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Rheinische Redensarten: Do kumme jo de Kröh an’t Jappe

Rheinische Redensarten : Do kumme jo de Kröh an’t Jappe

Der GA stellt schöne und bedeutungstiefe rheinische Redewendungen vor. In dieser Folge geht es um den Satz „Do kumme jo de Kröh an’t Jappe“.

Es ist heiß! In diesen Tagen. Sehr heiß! So heiß, dass manch einer schon körperliche Probleme hat. Da kommt der Gedanke auf, dass hier der Klimawandel seine Finger im Spiel hat. Das kann gut möglich sein, niemand sollte die Probleme der Welt bagatellisieren. Aber: Auch in früheren Zeiten gab es heiße Tage. Und zwar so regelmäßig, dass der rheinische Dialekt dafür sogar die eine oder andere Redensart hat entstehen lassen. Als Beispiel nehmen wir uns mal die Wendung vor: „Do kumme jo de Kröh an’t Jappe.“

Den Satz hat uns eine Alftererin — oder sagt man jetzt Alfterin? — ans Herz gelegt. Die Übersetzung lautet: Da fangen ja die Krähen an zu japsen. Soll heißen: es ist unerträglich heiß. Denn so viel steht fest: Krähen sieht man selten japsen. Bei Hunden und Katzen ist das anders, denn die verziehen sich schon relativ früh in den Schatten, legen sich ab und blicken indigniert mit offenem Maul oder Schnauze — die Pupillen auf unendlich gestellt. Bloß nicht bewegen, ist das Motto. Einfach mal dem Schweiß keine Chance geben sich zu bilden.

Rabenvögel sind Symbol des Bösen

Aber es geht bei dem Satz nicht nur um die Beobachtung, dass man Krähen selten japsen sieht. Denn die Rabenvögel werden allgemein als Symbol des Bösen verstanden. Sie sind Schwarz und haben ein brutales Wesen. Sie attackieren Konkurrenten wie andere Krähenarten und Elstern, kapern die Nester und töten deren Nachwuchs. Das ist eine ganz fiese Strategie. Rabe und Krähe sind ja die Attribute der Hexe im Märchen, und auch der Horrorklassiker „Die Vögel“ von Alfred Hitchcock arbeitet mit dem schwarzen Federvieh, um das Grauen darzustellen. Mit Erfolg.

Der teuflische Schutzschirm hilft nicht

Und so darf man annehmen, dass die Krähe ein besonderes Verhältnis zu den dunklen Mächten der Welt besitzt und somit vielleicht sogar einen besonderen Schutz genießt. Wenn es nun so heiß ist, dass selbst die Krähe leidet, dann ist es wirklich weit gekommen. Wenn selbst der teuflische Schutzschirm ihr nicht hilft. Eine Steigerung ist da kaum noch denkbar. Kein Wunder, dass der römisch-katholische Rheinländer zu einer derartigen sprachlichen Zuspitzung greift.