weiter Flur. Wir erinnern uns etwa an den Hobbythek-Moderator Jean Pütz, der mit dem Gesamtensemble seiner Lockenpracht und dem passenden Schnurres unverwechselbar wurde. Aber man muss gar nicht so weit in die Vergangenheit gehen.

Aktuell ist Fernsehkoch und Bares-Auktionator Horst Lichter einer der bekanntesten Köpfe, die den rheinischen Schnurres vor sich hertragen. Freilich sieht man dem gewachsenen Modeaccessoire an, dass es sehr pflegeintensiv ist. Peinlich sauber halten, kämmen und auf eine besonders artifizielle Art zwirbeln, das kann nicht jeder und erfordert einiges an Übung. Vielleicht ist das auch der Grund, dass es der Vorzeigerheinländer Willy Millowitsch eher bei der Vulgärvariante des Schäuzers beließ. Der ist morgens viel schneller klarschiff!